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Landratäußert sich zum neuen Finanzloch der "Erlebniswelt Renaissance" / Heute Krisensitzung des Aufsichtsrates

"Ich fürchte, man setzt uns die Pistole auf die Brust"

Landkreis (ssr). Ordentlich unter Dampf stehen dürfte die Sitzung des Aufsichtsrates der "Erlebniswelt Renaissance" (EWR) heute Vormittag. Wie gestern berichtet, ist ein erneutes Finanzierungsloch bekannt geworden - für den EWR-Standort Schloss Bevern (Holzminden) fehlen 365 000 Euro. Nicht auszuschließen, sagte Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier gestern auf Anfrage, dass zur Deckung auch aus Schaumburg frisches Geld fließen soll. Zudem soll die Abwicklung der EWR-Projekt-Entwicklungs-GmbH zum Jahresende und deren mögliche Überführung in eine privatrechtliche Form beraten werden.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 15:42 Uhr

In welchem Maße Schaumburg von dem neuerlichen Finanzloch betroffen sein wird, steht noch nicht genau fest. "Wir sind dabei, das auseinander zu pfriemeln", sagte Schöttelndreier. Gemäß seines Gesellschafter-Anteils steht der Landkreis Schaumburg im Prinzip mit 25 Prozent in der Pflicht. Aber nur für Projektkosten, unterstrich Schöttelndreier die Schaumburger Sicht der Dinge, die übergreifender Natur sind. Konkret: Werde am Schloss Bevern Stein auf Stein gesetzt, seien dies standortbezogene Investitionskosten, die von Holzminden alleine zu schultern wären, so der Landrat. Da die neue Deckungslücke nach derzeitigem Kenntnisstand vor allem durch unvorhergesehene Mehrkosten beim Brandschutz aufgetreten seien, falle das in diese Kategorie. Gehe es hingegen um die Programmierung von elektronischen Führungen, seien das übergreifende Allgemeinkosten, zumal da die Erstellung für Bevern und Schloss Bückeburg in einem Projekt laufe (siehe dazu aktuelle Berichterstattung auf der Seite Bückeburg). Was welchen Anteil an den fehlenden 365 000 Euro bildet, sei bislang unklar, sagte der Landrat. Der Schaumburger Kreistag hatte im vergangenen Dezember 600 000 Euro in das EWR gepumpt, um die Insolvenz abzuwenden. 350 000 Euro davon dürfen ausschließlich dem Projekt Schloss Bückeburg zufließen. "Dabei bleibt es", bekräftigte Schöttelndreier. 250 000 Euro sind für jene Allgemeinkosten gedacht, die nun teils auch im aktuellen Fall in Rede stehen. "Dieser Topf ist noch nicht ganz leer", gab der Landrat Auskunft. Eventuell könne der Rest zur Abdeckung des Bevern-Problems reichen. Es sei aber nicht auszuschließen, das er nicht reicht, sondern frisches Geldbenötigt wird. In einem solchen Fall allerdings könnte es politisch hochbrisant werden: Denn dann wäre ein neuer Kreistagsbeschluss fällig - und schon der Dezemberbeschluss war nur unter Ächzen zu Stande gekommen. Die Schaumburger Vertreter im Aufsichtsrat (Schöttelndreier und CDU-Fraktions chef Gunter Feuerbach), werden nach den Worten des Landrats versuchen, "unsere Linie, nur für die Allgemeinkosten mit aufzukommen, durchzusetzen". Zu befürchten sei aber, "dass man uns die Pistole auf die Brust setzt, ob wir das ganze Projekt insolvent gehen lassen und Jobs in Bevern gefährden wollen", stöhnte der Landrat.

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