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Von Start-ups und Coworking Spaces

Im Konzern oder in der Blase?

Große Unternehmen müssen sich für die digitale Zukunft komplett öffnen. Manche finden es besser, ihre Start-up-Spielwiesen nicht unter dem Firmendach anzusiedeln – das schafft mehr Freiheit und so bekommt man andere Bewerber.

veröffentlicht am 04.06.2019 um 12:24 Uhr

Hinter den Hallen der Internetmesse re:publica stand vor Kurzem ein begehbarer Truck mit einem ungewöhnlichen Logo. Es erinnerte an den Mercedes-Stern, hatte aber vier statt drei Zacken. Und auf dem Truck stand auch nicht Mercedes, sondern „Lab1886“. Mit dem schwäbischen Autogiganten hatte der Truck trotzdem zu tun. Lab1886, benannt nach dem Datum der Patentanmeldung der Motorkutsche durch Gottfried Daimler, ist der Name der digitalen Ideenschmiede des Konzerns. 

Aus diesem Innovationslabor gingen das Carsharing-Angebot car2go hervor, der Sammeltaxidienst Moovel und der digitale Zugang zur sogenannten Mercedes-Welt „Mercedes Me“. Hier schlägt das Herz des Umbaus eines Autobauers in einen Mobilitätskonzern. Aber wieso findet das alles nicht unter dem Daimler-Dach statt, sondern außerhalb, in Berlin, Kalifornien und Peking?

Wir wollen die besten Start-ups der Mobilitätsindustrie nach Stuttgart ziehen.

Susanne Hahn, Chefin des Lab1886
 Es gehe um „Unabhängigkeit und Freiheit“, sagt Susanne Hahn, Chefin des Lab1886. Und um Schnelligkeit. „Die digitalen Geschäftsmodelle beauftragen wir selbst“, erklärt sie, „und wir schaffen eigenständige Start-ups, an denen wir uns beteiligen.“ So kann Daimler auch Gründer, Nerds und Freigeister an sich binden, die nicht nach Stuttgart ziehen würden. Dabei geht Daimler noch einen anderen Weg als andere Konzerne: Der Hauptsitz von Lab1886 befindet sich eben doch in der Schwabenmetropole. Und mit dem Projekt „Startup Autobahn“ versucht Hahn, „die besten Start-ups der Mobilitätsindustrie nach Stuttgart zu ziehen“. Dabei legt sie auch Wert darauf, dass die Welten von Blech und Bytes nicht allzu sehr auseinanderdriften: „Für einige unserer Geschäftsmodelle ist es sinnvoll, dass die Lab-Mitarbeiter die Produktion kennenlernen und Geschäftsmodelle zusammen mit den Bandarbeitern entwickeln“, sagt sie.

 

Digitale Denkfabriken zieht es in die Hauptstadt

 

Ohne einen Standort in Berlin aber kommt keine digitale Denkfabrik eines Konzerns mehr aus. 40 Entwickler sitzen in einem Gebäude mitten in Mitte – und arbeiten natürlich in der Datencloud zusammen mit ihren Kollegen in China, den USA und Schwaben. 

Andere Firmen setzen auf den Austausch und mieten sich in einem der neuen, schicken Coworking Spaces, also einer Art Bürogemeinschaft, der Hauptstadt ein. Wie etwa in der Factory mit ihren zwei Standorten in Mitte und am Görlitzer Park – zufällig beide am ehemaligen Mauerstreifen gelegen.

Information

Brandenburg fördert Coworking in der Provinz

Brandenburg will mehr Kreative in ländliche Regionen locken. Dazu unterstützt das Land aktuell ein Coworking-Projekt der Stadt Wittenberge in der Prignitz im Nordwesten Brandenburgs mit mehr als 37 000 Euro aus Lottomitteln.

Die Stadt an der Elbe auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg plant im Rahmen einer Imagekampagne, bis zu 20 sogenannte Digitalarbeiter für ein halbes Jahr einzuladen, um in Wittenberge zu wohnen und zu arbeiten. Dafür stellt die Stadt kostenlose Coworking Spaces zur Verfügung. Neben den Gemeinschaftsarbeitsräumen bekämen die Digitalarbeiter eine nahezu mietfreie Nutzung städtischer Wohnungen für den Zeitraum von sechs Monaten zugesichert. Das Projekt trägt den Namen „The Summer of Pioneers“ und richtet sich speziell an die Digitalwirtschaft.

Ziel sei es, Wittenberge als attraktiven Wohn- und Schaffensort für die Branche bekannt zu machen. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) spricht von einer Chance, „die Digital- und Kreativwirtschaft als neue Zielgruppe potenzieller Zuzügler für sich zu interessieren und zugleich einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt zu leisten“. Leer stehender Wohnraum werde genutzt und das Projekt könne der regionalen Kreativszene einen Schub geben.



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