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Ein Projekt der Seelsorge in der Jugendanstalt Hameln

„Ich würdige mich selbst“

Hameln. An acht Terminen mit jeweils zwei Stunden haben Inhaftierte (18 bis 24 Jahre) der Jugendanstalt Hameln unter der Leitung von Andrea Wolansky aus Kulpin an einem Seelsorgeprojekt teilgenommen. Die jungen Männer seien interessiert und enorm mitteilsam gewesen, so mitteilsam, dass immer wieder Beschreibungen von „Gefängniserleben“ und „Leben in Freiheit“ einander gegenübergestanden hätten. Schließlich habe sich dadurch ein besseres gegenseitiges Verstehen entwickelt. Die Spannweite des Erlebten sei groß und habe den Inhaftierten Gelegenheit geboten, gegenseitig ihre Würde zu achten und unter seelsorgerlichen Aspekten auch aus ihrer Vergangenheit zu lernen. Den meisten Inhaftierten sei dabei die Würde sehr wichtig, einige hingegen hatten keine Vorstellung von dem Begriff. Zum Würdebegriff zählten sie, die Familie und Freunde in Sicherheit und Wohlergehen zu wissen sowie die Wünsche, von Drogen loszukommen, nach der Entlassung gewaltfrei und selbstbestimmt ein glückliches Leben führen zu können. Dies seien ganz normale Vorstellungen von jungen Männern, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, meint Wolansky. Für Andrea Wolansky zeigte sich am Ende des Seelsorgeprojektes, dass das Denken im Gefängnis über die Gefängnismauern hinausgehe. Alle Inhaftierten hätten sich nach ihren Möglichkeiten angestrengt, unterstützt durch regelmäßige seelsorgerliche und viele andere Maßnahmen, seien sie bemüht, in der Jugendanstalt festen Boden unter die Füße zu bekommen und sich auf das Leben in Freiheit vorzubereiten. Dass gegenseitiger Respekt, Rücksichtnahme und auch eine gewisse Frustrationstoleranz bei nicht sofortigem Erreichen eines Teilziels dazugehörten, sei allerdings noch nicht für jeden Teilnehmer dieses Projektes verständlich geworden. Eines habe aber die Mehrheit der jungen Männer verstanden: „Die Qualität ihres Denkens hat in jedem Augenblick Einfluss auf ihr Erleben. Mit diesem Wissen können sie ihre Lebensqualität verbessern und das schon im Gefängnis“, so Wolansky.

veröffentlicht am 24.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 01:21 Uhr

Die Realisierung des Projektes ist durch Spenden der regionalen Wirtschaft, des Fördervereins Kriminalprävention e.V. und eines überregionalen Unternehmens zustandegekommen und durch Sachspenden des Modehauses Wellner aus Hameln unterstützt worden. Eine Fortsetzung des Projektes ab Mitte Januar 2014 wird angestrebt. Jede Spende ist willkommen. Unter 04541/ 6060000 gibt Andrea Wolansky gern Auskunft.



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