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Serie zum Klimaschutz - Teil 6: Viola Hölscher und Volker Kessling aus Warber tanken Erdgas und fahren gut damit

"Ich geb' Gas..." - für die Umwelt und den Geldbeutel

Warber. Ich geb' Gas...: Bei steigenden Benzinpreisen lassen immer mehr Autofahrer die teuren Benziner stehen und steigen auf alternative Antriebe um. In Warber fährt Familie Kessling/Hölscher inzwischen mit einem gasbetriebenen Touran EcoFuel.

veröffentlicht am 24.03.2007 um 00:00 Uhr

Ganz schön günstig: Erdgas-Fahrzeuge schonen Geldbeutel und Umwe

Autor:

Michael Grundmeier

Wenn seine Kollegen sich heuteüber die hohen Benzinpreise ereifern, kann Volker Kessling nur schmunzeln. "Ich weiß nicht einmal, wie viel Super gerade kostet", sagt er und dreht den Einfüllstutzen in den Gastank seines neuen Wagens. 60 Kilometer legt der Berufspendler jeden Tag zurück, im letzten Jahr hatten die Fahrtkostenauch bei ihm die Schmerzgrenze erreicht. "Jetzt reicht's", dachten sich Volker Kessling und Viola Hölscher und begannen sich nach Alternativen umzusehen. Im Dezember war es schließlich so weit: Das junge Paar kaufte sich den neuen Touran EcoFuel und besitzt jetzt eines von 54 000 Erdgasfahrzeugen in Deutschland. "Den Unterschied habe ich sofort im Portemonnaie gemerkt", erzählt Volker Kessling zufrieden. Tanken für die Hälfte - kann das sein? Tatsächlich kostet eine Fahrt über 100 Kilometer mit einem Gastank im Schnitt nur 4,81 Euro (bei 0,83 Euro pro Kilogramm) und ist damit rund 5,64 Euro günstiger als im Benzinbetrieb. Weil Vater Staat den Kraftstoff subventioniert, kann man noch bis 2018 schlank tanken, solange ist der Preis gesetzlich festgelegt. Dadurch ergibt sich bei Erdgas eine 80-prozentige steuerliche Vergünstigung gegenüber Superbenzin und gegenüber Diesel um etwa 70 Prozent. Preislich bedeutet dies zurzeit einen etwa 60 Cent günstigeren Kraftstoff je Liter gegenüber bleifreiem Benzin. Es gibt aber noch andere Vorteile: Einige Versicherungsgesellschaften bieten Sonderrabatte von bis zu 30 Prozent für Erdgasfahrzeuge an und viele Stadtwerke unterstützen den Neukauf von serienmäßigen Erdgasfahrzeugen mit Tankguthaben von 500 bis 1000 Kilogramm. Erdgas-Fahrzeuge sind aber nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern auch für die Umwelt. Die Kohlendioxidemissionen des Touran EcoFuel liegen gegenüber einem vergleichbaren Ottomotor um 23 Prozent niedriger, außerdem verbrennt Erdgas mit niedrigen Emissionen an Kohlenmonoxid und Stickoxiden sowie fast ohne Partikel. Für das Paar aus Warber sind das Vorzüge, die bei der Entscheidung durchaus eine Rolle gespielt haben. "Wir möchten einfach weg vom Benzin, der Umwelt muss es wieder besser gehen", erklärt Viola Hölscher. Vor allem die Schadstoffbelastung der Luft, aber auch mögliche Öl-Kriege machen ihr Sorgen. "Wir müssen doch auch an die Zukunft unserer Kinder denken. Ich verstehe deshalb nicht, warum Deutschland bei den alternativen Technologien so hinterherhinkt", ärgert sie sich. Tatsächlich ist die Automobilindustrie erst vor kurzem aus einem langen Dornröschenschlaf aufgewacht. Durch eine Umfrage wurde beispielsweise Volkswagen auf das große öffentliche Interesse aufmerksam. Auf seiner Internetseite wollte der Konzern im September 2005 wissen, welche Antriebsform die Web-Besucher für ihr nächstes Fahrzeug bevorzugen. Das Ergebnis war eine Überraschung: Neben 27 Prozent für Diesel und jeweils 11 Prozent für Benzin und Hybridantrieb kam Erdgas mit 51 Prozent auf die höchste Prozentzahl. Weil die Technik schon seit einiger Zeit ausgereift ist, sind auch die Vorurteile gegenüber Erdgasautos verstummt. Die Fachleute verschiedener Zeitschriften stimmen darin überein, dass die Fahrzeuge in allen Punkten, auch bei der Sicherheit, ohne weiteres mit einem Benziner vergleichbar sind. Diesem Urteil schließt sich auch die Familie Kessling/Hölscher an - bisher ist das junge Paar mit seinem "Neuen" rundum zufrieden. Weil die beiden eine zweijährige Tochter haben und das zweite Kind unterwegs ist, ist ihnen vor allem das große Platzangebot im Kofferraum wichtig. Im EcoFuel wird der Gastank als so genannte "Unterflurlösung" angebracht und nimmt deshalb keinen Raum weg. Auch auf der Straße macht das Fahrzeug eine gute Figur. "Das man diesen Wagen mit Gas fährt, bekommt man nicht mit, das Umschalten ist kaum zu spüren", betont Volker Kessling. Wie jedes Gasfahrzeug muss der Touran aberöfter an die Zapfsäule als vergleichbare Fahrzeuge mit Ottomotor. Mit einer Tankfüllung kommt der Wagen im reinen Erdgasbetrieb nur rund 310 Kilometer weit, mit Benzinreserve sind es 440 Kilometer. Für die Zukunft wünschen sich Viola Hölscher und Volker Kessling eine Kraftfahrzeugsteuer, die nicht mehr nach der Kubikmeterzahl, sondern nach CO 2 -Ausstoß berechnet wird. Kessling: "Dabei kämen wir gut weg." Nächste Folge: WieÖkostrom das Klima schützt. Internet-Forum: Diskutieren Sie mit, unter www.landes-zeitung.de und www. schaumburger-zeitung.de.

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