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Salonorchester Weimar schwelgt im Kursaal in musikalischen Erinnerungen an Heinz Rühmann

"Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n"

Bad Eilsen (sig). Heinz Rühmanns Konterfei thronte über dem Orchester. Locker, aber durchaus aufmerksam, schaute er von oben zu, was die fünf Männer und zwei Frauen so anstellten, um die Erinnerung an seine filmischen Gesangsdarbietungen wach zu halten. Was dieses Septett bot, musste schließlich zugleich musikalisch als auch optisch in jene Zeit passen. Und wie das Salonorchester Weimar diese Aufgabe löste, das zeigte die Reaktion der Zuhörer im Kursaal. Sie spendeten fleißig und anhaltend Beifall.

veröffentlicht am 05.04.2006 um 00:00 Uhr

Der Pianist Clemens Rynkowski und Boris Raderschatt setzen sich

Der 1902 in Essen geborene Heinz Rühmann war in erster Linie natürlich Schauspieler und weniger ein Gesangssolist, vor dem sich der "Frontmann" des Salonorchesters, Boris Raderschatt, fürchten müsste. Aber die Art der musikalischen Einlagen des Charakterdarstellers ist doch noch vielen Kinogängern in guter Erinnerung. Das Gastspiel in Bad Eilsen sorgte für eine Begegnung mit Melodien, die in einigen Fällen auch die Dimension von Ohrwürmern erreichten. Dazu gehören zum Beispiel das Kinderlied "La, Le, Lu, nur der Mann im Mond schaut zu" und "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern". In die Rolle des Weiberhelden zu schlüpfen, passte sicherlich nicht zu Heinz Rühmann, wenn er durchaus bei Bedarf auch etlichen Charme versprühen konnte. Und deshalb löste er eher Schmunzel- und Lacherfolge als Neidkomplexe aus, wenn er solche Gesangseinlagen zum Besten gab wie "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n" , "Ich bin so leidenschaftlich wie Casanova" und "Du bist nicht die Erste, du musst schon verzeih'n, aber die Nächste könntest du sein". Durch eine wohldurchdacht auf Inhalt und Aussage der Texte abgestimmte Gestik sowie Mimiküberzeugte Heinz Rühmann auch in seinen sängerischen Darbietungen und machte sich schwer nachahmbar. In der Vielfalt und Intensität seiner schauspielerischen Ausdrucksmöglichkeiten war der UFA-Star ohnehin kaum zu überbieten. Das Salonorchester Weimar sorgte zunächst einmal für den passenden optischen Rahmen. Die Männer kamen, rank und schlank, mit Frack, Fliege und Lackschuhen daher und dazu in der passenden Haartracht jener Zeit, in der kurze, eng anliegende und mit Pomade in Form gebrachte Herrenfrisuren im Trend lagen. Die Damen bevorzugten damals geraffte, plissierte und glitzernde Kleider, die beim Charleston Körpernähe bewahrten, aber die schlanken Beine der Weiblichkeit beim Tanzen nicht verhüllten. Keineswegs fehlen durfte eine die festliche Note unterstreichende schwarze Federboa. Der Sänger und Moderator Boris Raderschatt, einst Fußballer beim VfB Oldenburg, belebte mit seinen Interpretationen die Erinnerung an einen zweifellos großen Künstler und wurde dabei von einem sehr vielseitigen und professionellen Ensemble unterstützt. Gekonnt nutzte das Septett die Chance, eingefahrene Spuren zu verlassen und sich durchaus virtuos zuweilen auch im Jazzrhythmus zu artikulieren. Nicht ganz so problemlos war die Akustik für die Zuhörer auf der Empore. Sie mussten sich anstrengen, um Gesprochenes oder Gesungenes mitzubekommen. Möglicherweise war die Übertragungsanlage etwas übersteuert.

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