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Richard Wilmers (63): Erfüllung eines Lebensziels / Dreigliedriges Schulsystem für den Schulleiter gescheitert

IGS-Gründungsvater geht in wohlverdienten Ruhestand

Stadthagen (ssr). Entspannt lehnt Richard Wilmers sich zurück. "Vollste Zufriedenheit" erfülle ihn, bekennt der 63-jährige Direktor der Integrierten Gesamtschule Schaumburg (IGS). Denn eine Schule aufgebaut zu haben, "die 150-prozentig mit den eigenen bildungspolitischen Zielen übereinstimmt", bedeute eine "tolle Erfahrung - und die Erfüllung eines Lebenszieles". Heute wird der Gründungsvater der bislang einzigen Schaumburger Gesamtschule feierlich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 08:37 Uhr

Richard Wilmers an seinem letzten Arbeitstag. Foto: ej

190 Anmeldungen hatte es im Gründungsjahr 1991 gegeben, für das kommende Schuljahr waren es 520. Sichtlich stolz rechnet Wilmers diese Zahlen vor, gelten sie ihm doch als überwältigender Vertrauensbeweis für das pädagogische Konzept und die Qualität der hiesigen IGS. Mehr als 50 Prozent der Eltern von Viertklässlern in Stadthagen und Umland melden ihre Kinder derzeit zur IGS an - "das ist doch eine beeindruckende Abstimmung mit den Füßen", schwelgt der Pädagoge. Schon 1973, als Junglehrer an der Stadthäger Hauptschule und frischer Funktionär der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), hatte Wilmers öffentlich eine Schaumburger IGS gefordert. 17 Jahre dauerte der Kampf zusammen mit Gleichgesinnten, begleitet "von viel Sperrfeuer von konservativen Bildungsideologen". Es galt, "sich davonnicht beirren zu lassen", erinnert sich Wilmers: "Man muss das machen, was man für richtig hält." Das treibende Motiv für Wilmers' kämpferisches und nachhaltiges Engagement für die Gesamtschul-Pädagogik ist in seiner Jugendzeit zu finden. Zu mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem beizutragen, "den vom sozialen Aufstieg Abgeschnittenen zu helfen", war von Jugend an sein Ziel. Nach all' seinen Erfahrungen bei der Umsetzung seiner Überzeugungen formuliert er heute selbstbewusster denn je: "Mittlerweile ist nachgewiesen: Die Schule mit dem Grundsatz ,gemeinsames Lernen für alle' ist nicht nur möglich, sondern auch sehr effektiv." Von welchem Menschen- und Gesellschaftsbild hat Wilmers sich antreiben lassen? "Ich möchte die jungen Menschen individuell in ihrer Ganzheit fördern - und sie in ihrer Verschiedenheit miteinander lernen und voneinander profitieren lassen." Nicht in der Trennung, sondern in der Zusammenführung junger Leute mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen in der Schule liege der Schlüssel für eine gerechtere, humanere und friedlichere Zukunft. "Unterschiedliche Lebenswelten miteinander in Kontakt zu bringen und pädagogisch zu begleiten, das kann das Konflikt- und Gewaltpotenzial nicht nur an einer Schule, sondern in der ganzen Gesellschaft minimieren", ist Wilmers von der gestaltenden Kraft des Gesamtschul-Ansatzes überzeugt. Im Umkehrschluss hält er das dreigegliederte Schulsystem, mittlerweile das einzige weltweit, schon jetzt "für gescheitert - es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es abgelöst wird." Durch die zu frühe Trennung der Schüler würden "falsche Weichen für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen gestellt",ist Wilmers überzeugt. In der hiesigen Region sei dies auch durch "die gute Arbeit der IGS ins Bewusstein der Menschen getragen worden" - und das erfüllt Wilmers mit Genugtuung. Der Rückblick des scheidenden Direktor ist immer wieder durch Hinweise auf "richtig gute Lehrerkollegen, engagierte Eltern und tolle Schüler" sowie auf "die stets exzellente Unterstützung durch den Landkreis als Schulträger" gekennzeichnet. Nur im Team sei Erfolg zu Stande zu bringen, bemerkt Wilmers, - eben gemeinsames Leben und Lernen.



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