weather-image
11°

Sonderausstellung im Museum Eulenburg in Rinteln eröffnet / Schlaglichter auf Staat und Alltag der DDR

/„Ich spürte, wie es schon überall gärte“

Rinteln. „Mehr als Schlaglichter können wir nicht bieten“, gab sich Museumsleiter Dr. Stefan Meyer bescheiden, als er mit Rintelns stellvertretender Bürgermeisterin Ursula Helmhold die Sonderausstellung „DDR – Schlaglichter auf Staat und Alltag“ in Museum Eulenburg eröffnete. Aber mehr als einzelne Aspekte zu beleuchten, sei bei einer 45-jährigen Geschichte von rund 16 Millionen DDR-Bürgern in diesem Rahmen nicht möglich. Zumal es mindestens zwei Perspektiven auf die DDR-Geschichte gebe: die der Westdeutschen, deren Erfahrung hauptsächlich von der Mauer, der Grenzabwicklung und Besuchen bei Familien und Freunden in der DDR geprägt sei, und die der Ostdeutschen, deren Sicht vor allem auch vom Alltag geprägt sei, unabhängig vom Staatsapparat. Beidem werde jedoch in der Ausstellung Rechnung getragen.

veröffentlicht am 29.10.2014 um 22:04 Uhr
aktualisiert am 18.12.2014 um 16:22 Uhr

270_008_7530609_ri_ddr101_2910.jpg

Tatsächlich, so Meyer, habe natürlich jeder, der alt genug ist, seine eigenen Erinnerungen und Erfahrungen mit der DDR. So erkundete Meyer selbst die DDR im Sommer 1989 noch als Student, gleichwohl „als privilegierter Westler“, mit dem Fahrrad. Fünf Wochen lang erfuhr Meyer buchstäblich den ostdeutschen Straßenbau. „Ich spürte, wie es schon überall gärte“, erzählte Meyer gestern. „Ich habe eigentlich nur Klagen gehört.“

Auch optisch habe sich der Niedergang deutlich abgezeichnet. Abgesehen von wenigen gut erhaltenen Altstädten wie etwa in Erfurt und Wernigerode sei die Bausubstanz aus der Gründerzeit vielerorts in einem desolaten, sprich unbewohnbaren Zustand gewesen. Dem gegenüber habe natürlich auch Modernes gestanden, wie etwa großangelegte Neubaugebiete. Da er sein eigenes Fahrrad nicht mitnehmen durfte, musste er sich vor Ort eins kaufen. „Drei Fahrradläden gab es in Magdeburg, einer hatte ein Fahrrad zum Verkauf, das aber nur in 26 Zoll“, berichtete der hochgewachsene Meyer über das viel zu kleine Gefährt, bevor er den Aufbau der Ausstellung erläuterte.

Die Ausstellung ist chronologisch angelegt. Im Erdgeschoss widmet sich die Exposition dem Staat – von seiner Entstehung als Produkt des Stalinismus bis zu seinem durch friedliche Revolution herbeigeführten Anfang vom Ende im Jahr 1989. Im Obergeschoss kann sich der Besucher über den Alltag der DDR-Bürger informieren, über Gebrauchsgegenstände wie Kleidung und Zeitungen – Geschichte zum sprichwörtlichen Anfassen, denn „in den Zeitungen darf ruhig geblättert werden“, so Meyer. Auf der Empore im Obergeschoss werden zudem Filme über die DDR gezeigt, bislang nur einer, aber das Repertoire werde noch erweitert und eigne sich dann insbesondere für Schulklassen, die die DDR-Geschichte nur noch vom Hörensagen kennen.

Überdies wird die Ausstellung Anfang Dezember noch durch die Wanderausstellung „Zeitsprung“ erweitert. Dann stellt der Fotograf Thomas Hoepker gleichermaßen ausdrucksstarke wie großformatige Szenen aus dem Leben in der DDR aus.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung im Museum Eulenburg, Rinteln, Klosterstraße 21, ist bis zum 19. April 2015 dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, für Gruppen nach Vereinbarung auch vormittags oder abends (Tel: 05751/41197, E-Mail museum.eulenburg@t-online.de.pk

Museumsleiter Dr. Stefan Meyer reichert seine Eröffnungsrede mit einer persönlichen Erinnerung an einen DDR-Aufenthalt kurz vor der Wende an.

Rintelns Vizebürgermeisterin Ursula Helmhold hört amüsiert zu.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt