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Seltenes Stück wird aufgemöbelt / Als Barschrank wäre der antiquarische Wert gleich Null

Im Himmelbett "drohte" der Herzstillstand

Nienstädt (mw). "Himmelbett oder Barschrank?" - das ist die Frage, die noch zu klären ist, bevor Kurt Waldeck, der Inhaber der im Gebäude Hüttenstraße 48 in Nienstädt ansässigen "Möbel- und Kunstwerkstätten Kurt Waldeck - Alte Bauernmöbel", ans Werk gehen kann. Damit entscheidet sich auch, ob aus einem antiken Möbel ein originalgetreu renoviertes oder lediglich "originelles" Möbelstück wird.

veröffentlicht am 22.10.2007 um 00:00 Uhr

Kurt Waldeck würde das mehr als 200 Jahre alte Himmelbett nicht

Ein seltenes Möbelstück - genauer: ein antikes Himmelbett mit Rautenfüllungen, geschlossenem Hinterteil und durchgehendem Himmel - wartet derzeit in der Werkstatt von Kurt Waldeck auf seine zukünftige Bestimmung. Nachdem Waldeck das Schlafmöbel ursprünglich renovieren und auf ein heutiges Standardmaß von zwei Metern Länge (innen) verlängern sollte, habe dessen aus Süddeutschland stammender Eigentümer mittlerweile auch einen alternativen Umbau als Bar- beziehungsweise Buffetschrank in Betracht gezogen, berichtet der Nienstädter. Dann würde Waldeck das Fußteil des Bettes als Vorderfront des Buffets beziehungsweise der Thekenanlage herrichten und das Kopfteil als Rückseite des Thekenbereichs, wobei dann eine kleine Anrichte aus altem Holz zusätzlich eingebaut werden würde. Wenn es nach Waldeck ginge, würde er das - nach Angaben seines Kunden - zwischen 1750 und 1780 gefertigte Himmelbett in dessen ursprünglicher Funktion belassen, denn bei einem Umbau wäre der "antiquarische Wert gleich Null". Bei einer fachmännischen Renovierung stiege indes der derzeitige Wert (rund 2500 bis 3000 Euro) desSchlafmöbels, so der Tischlermeister und Architekt. Immerhin könne man für solch ein Himmelbett in guten Original-Zustand 5000 bis 7000 Euro verlangen - je nachdem, wie gut die Schnitzereien und Malereien erhalten sind. Der Reiz, das Bett zweckentfremdet umzubauen, liege dagegen darin, dass der Kunde dann ein "originelles Stück" in seiner Bar stehen habe und dessen Bekannte "den Mund nicht zu kriegen", mutmaßt Waldeck. Wie sich der Kunde auch entscheidet, in jedem Fall wird Waldeck reichlich Arbeit mit dem Himmelbett haben. "Da muss Einiges gemacht werden", kommentiert er eine mögliche Renovierung. Schließlich sei das Bett "sehr renovierungsbedürftig": So müssen etwa dessen Zapfen sowie teilweise die Füllungen im Himmel erneuert und Holzteile an den hinteren Holmen durch altes Eichenholz ersetzt werden. Vom Schwierigkeitsgrad her seien diese Arbeiten für ihn jedoch "nichts Weltbewegendes", sagt Waldeck, der auch schon Nachbauten solcher Betten angefertigt hat. Dennoch sei so ein Bett schon was Besonderes: "Das suchen Sie mal!" "Das Urige an der ganzen Sache" ist laut Waldeck am Kopfende des Himmelbettes zu finden, wo im oberen Bereich ein Aufbau mit drei Schiebetüren vorhanden ist. Darin habe man in früheren Zeiten Geld aufbewahrt, worauf die Redewendung "etwas auf die hohe Kante legen" zurückzuführen sei, weiß Waldeck. Ein Kuriosum - die mit 1,70 Meter geringe Länge der Liegefläche betreffend -- hat Waldeck ebenfalls parat: Zwar seien die Leute seinerzeit kleiner gewesen als heute, damals hätten die Menschen aber auch geglaubt, dass längeres Liegen einen Herzstillstand verursachen könne und daher oftmals im Sitzen geschlafen. Noch im Oktober soll sich laut Waldeck entscheiden, was aus dem Bett wird.



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