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Der Kandelaber-Ehrenpreis

Ihre Majestät, die Schwankende

Stauden sind die Kür in der Gartengestaltung. Im Wesentlichen handelt es sich um frostharte Pflanzen, deren Pflanzenteile oberirdisch vor jedem Winter absterben, deren Wurzelstock aber überlebt und im Frühling neu austreibt. Umso wichtiger, sie regelmäßig näher zu betrachten. Diesmal: Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum).

veröffentlicht am 30.06.2017 um 00:00 Uhr

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Autor:

Saskia Gamender und Jens F. Meyer

Der botanische Name Veronicastrum hört sich wie eine Weiterentwicklung von Veronica an, doch hat der hoch aufragende Kandelaber-Ehrenpreis mit dem Ehrenpreis nicht viel gemein. Mehr noch: Veronicastrum gehört nicht einmal zur artenreichen Gattung Veronica, die sehr vielseitig sowohl in Steingärten als auch in Rabatten und gemischten Staudenbeeten eingesetzt werden kann. Vielleicht nicht gar so facettenreich, dafür aber majestätisch sich über den Beeten erhebend und nicht, wie der Ehrenpreis, bisweilen ein zurückhaltendes Schattendasein lebend, ist der Kandelaber-Ehrenpreis (oder auch Arznei-Ehrenpreis) eine eingehende Betrachtung wert. Als ornamentale Pflanze wird er immer noch unterschätzt, was kaum an seinem Antlitz liegt, sondern vielmehr zu tun hat mit seinem noch immer niedrigen Bekanntheitsgrad.

Die Energie dieser Pflanzen ist schon im Frühling erkennbar, wenn sie mit sehr kräftigem, gegen Schnecken unempfindlichem Austrieb, aus der Winterruhe ans Licht drängt. Sie legt schnell an Höhe zu, um gegen Ende Mai ihre einem Kandelaber gleich gestellten Blütenkerzen an langen Stängeln emporzuschieben. Die Meinungen darüber, ob die Pflanze eine Stütze braucht, um der Blütenpracht einen optischen Halt zu geben, gehen auseinander. Nötig ist die Beihilfe nicht, denn die Beweglichkeit der Stängel und Blätter ist hoch, und kaum ein Sturm wird in der Lage sein, sie zu brechen. Die Blütenkerzen schaukeln hin und her, schaukeln über den Köpfen anderer, niedriger wachsender Arten. Wer dem Kandelaber-Ehrenpreis besseren Halt geben möchte, pflanzt ihn also inmitten einer gemischten Staudenanlage mit Sonnenhut, Margeriten, Indianernesseln, Mohn und Mutterkraut, aber außerdem auch mit hochwachsenden Herbstgräsern. So kommt er zu hohen Würden und lässt von seinem glanzvollen Auftritt auch auf die anderen abstrahlen. Eine klassische Win-win-Situation

Für viele Gartenbesitzer stellt der Kandelaber-Ehrenpreis die „moderne Version“ des Ehrenpreises dar. Aber während der Ehrenpreis, bereits 2007 vom Bund Deutscher Staudengärtner sicher nicht zu Unrecht als „Staude des Jahres“ gekürt, vor allem durch seine vielseitige Einsetzbarkeit und Artenvielfalt überzeugt, oftmals aber an optischer Präsens vermissen lässt, ist der Kandelaber-Ehrenpreis eine majestätische Erscheinung. Bis zwei Meter hoch wachsen seine von zahllosen Einzelblüten besetzten Blütenkerzen und liefern dabei ein Farbspektrum zwischen weiß über pink und lila bis zum Lavendelblau! Dass diese markante Erscheinung nicht nur ihre Betrachter in den Bann zieht, sondern auch bei Schmetterlingen und Bienen heiß begehrt ist, ist nur ein weiterer Grund, einen Platz für den Kandelaber-Ehrenpreis zu finden.

Die Annahme, der Platz dafür reiche nur in großen Beetanlagen, ist nicht richtig. In der Tat sieht diese imposante Erscheinung dort am besten aus, wo sie sich ausbreiten und mit dem Wind spielen kann. Jedoch ist der Staudenhorst relativ schmal; sie streckt sich also aus einem vergleichsweise kleinen Erdbereich hinauf und wird erst mit zunehmender Höhe raumgreifender.

Die Anmut von Veronicastrum-Pflanzen beginnt schon lange, bevor die Blüten aufgegangen sind. Selbst die Knospen sind schon eine Zierde. Und nach der Blüte lassen auch die Samenstände nicht an Schönheit missen. Der Boden sollte nährstoffreich sein und niemals zu trocken werden. Lichter Halbschatten oder vollsonnig – das gefällt dem Kandelaber-Ehrenpreis am besten. In den Schatten braucht man ihn nicht zu setzen, denn dort findet er keinen Halt und knickt um.

Exposé und Sorten:

Der Kandelaber-Ehrenpreis steht gerne mindestens halbsonnig oder vollsonnig auf nährstoffreichen, frischen und nicht zu tonigen Böden. Er blüht zwischen Juni und August und ist eine imposante Pflanze, die dem gemischten Staudenbeet Würde und Struktur verleiht. Mittlerweile ist die Sortenvielfalt groß. Zu den besten gehören unter anderem:

(Veronicastrum virginicum)
’Diana‘ – rein weiße Blütenkerzen, wiuchsfreudiger und strahlender als die Sorte ’Album’, Wuchshöhe 100 cm;
’Fascination‘ – leuchtendes lila bis rotviolett, bisweilen sogar zweifarbig, sehr lange blühend und imposant, bis 140 cm;
’Pink Glow‘ – hübsch rosa, intensiver als ’Roseum’;
’Lavendelturm‘ – eine Ausnahmeerscheinung in dieser Gattung, mit blauen Blüten sehr auffällig, bis 100 cm;
’Erika‘ – aus pinkfarbenen, dunklen Knospen kommen zartrosafarbene Blüten, spannendes Schauspiel der Züchtung, absolut überzeugende Sortenzüchtung, bis 150 cm hoch;

(Veronicastrum japonicum)
’Apollo‘ – Blüte hellblau bis violett, bis 140 cm hoch;


(Veronicastrum sibiricum)
’Red Arrows‘ – deutlicher gedrungenerer Wuchs als bei anderen Veronicastrum-Sorten, mit breiteren Blättern und kompakterer Blütenrispe, Besonderheit ist die weinrote Färbung der frisch austreibenden Blätter, bis 120 cm hoch.ey

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