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Zwei Unternehmerinnen klagenüber das Kaufverhalten: Örtliche Geschäfte nur frequentiert, wenn das Auto kaputt oder das Wetter schlecht ist

Im Flecken Lauenau sterben die Läden - Einzelhändler geben auf

Lauenau (nah). Der Flecken Lauenau steht offenbar vor dem gleichen Schicksal, das andere Klein- und Mittelstädte der Region bereits hinter sich haben: Einzelhändler geben auf. Läden werden geräumt. Bisher zeigte die Ortsmitte wenig Lücken. Doch jetzt gibt es schon zwei Leerstände in der Marktstraße, zwei weitere folgen in der Coppenbrügger Landstraße. Bettina Kölling hatte in der "Idee" am vergangenen Sonnabend ihren letzten Tag. Heute beginnt Sabine Schönhardt im "Textilhaus Burschel" mit dem Räumungsverkauf. "Das ist erst der Anfang", weiß Kölling von mindestens einer weiteren Schließung noch in diesem Jahr.

veröffentlicht am 30.05.2007 um 00:00 Uhr

Sabine Schönhardt gibt auf: Das traditionsreiche "Textilhaus Bur

Bei Sabine Schönhardt sitzt der Ärger tief. Vor 13 Jahren hatte sie das seit 1934 bestehende "Textilhaus Burschel" übernommen. Anfangs lief es mit Wäsche und Bekleidung gut. Doch seit etwa vier Jahren ging es in einer "schleichenden Entwicklung" bergab. "Dabei habe ich alles versucht, um an die Einwohner heranzukommen", zählt sie auf: drei Modenschauen, lange Sonnabende, Rabattaktionen und viel Werbung. Jedoch: "Die Lauenauer Geschäfte werden wohl nur frequentiert, wenn das Auto kaputt ist oder schlechtes Wetter herrscht", kommentiert sie bitter das Kaufverhalten. Dabei sind es nicht nur die größeren Städte in der Nähe. Versandhandel und Internet erweisen sich als erdrückende Konkurrenz: "Zu mir kommen Frauen, probieren ausführlich BHs an und bedanken sich für die freundliche Beratung. Anschließend kaufen sie woanders." So könne auf Dauer kein Geschäft bestehen: "Manche glaubenimmer noch, wir verdienen uns hier eine goldene Nase." Ladenbesitzer seien gefragt, wenn Vereine und Organisationen für Festschriften oder Verlosungen nach Anzeigen oder Spenden fragen: "Dann kommen die Leute, aber zum Kaufen nicht." In der "Idee" sind nicht nur bei Bettina Kölling und ihren Mitarbeiterinnen Tränen geflossen: "Auch viele Stammkunden bedauern das Ende", berichtet sie. "betriebswirtschaftliche Gründe" verlangen einen Schlussstrich. "Dieses Geschäft war mein Traum; aber es lässt sich nicht halten." Auch sie hat im vergangenen Jahr einen extremen Umsatzrückgang erleben müssen. "Im Internet wird gekauft, aber die Reparaturen soll ich erledigen lassen", beschreibt sie die Mentalität mancher Kunden. In der Marktstraße ließ Eileen Pöhler am vergangenen Wochenende auf einem Lastwagen die restliche Ladeneinrichtung von "My Fashion-Point" abfahren. Dass sie nach nur zwei Jahren ihr Modegeschäft aufgibt, habe überwiegend familiäre Gründe. Doch die Mutter dreier Kinder spart nicht mit Kritik: Ein Beispiel sei für sie der zur Eishalle verlegte Weihnachtsmarkt. Diese sei ein großes Plus für den Ort, benötige aber keine zusätzlichen Aktionen. Der Markttag würde der Ortsmitte besser bekommen. Auch Pöhler verlangt wie ihre Kolleginnen ein Umdenken in der Bevölkerung: "Das Angebot in Lauenau ist nicht teurer als in hannoverschen Kaufhäusern." "Unsere heimischen Fachgeschäfte können nur vom heimischen Publikum leben", sagt Bürgermeister Heinz Laufmöller, der viel Lob für die Händler aufbringt. Er hat die vielen Neubürger im Blick, die vielleicht noch gar nicht das örtliche Angebot geprüft haben: "Leider bewahren viele Leute noch bis zu zehn Jahren ihre Kaufgewohnheiten am alten Standort, auch wenn sie längst umgezogen sind." Er wolle die Situation jetzt im Rat thematisieren, sieht aber kaum Lösungsansätze: "Das ist keine neue Entwicklung und auch kein Lauenauer Problem." "Wir tun vieles, um Leute in den Ort zu locken", verweist der Vorsitzende der "Lauenauer Runde", Heyno Garbe, an zahlreiche Initiativen. "Aber der Verbraucher muss selbst seine Verantwortung für den Einzelhandel vor Ort erkennen", wünscht er sich. Er könne kaum verstehen, warum Menschen Zeit und Geld verbrauchen, um weite Strecken zurückzulegen für Dinge, die sie auch vor Ort erhalten. Für Bettina Kölling ist die Entwicklung fast ein Teufelskreis: Wenn den ersten Fachgeschäften weitere folgen, sinke die Attraktivität des Fleckens als Zentrum für das Umland ganz rapide. "Dann werden wir alle noch merken, wie viel uns fehlt."

Modehändlerin Eileen Pöhler lässt die restliche Ladeneinrichtung
  • Modehändlerin Eileen Pöhler lässt die restliche Ladeneinrichtung aus ihrem Geschäft abholen.
Aus für "Die "Idee": Auch Bettina Kölling gibt auf. Fotos: nah
  • Aus für "Die "Idee": Auch Bettina Kölling gibt auf. Fotos: nah


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