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Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland, diskutiert im Ratsgymnasium mit Schülern

"Ich wusste nicht, dass Bush ein Visionär ist"

Stadthagen (bes). 140 Oberstufenschüler des Stadthäger Ratsgymnasiums und des Wilhelm-Busch-Gymnasiums hatten gestern eine Unterrichtsstunde der besonderen Art: Avi Primor, früherer israelischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, hielt einen Vortrag über die Situation im Nahen Osten. Dann diskutierte er ungezwungen mit den Schülern, wobei er sich auch mit Kritik an Regierungen nicht zurückhielt.

veröffentlicht am 12.11.2008 um 00:00 Uhr

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Die Sitzplätze im Chorsaal des Ratsgymnasiums reichten für die vielen Schüler nicht aus. Immer neue Stühle wurden in den Raum getragen. Hauptthema von Primors Vortrag und der anschließenden Diskussion war die Frage nach der Lösung des Nahostkonflikts. "Die Schüler haben sich mehrere Monate lang inhaltlich vorbereitet, weil dieses Thema verpflichtend für das Zentralabitur ist", erklärte Lehrer Friedrich Lenz. Zu Beginn stellte Primor die Frage, ob Frieden im Nahen Ostenüberhaupt möglich ist, denn aufgrund der vielen Misserfolge sei dies für viele Leute schwer vorstellbar, auch weil die Regierungschefs in den vergangenen Jahren zwar immer wieder Friedenspläne ausgearbeitet, aber ein wichtiges Detail vergessen hätten. Primor erklärte, 1977 habe Ägyptens Präsident Anwar as- Sadat deshalb mit Israel einen Frieden schließen können, weil "er etwas verstanden hatte. Er fragte: Wie ticken die Israelis?" Nach dieser Äußerung zeichnete sich auf den Gesichtern ein Lächeln ab. Nur wenn beide Seiten so fragten, wäre Frieden auf der Grundlage gemeinsamer Interessen möglich. In diesem Zusammenhang erwähnte Primor auch die sogenannte Bush-Vision des scheidenden US-Präsidenten, und fügte ironisch hinzu: "Ich wusste nicht, dass Bush ein Visionär ist. Ich hab es damals entdeckt." Viele Schüler und Lehrer reagierten auf diese saloppe Formulierung mit Schmunzeln. Nach dem Vortrag nutzten Schüler und Lehrer gleichermaßen die anschließende Diskussion. Für sie standen dabei das Alltagsleben in den palästinensischen Gebieten und die scheinbar ausweglose Situation junger Palästinenser im Vordergrund. Einer der Schüler fragte, ob diese Probleme zuerst gelöst werden müssten, und Primor erklärte, man stelle damit den Karren vor das Pferd. Seiner Meinung nach kann die Situation erst gelöst werden, wenn die Israelis dieses Gebiet räumen, zugleich aber auch deren Sicherheit durch internationale Truppen gewährleistet ist. Die saloppe Antwort aus den Reihen der Schüler kam prompt: "Das ist für mich ein Teufelskreislauf!"



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