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Künftige Generationen sollen die Reservoire auf Planeten und Monden nutzen können

Im All gibt es viel mehr Wasser als gedacht

Köln. Der Mangel an Trinkwasser ist eines der größten Probleme der Menschheit. Die Vorräte werden knapper, die Suche nach neuen Quellen wird immer wichtiger. Renommierte Wissenschaftler stöbern auch tief unter dem Meer nach Süßwasser. Sogar auf weit entfernten Planeten und Monden sind Experten Flüssigwasser-Reservoirs auf der Spur. „Wasser ist eine essenzielle Grundlage für Leben. Wir suchen keine kleinen grünen Männchen, sondern Voraussetzungen für Leben“, sagte Professor Joachim Saur, Leiter des Instituts für Geophysik an der Kölner Universität zum Auftakt einer internationalen Tagung. Seine Favoriten: der Jupiter-Mond Europa und die Saturn-Monde Titan und Enceladus.

veröffentlicht am 22.02.2011 um 18:18 Uhr

Eisvulkane auf dem Saturn-Mond zeigt diese Computergrafik aus Daten der Cassini-Weltraumsonde.  Foto: dpa

Autor:

Yuriko Wahl

„Noch sind wir im Stadium der Grundlagenforschung. Aber in mittlerer Zukunft könnte Wasser von unserem Erd-Mond der Versorgung von Astronauten dienen“, glaubt der Forscher. „Wasser anderer Planeten oder Monde wird eines Tages nutzbar sein für die Menschheit. Für unsere Generation liegt das allerdings noch außerhalb des Machbaren.“

Wasser gibt es überall im Universum, allerdings meistens gasförmig oder gefroren. Saur: „Noch vor einigen Jahren haben wir geglaubt, nur auf der Erde gebe es flüssiges Wasser, dank der richtigen Entfernung zur Sonne und 15 Grad Durchschnittstemperatur.“ Unser „nächster Nachbar“ – der Mars – sei mit -55 Grad zu kalt für flüssiges Wasser, die Venus mit 400 Grad zu heiß.

„Es hieß schon, unser Sonnensystem ist nicht geeignet für die Suche nach Flüssigwasser, aber jetzt haben wir drei Monde als Hauptkandidaten“, erklärt der Experte. Beim Jupiter-Mond Europa liegen ganze Ozeane unter einem gut zehn Kilometer dicken Eispanzer. „Die Raumsonde Galileo hat entsprechende Magnetfelder aufgenommen und Daten runtergefunkt, die wir mit aufwendigen Computerberechnungen ausgewertet haben.“ Das Kölner Institut kooperiert mit US-Forschern und hat hier deutschlandweit die Nase vorn. „Beim Saturn-Mond Enceladus haben wir Gletscherspalten ausgemacht, aus denen Wasser-Geysire austreten. Aktuell suchen wir mithilfe des US-Weltraumteleskops ,Hubble‘ Wasser auf dem größten Mond unseres Sonnensystems, das ist Ganymed“, berichtet Saur.

Unten auf der Erde setzt das Team seines Geophysiker-Kollegen Professor Bülent Tezkan auf die Tiefen des Mittelmeers, um an neues Trinkwasser zu kommen. „Es gab die Vermutung in Israel, dass dort Grundwasser unter dem Meer liegt, aber die dortigen Wissenschaftler konnten den Nachweis nicht erbringen“, sagt Tezkan. „Wir haben das Grundwasser unter einer 120 Meter dicken Sediment-Schicht mit unseren elektromagnetischen Methoden nachgewiesen.“

Ein wichtiger Schritt, denn in Regionen mit besonderen Wasserproblemen und schwindenden Vorräten wie dem Nahen Osten sorgt das kostbare Nass bereits für politische Konflikte. Entsalzungsanlagen, die aus Meerwasser Trinkwasser machen, sind extrem teuer, weiß Tezkan, der mit Saur die viertägige Veranstaltung in Köln leitet. „Da wäre es schon billiger, das Grundwasser auch aus großen Tiefen unter dem Meer hochzupumpen.“

Fast 900 Millionen Menschen haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen derzeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In 20 bis 30 Jahren werde es Prognosen zufolge zu einer sehr großen Wasserknappheit in vielen Teilen der Welt kommen, meint Tezkan. Klimawandel, steigender Verbrauch und anhaltende Verschmutzung gehören zu den Gründen. „Wasser ist Leben. Auch wir Wissenschaftler stehen da vor einer sehr drängenden Aufgabe.“

Extraterrestriker aus aller Welt treffen sich in Köln. Sie diskutieren aber nicht über Ufos und Aliens: Den Experten geht es um Wasserquellen in entfernten Weiten des Sonnensystems. Auch auf der Erde suchen Geophysiker an ungewöhnlichen Orten nach Wasser.



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