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Gemeinden kämpfen gegen Leerstände / Makler beobachtet Wandel

Im Einsatz für Erhalt alter Häuser

Coppenbrügge/Salzhemmendorf (hen). Klaus-Dieter Dohme ist Hüter eines besonderen Schatzes: 260 Coppenbrügger Fachwerkhäuser. Allerdings kann man nicht in sie hineingehen oder sie gar bewohnen – es sind Aquarelle, die der Immobilienmakler in den Jahren 1993 bis 1996 von dem inzwischen verstorbenen Friedrich Zahn malen ließ. „Einige dieser Häuser stehen gar nicht mehr“, sagt Dohme, der mit dem auch finanziell aufwendigen Auftrag seine Leidenschaft für Fachwerkhäuser dokumentiert sieht.

veröffentlicht am 14.10.2009 um 14:34 Uhr
aktualisiert am 06.07.2010 um 15:42 Uhr

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Klaus-Dieter Dohme: Seine Leidenschaft gilt Fachwerkhäusern.

Coppenbrügge/Salzhemmendorf (hen). Klaus-Dieter Dohme ist Hüter eines besonderen Schatzes: 260 Coppenbrügger Fachwerkhäuser. Allerdings kann man nicht in sie hineingehen oder sie gar bewohnen – es sind Aquarelle, die der Immobilienmakler in den Jahren 1993 bis 1996 von dem inzwischen verstorbenen Friedrich Zahn malen ließ. „Einige dieser Häuser stehen gar nicht mehr“, sagt Dohme, der mit dem auch finanziell aufwendigen Auftrag seine Leidenschaft für Fachwerkhäuser dokumentiert sieht. Seit 32 Jahren ist er in seinem Metier tätig – vor allem in den letzten zehn Jahren hat er beobachtet, dass sich der Markt verändert: „Die Bereitschaft, die Muskelhypothek einzusetzen, hat nachgelassen. Junge Leute sind immer weniger bereit, die Ärmel hochzukrempeln.“ Zugleich würden immer mehr ältere Menschen in ihren Häusern bleiben, die für sie – oft allein lebend – viel zu groß geworden sind. Wenn sie dann doch verkauft werden müssen, sind sie oft in keinem guten Zustand mehr – leer- stehende, verfallende Häuser wünscht sich niemand für das Ortsbild.

Dohme, für die UWG auch als Kommunalpolitiker im Coppenbrügger Gemeinderat tätig, kritisiert: „Die Denkmalschutzbehörde hat in nicht unerheblichem Maße dazu beigetragen, dass Substanz vernichtet wird“, weil Forderungen der Behörde von den Eigentümern aus Kostengründen oft nicht erfüllt werden könnten. Neben dem demografischen Faktor wird die Situation durch die wirtschaftliche Infrastruktur noch verschärft: „Dort, wo es früher Betriebe gab, sind die Arbeitsplätze weggefallen und die Leute gehen weg. Vor allem die Klein- und Mittelindustrie bricht weg“, sagt Dohme – auch hier sind Leerstände die Folge. Beispiele betroffener Ortschaften gibt es sowohl in den Flecken Coppenbrügge als auch in Salzhemmendorf. Vor allem in Ortsteilrandlagen sei es besonders schwer, für Häuser neue Eigentümer zu finden, weil dort die Infrastruktur fehle. „Für ein Objekt habe ich zehn Jahre gebraucht, bis ich es verkauft habe“, sagt der Makler, der einen immensen Preisverfall beobachtet. „Häuser, die mit 70 000 oder 80 000 Euro angeboten waren, gehen dann für 30 000 Euro weg.“ Der Kommunalpolitiker sieht aber auch hier gerade eine Chance für Niedrigverdiener und fordert, dass auch Hartz-IV-Empfänger als Käufer auftreten dürfen: „Die Belastungen für ein solches Haus wären oft geringer als die Mietzahlungen.“ Bürgschaften könnten Gemeinden oder Banken übernehmen, meint Dohme. Nach seiner Erfahrung setze sich diese Klientel engagiert für eine Sanierung mit eigenen Kräften ein, wenn man sie denn lasse. Einen Brief zum Thema Sonderkreditprogramm für Sanierung und Modernisierung von Objekten im Zentrum hat Dohme an Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka weitergeleitet.

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Das Thema werde die Gemeinden auch in den nächsten Jahren verstärkt beschäftigen, sagt Peschka und verweist auf das Landesprojekt „Umbau statt Zuwachs“, das eben diese Umgestaltung mit zum Thema hat und an dem sich auch Coppenbrügge und Salzhemmendorf beteiligen (wir berichteten). Ein Ziel ist es beispielsweise, ein Leerstandskataster zu erstellen. „Für Geschäftsgebäude gibt es diese Möglichkeit schon durch die Industrie- und Handelskammer“, sagt Peschka, der der Meinung ist, man müsse jede Idee aufgreifen.

In der jüngsten Sitzung des Salzhemmendorfer Gemeinderates war es Petra

Haehnel (SPD), die die Bitte an die Verwaltung richtete, ein solches Kataster auf der Internetseite des Fleckens einzurichten – auch ihr Blick ging dabei auf die zunehmenden Leerstände.

Bürgermeister Martin Kempe hofft, durch ein gezieltes Angebot im Kernort mit betreutem Wohnen eine gute Alternative zu bieten. „Hier kann die Gemeinde helfen zu koordinieren“, aber es brauche vor allem einen Investor für ein Wohnprojekt. In den Ortschaften hält Kempe es für eine gute Idee, durch Zusammenfassen mehrerer Grundstücke Angebote zu finden, die auch nachgefragt werden, beispielsweise Resthöfe. Vor Ort müsse vielleicht aber auch „manche Sensibilität bezüglich Veränderungen aufgegeben werden“, meint der Bürgermeister und meint damit den Bau von Windkraft- oder Biogasanlagen.

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