weather-image
18°
Museum und Kunstverein eröffnen Kinski-Ausstellung

"Ich habe keine Hobbys. Ich atme. Ich lebe."

Rinteln (cok). Er trägt den Lorbeerkranz wie eine Dornenkrone auf dem wirren Haar und blickt verzweifelt intensiv, als läge das Gewicht der Welt auf seinen Schultern, Klaus Kinski auf einem Szenenfoto als Goethes Dichter Torquato Tasso. Es hängt groß und auffällig zwischen vielen anderen Bildern in der Ausstellung "Genie und Wahnsinn", die nun im Museum Eulenburg eröffnet wurde. "Kinski sprach immer mit dem ganzen Körper, bis zur seelischen Bloßlegung", sagte Dr. Andreas Hoppe in seinem ansprechenden Eröffnungsvortrag, und genau das zeigen die vielen Fotos des Schauspielers aus einer Wanderausstellung, die der Kunstverein nach Rinteln holte, mit finanzieller Unterstützung der Stadt und Pro Rintelns.

veröffentlicht am 09.10.2006 um 00:00 Uhr

Dr. Andreas Hoppe: "Seelische Bloßlegung."

80 Jahre alt wäre Kinski in diesem Oktober geworden, wäre er nicht bereits mit 65 Jahren nach einem rauschhaft verzehrenden Leben gestorben. Hoppe erinnerte daran, dass Kinski nicht nur ein begnadeter Schauspieler war, der wie wenige andere fordernden Blickkontakt mit der Kamera aufnahm und die Blicke auch dann auf sich zog, wenn er nur eine Nebenrolle zu spielen hatte, sondern dass er ja auch als Rezitator ganze Säle füllte und die Menschen ihn, bei allen oft absurd-peinlichen Skandalen, unbedingt live sehen wollten. "Ich habe keine Hobbys. Ich atme. Ich lebe", habe Kinskiüber sich gesagt und auch in dieser Kompromisslosigkeit läge immer noch eine große Faszination. Dabei ließ Hoppe keinesfalls die tragischen Aspekte dieses Künstlerlebens aus. Arbeitswütig bis zum Umfallen und immer perfekt vorbereitet, steckte Kinski oft in großen finanziellen Schwierigkeiten und als die Rezitationsreihe "Jesus, der Erlöser" schon nach der zweiten Aufführung für immer abgebrochen wurde, war das eine echte Katastrophe, die zeigte, dass Kinski sein aufbrausendes Temperament oft wirklich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Die entsprechenden Fotos sind schrecklich, traurig, erschütternd, wie er, mit ausgemergelten Gesichtszügen auf der Bühne steht und das Publikum beschimpft. Tröstlich ist da immerhin, dass die großartigen Filme mit Werner Herzog noch folgen sollten. Viele der Fotos aber präsentieren ihn als einen auch zartbesaiteten, empfindsamen jungen Mann, der sich mit großem Ernst auf seine Rollen einlässt und nur ganz unterschwellig schon gezeichnet ist vom Wahnsinn, mit dem er später zu kämpfen haben würde. Wie gut Kinski wirklich mit dem Wahnsinn bekannt war, erfuhren die Eröffnungsbesucher übrigens durch eine Lesung des jungen Schauspielers Timo Wiesemann von der Theatercompanie Bad Pyrmont. Der rezitierte, eindrücklich und zugleich angenehm zurückhaltend, nicht nur Rimbaud und Villon, sondern auch einen von Kinski selbst geschrieben Text, "Irrenhaus", ein nicht enden wollender Schrei aus der Hölle, voller Hass, Geifer und Verzweiflung: "Wenn man gehenkt ist und nicht sterben kann." Die Ausstellung präsentiert auch jede Menge Filmplakate und dazu einige Zeitungsausschnitte anlässlich von Kinskis Tod im Jahr 1991 "Die letzte Nacht des Irren" heißt es in der Bildzeitung, und, zynisch: "Er starb wie Roy Black". Wer sehen will, was Klaus Kinski im Leben vollbracht hat, kann sich drei der Kinski-Filme im Kinozentrum Rinteln ansehen. 11. Oktober, "Fitzcarraldo": Am berühmtesten ist die Szene, in der Indios einen Flussdampfer über einen Berg ziehen. Die Dreharbeiten im Dschungel gestalteten sich so schwierig, "dass meine Aufgabe und die der Figur, nämlich Fitzcarraldos identisch geworden sind", schrieb Regisseur Werner Herzog in sein Tagebuch. Klaus Kinski spielt den Kautschuk-Baron, der im Dschungel ein Opernhaus bauen lässt. 18. Oktober, "Aguirre, der Zorn Gottes": Klaus Kinski als Anführer der spanischen Konquistadoren auf der Suche nach dem sagenumwobenen Goldland Eldorado. 25. Oktober, "Woyzeck": Nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Büchner mit Eva Mattes. Der einfache Soldat Franz Woyzeck ersticht im Eifersuchtswahn seine Freundin Marie. Vorstellungsbeginn jeweils 20 Uhr.

Timo Wiesemann: "Wenn man gehenkt wird."
  • Timo Wiesemann: "Wenn man gehenkt wird."
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare