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Projekt sollte grundlegendüberdacht werden / Neuhäuser sieht bisherige WGS-Position bestätigt

IHK warnt: Bahnhofstraße schadet Innenstadt

Rinteln (wm). Die Industrie- und Handelskammer Hannover hat in ihrer Stellungnahme zum geplanten neuen Einkaufszentrum an der Bahnhofstraße allen, die das Projekt forcieren, einen Schuss vor den Bug gesetzt. Tenor der IHK: Die Planung sollte "grundlegend" überdacht werden, bringe "keine Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung in der nördlichen Kernstadt" und gefährde das parallel geplante Einkaufszentrum Kloster-Karree in der Klosterstraße. Fazit der IHK: "Wir raten von der Ansiedlung zentrenrelevanten Einzelhandels im geplanten Einkaufszentrum ab."

veröffentlicht am 27.03.2008 um 00:00 Uhr

Das geplante Einkaufszentrum Bahnhofstraße im Gutachterstreit: D

Damit kommt die IHK praktisch zu einer genau gegensätzlichen Beurteilung der Situation wie die Stadtmarketing-Gesellschaft CIMA, die in ihrem 100-Seiten-Gutachten, vorgelegt im Dezember vorigen Jahres (wir berichteten), für beide Großprojekte keine Probleme sieht. Nach Meinung der CIMA habe Rinteln genug Potenzial für Neuansiedlungen. Die IHK urteilt anders und deren Gutachten und weitere Stellungnahmen der "Träger öffentlicher Belange", die das Projekt Bahnhofstraße ebenfalls teilweise kritisch beurteilen, sind zentrales Thema der Bauausschusssitzung am nächsten Mittwoch. Wie WGS-Fraktionsvorsitzender Gert-Armin Neuhäuser gestern auf Anfrage in einem Gespräch deutlich machte, sehe sich die WGS durch das Gutachten der Industrie- und Handelskammer in ihren Bedenken gegen das Sondergebiet Bahnhofstraße mit jedem Satz bestätigt. Neuhäuser: "Die Stellungnahme der IHK gibt im Prinzip genau die bisherige Position der WGS wieder. Ein gleich bleibendes Nachfragepotenzial bei einem Verkaufsflächenzuwachs um mehr als ein Drittel führt allein zu Umsatzumverteilungen und sinkenden Flächenproduktivitäten. Das bringe, so sieht es die IHK, eine massive Belastung der Innenstadt, fehlende Anreize zu Investitionen dort und große Gefahren für das geplante Kloster-Karree." Das IHK-Gutachten, so Neuhäuser, werde sogar noch deutlicher: "Es erscheint als sehr unwahrscheinlich, dass Investoren künftig noch besonderes Interesse an einer Modernisierung, Erweiterung oder dem Neubau von Einzelhandelsimmobilien in der Rintelner Innenstadt zeigen werden, wenn die Stadt großzügige Neubau- und Erweiterungsflächen in einem städtebaulich privilegierten zusätzlichen Versorgungsbereich Bahnhofstraße anbieten sollte." Neuhäuser wies auch darauf hin, dass die IHK ausdrücklich rüge, dass sich die Ratsmehrheit bereits vor Jahren gegenüber Investoren durch Zusagen gebunden habe: "Das engt den Abwägungsspielraum ein." Genau davor habe die WGS gewarnt, vor dem "Durchpeitschen des Vorhabens durch die Ratsmehrheit". Übrigens sei auch die Stellungnahme des Einzelhandelsverbandes Hannover eine "Ohrfeige für das Projekt". Da stehe nämlich zu lesen, so Neuhäuser: "Das Planvorhaben bedeutet eine weitere Schwächung des zentralen Versorgungsbereichs der Innenstadt und wirkt einer zukunftsorientierten Innenstadtentwicklung entgegen." Das Fazit auch hier: auf das Vorhaben zugunsten der Innenstadt zu verzichten. Neuhäuser: "Leider ist Innenstadtmord - und nichts anderes ist das Mammutprojekt Bahnhofstraße - nicht strafbar, und Verwaltungsspitze und Ratsmehrheit können politisch in zehn Jahren, wenn die Kernstadt tot ist, aus Altersgründen nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können." Und Neuhäuser hat noch eine weitere Sorge: Sollte die Ratsmehrheit - wie zu erwarten - dem Projekt Bahnhofstraße zustimmen, habe das neue Einkaufszentrum dort vermutlich zwei Jahre Vorsprung, um Kunden zu binden - was ein weiterer Nachteil für das Kloster-Karree und damit die Innenstadt wäre.



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