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Kabarett "Blaues Sofa" mit Dietrich von Blomberg als politisierendem Sofagast

"Ich schenk dir einen Teddybär!"

Rinteln (cok). Sie husteten und schnieften beide, Journalist Ulrich Reineking und Gitarrist Volker Buck, die wieder zum "Blauen Sofa"- Kabarett antraten, ungewohnten Mentholgeruch um sich herum verbreiteten und trotz aller Erkältungsgeschlagenheit ein höchst lebendiges Programm boten, mit dem so beherrschten CDU-ler und Bürgerinitiativengründer Dietrich von Blomberg als Gast auf dem Sofa.

veröffentlicht am 28.02.2008 um 00:00 Uhr

Wie immer ein voll besetztes Haus beim "Blauen Sofa". Foto: tol

Die Plätze im Foyer der Volkshochschule waren wie fast immer ausverkauft, Reinekings Texte wieder diese Mischung aus sprunghaftem Aperçus, die Gott, Alltagswelt und nicht wenige Rintelner Persönlichkeiten aufs Korn nehmen einerseits, und einigen längeren Geschichten andererseits. Richtig bewegend war eine der Geschichten, die wie so oft beim Herrn Reineking damit begannen, dass er sich in betrübter Weltfluchtstimmung auf eine Reise ins Unbestimmte begab und dann an einem Ort landet, den die meisten Normalbürger niemals finden, und wenn sie ihn doch fänden, niemals betreten würden. In diesem Fall handelte es sich um in eine Eckkneipe in Essen, dessen Besitzer aussah wie ein Friseur, tatsächlich auch einst den Friseurberuf erlernte und dann unter die Schlagersänger ging, als René Pascal eine lokale Berühmtheit, die den Raum Essen mit dem Rest der Welt verwechselte und damit vielleicht sogar recht hatte: Ist der Ort, an dem man lebt und geehrt wird, nicht die ganze Welt? So lächerlich rührend erscheinen dem Erzähler die Schlager des René Pascal, darunter der Hit "Ich schenk dir einen Teddybär", der den 4. Platz in irgendeinem Talentsuche-Wettbewerb errang, so zutraulich die Selbstdarstellung des alternden Barden, der seine Kneipe mit Zeitungsfotos und den eigenen Initialen auf Goldfolie ausstaffiert hat, dass dem Weltflüchtling ständig die Tränen kommen - und das Publikum Tränen lachen konnte. So schnell wird keiner der Zuhörer das Porträt des René Pascal vergessen. Zwischen persiflierten Büttenreden und der Behauptung, die werbeträchtige "Rintelner Tüte" sei eine Kotztüte gewesen, bevor sie dann den Touristen für Schnäppchenkäufe angeboten wurde, zwischen der Frage, warum es neben den "Brenntagen" zur Entsorgung von Autoreifen und alten Matratzen nun auch noch einen "Rintelner Brennholz- markt" zur Vergrößerung der Feinstaubemissionen gäbe und außerdem allerlei Geschichten vom "Kotzbrockenparadies", einer unglücklichen Liebe zum Landleben oder überhaupt rund um das "System der universellen Gesamt- tücke" wagte sich dann der Kapitän Dietrich von Blomberg auf das blaue Gastsofa. Mit "Meine verehrten Damen und Herren!" begrüßte er das Publikum, um ihm dann ein wenig politische Moral nahezubringen. "Wer sich nicht um die Angelegenheiten seiner Stadt kümmert, ist ein nutzloser Mensch", so in etwa zitierte er einen alten Griechen, betonte, dass es in der Politik kein Wahr oder Falsch gäbe, sondern nur die Frage, wasdie Bürger wirklich wollen, und kam dann auf den grandiosen Sieg seiner Steinanger-Bürgerinitiative zu sprechen, der es gelungen sei, den eigentlich schon beschlossenen Verkauf des städtischen Geländes zu verhindern. Mit allerlei geheimnisvollen Anspielungen auf eine zu planende Umgestaltung des Rintelner Marktplatzes, bei der sein Heimatdorf Exten als "stubenältester" Stadtteil wohl eine Rolle spielen werde, rundete er schließlich seinen unterhaltsamen Auftritt ab. Buckübrigens, dessen wohltönende Stimme durch seine Erkältung nur umso interessanter klang, besonders, als er neben allerlei Rock-, Folk- und Schlagerklassikern auch noch "Land in Sicht" vom unvergessenen Rio Reiser sang, er wird am 8. März im Bistro "Cho's" am Kirchplatz die Hauptrolle spielen, wenn die beiden Künstler zur überwiegend musikalischen Feier des Internationalen Frauentages einladen.



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