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Gewalt an der Stadtschule Rodenberg: Stiefvater eines beschuldigten Schülers setzt auf Dialog / "Alle interessiert"

"Ich höre nur Horrorgeschichten über meinen Jungen"

Rodenberg (tes). Wenn das Kind zum Täter geworden sein soll, wirft das viele Fragen auf. Johannes Hofstede stellt sich als Stiefvater eines beschuldigten Schülers dieser Herausforderung und will zeigen, wie schnell aus Opfern Täter werden können. Nach den Berichten über die Stadtschule hat er sich gemeldet und appelliert an Schule und Eltern, offen zu den Problemen zu stehen und an einem Strang zu ziehen.

veröffentlicht am 13.04.2006 um 00:00 Uhr

Johannes Hofstede

Der Vorwurf wiegt schwer: Sein Stiefsohn N. sollüber einen jüngeren Mitschüler hergefallen sein, ihn getreten und gewürgt haben. Der 14-Jährige besucht die siebte Klasse der Hauptschule. Aktenordner voll mit Vorgängen liegen auf dem Schreibtisch seines Vaters: "Ich bekomme nur Horrorgeschichten über meinen Jungen zu hören und finde keinen Kontakt zu den Lehrern und Eltern." Er sei "heilfroh, dass die Geschichte herausgekommen ist" und werte es als Gelegenheit, gemeinsam etwas für die Schüler zu bewirken. "Die Kinder machen, was sie wollen, und keiner tut was", sagte Hofstede. Sein Sohn N. soll angeblich einer der Anführer sein. Dass sein Junge "einiges auf dem Kerbholz hat", beschönigt der Vater nicht. Kleine Diebstähle, eingeschlagene Haustürscheiben und der Griff in die Kirchenkasse gehen auf das Konto seiner Clique. Hofstede ist sich sicher: "Er hat nicht verstanden, was er da getan hat." Der Vater will ihn auf den richtigen Weg bringen. Seinem Sohn erspare er die Konfrontation mit seinen Taten nicht - mit guten Egebnissen. Der Pastorin rechne er ihr faires Verhalten hoch an: "Im Gespräch haben wir angeboten, den Schaden auszugleichen." Auch die Polizeibeamten seien souverän mit dem Jungen umgegangen. Nach der Befragung hätten sie ihm zur Abschreckung die Zellen gezeigt. Das habe ihn schon beeindruckt. N. hatte eine schweren Start an der Stadtschule. Vor zweieinhalb Jahren war er mit seiner Mutter und den beiden Geschwistern aus der Ukraine nach Deutschland gekommen - und konnte kein Wort Deutsch. Kaum war er an der Stadtschule, habe ihm ein Mitschüler eine Plastikflasche ins Auge geschlagen. "Mit blauem Auge und kleiner Fraktur des Wangenknochens kam er ins Klinikum Hannover", berichtete Hofstede und zeigte einen Film von den Verletzungen und der Diagnose des Arztes im Krankenhaus. Die Schule akzeptiere nicht, dass dieses Erlebnis Folgen für N. hatte. Zudem hatte dieser vor der Einreise bereits in der Ukraine ein Jahr keinen Unterricht mehr besucht. Ohne Sprachkenntnisse habe er in der deutschen Schule nicht gewusst, mit wem er sich unterhalten sollte, erinnert sich N.. Der Vater vermisste Hilfe und eine Einführung für seinen Sohn. "So suchte er nur Kontakt zu russisch sprechenden Mitschülern." Der Junge hat aus seinen ersten Erlebnissen in Deutschland gelernt - leider das Falsche. Sein Vorschlag, Videoaufzeichnungen zu machen, sei von der Schule abgelehnt worden, sagt Hofstede. Er wolle eine Elterngemeinschaft gründen, um die Lehrer zu unterstützen: "Wir sind alle interessiert, dass die Kinder weiterkommen." Er ist überzeugt: Nur mit offenem Umgang im Dialog mit den Eltern und klaren Regeln für die Schüler lasse sich die Situation verbessern.

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