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Franziska Drescher Beste vor der Handwerkskammer Hannover / Zweite im Bundeswettbewerb

Im Männerberuf Lackierer gewinnt eine Frau

Schaumburg. Ganz schön verrückt, dass die beiden besten Fahrzeuglackierergesellen Deutschlands in diesem Jahr zwei Mädchen sind! Eine davon ist Franziska Drescher (22) aus dem Rintelner Ortsteil Schaumburg. Sie errang nach dem Kammersieg in der Handwerkskammer Hannover nun den zweiten Platz beim Bundeswettbewerb und ist einfach glücklich darüber.

veröffentlicht am 28.12.2007 um 00:00 Uhr

Franziska Drescher will im nächsten Jahr ihren Meister machen, w

Autor:

Cornelia Kurth

"Ich steh auf Farben!" sagt sie. Das bedeutet für sie, genau zu prüfen, wie der Einsatz einer bestimmten Farbgebung das Anliegen eines Auftraggebers am besten unterstützt. Als Lackiererin spritzt sie ja nicht Wagen aller Art in einheitlich vorgegebenen Farben, sondern häufig kommen auch Aufträge für Logos und Beschriftungen von Firmenwagen. Im Wettbewerb sollte sie unter anderem eine Autotür lackieren und mit dem Emblem der Handwerkskammer samt dazugehörenden Schriftzügen versehen. Das ist ihr auf eine zugleich dezente und souveräne Weise großartig gelungen. Da ihr Vater Werner Drescher in Bückeburg Kfz-Mechanikermeister ist, kannte sie sich bereits als Kind in Autowerkstätten bestens aus und durfte, weil sie sich so geschickt anstellte, auch immer wieder mithelfen. Zuhause besaß sie eine Reihe Modellautos, die sie mit einer Airbrushpistole umspritzte. "Eine ganze schöne Fummelei", sagt sie und lächelt dabei so, dass man merkt: Gerade die sorgfältige Kleinarbeit macht ihr besonderen Spaß. Während der Ausbildung in ihrem Hamelner Karosserie-Fachbetrieb interessierte sie sich ganz besonders für die Farbenlehre. Ihr Beruf umfasst ja nicht nur die Kfz-Lackiererei, sondern bezieht auch den Malerberuf mit ein. Im ersten Lehrjahr, in der Berufsschule, stand die farbliche Gestaltung von Innenräumen sogar im Mittelpunkt - und auch das faszinierte sie: Wie Farben auf das Gemüt wirken können, wie wichtig es ist, je nach Wohnzweck eine geeignete Farbgebung zu wählen. "Wenn ich Grufties sehe, die sich immer nur ganz in Schwarz kleiden - o neee - sowas kann ich überhaupt nicht verstehen!" Es ist wirklich selten, dass Mädchen sich so für den klassischen Männerberuf des Fahrzeuglackierers interessieren. Über 90 Prozent der Auszubildenden sind männlich. Es gehört eben auch ein großes Interesse für Autos dazu, um diesen Beruf so lieben zu können. "Da wird so ein kaputtes Auto auf den Hof gebracht, und nachher sieht es wieder aus wie neu! Dann weiß ich: Das hast Du gemacht!" Ganz klar - ein Bürojob, wo man nur am Schreibtisch sitzt, wäre für Franziska Drescher niemals in Frage gekommen. Oft geht es in der täglichen Arbeit nur darum, einen Wagen mit einer perfekten Lackierung zu versehen. Die Farben werden mit Hilfe eines PC-Programms nach festen Vorgaben angemischt, und doch muss, damit es auch wirklich perfekt stimmt, hier noch ein Tropfen Rot, da noch etwas Grün dazugeben werden - eine Sache des fast schon instinktiven Augenmaßes. Vor allem Sorgfalt ist gefordert, die Bereitschaft, immer noch mal und noch mal zu prüfen, ob der Lack auch ohne jede Unebenheit aufgetragen wurde. "Schludrig darf man nicht sein - die Kunden nehmen es ja auch sehr genau." Im nächsten Jahr will sie ihren Meister machen, wofür ihr eine Begabtenförderung der Handwerkskammer Hannover bereits sicher ist, und sie hofft, dass sich dann schnell ein Weg in die Selbständigkeit findet. "Am liebsten würde ich mit einer Frau zusammen arbeiten", sagt sie. "Hoffentlich gibt es hier in der Gegend eine andere Fahrzeuglackiererin, die daran Interesse hat." Viel Glück!

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