weather-image
28°
"Literarisches Kabinett" hat Wilhelm Busch zum Thema / Treffende Anekdoten-Auswahl sorgt im Kirchenzentrum für Heiterkeit

"Ich bin, statt des Gewinsels, eher ein Herr des Pinsels"

Luhden (sig). Mit den Großen dieser Welt befasste sich Wilhelm Busch wenig. Es waren die kleinen, eher unscheinbaren Zeitgenossen mit ihren Alltagsproblemen, die er beobachtete und deren Verhalten er zur Zielscheibe seines Spottes machte. Mit wenigen Strichen schaffte er es, eine Situation wiederzugeben, und ebenso knapp,aber treffend waren die Worte, die er dazu fand. Diesem Stil passte sich der Heimat- und Kulturverein bei seinem jüngsten Literarischen Kabinett an, das dem wohl bekanntesten Schaumburger gewidmet war.

veröffentlicht am 16.10.2007 um 00:00 Uhr

Grund zum Schmunzeln: die Gäste des "Literarischen Kabinetts".

Auf die Begrüßung durch Pastor Lutz Gräber im Saal des Luhdener Kirchenzentrums folgte der Einstieg in die Biographie des großen Spötters, der 1832 in Wiedensahl als erstes von sieben Kindern eines Krämers geboren wurde. Am liebsten wäre Vorsitzender Friedrich Winkelhake bei der Wiedergabe des Lebensweges so vorgegangen wie Herbert Eulenberg, ein früherer Eilser Kurgast und zu seiner Zeit durchaus bekannter Dramatiker. Der hatte es geschafft, im Düsseldorfer Schauspielhaus über fünf Jahre jeden Sonntag einen "Kulturgottesdienst" abzuhalten, in dem er bestimmte Persönlichkeiten mit Spielszenen vorstellte. Mit einem solchen Ablauf wäre das Eilser "Literarische Kabinett" aber überfordert worden. Das war auch nicht notwendig, denn neben einer gezielten Auswahl von Texten bekamen die Besucher viele Bilder (per Beamer und Diaprojektor) zu sehen. Sie zeigten Landschaft und Plätze, an die sich Busch besonders gern erinnerte. Natürlich lassen sich die damaligen Lebensumstände mit den heutigen nicht vergleichen. Man wusch sich morgens an der Pumpe oder am Brunnen. Elektrisches Licht gab es nicht und auch kein modernes WC. Ganz zu schweigen von den Errungenschaften unserer Zeit wie Radio, Fernsehen und PC. Busch war ein Eigenbrödler. Weltoffene Studienplätze wie Düsseldorf, Antwerpen und München waren Zwischenstationen, an denen er seine Mal- und Zeichenkunst weiter entwickelte und Kostproben seines Humors hinterließ. Seine Heimat konnten sie ihm nie ersetzen. Selbst der Anblick eines alten Schweinehirtenhauses, dasübrigens heute noch steht, verschaffte ihm mehr Gewinn und Ruhe als das geschäftige Treiben und das gestelzte Getue in den Kunstmetropolen. Der spröde Junggeselle las Schopenhauer und Shakespeare. Das Treiben eines Bienenschwarms war ihm wichtiger als eine Reichstagswahl. Winkelhake: "In Wiedensahl, wo er im Pfarrhaus bei seiner Schwester wohnte, fand Busch seine Ruhe. Für seine Unterhaltung sorgten die Bücher und der gelegentliche Gang indie Dorfschänke. Feiern ließ sich Wilhelm Busch nie." Die treffende Auswahl von Kurzgeschichten und Anekdoten, die Winkelhake, Dieter Gutzeit und Lutz Gräber zum Besten gaben, sorgte für viel Schmunzeln. Busch hat es auf unnachahmliche Weise geschafft, seine Skizzen und Reime zu einer Einheit zu verschmelzen - nicht nur oberflächlich erheiternd, sondern mit karikierendem Tiefgang und der scharfsinnigen Beobachtungsgabe eines Satirikers. "Ich bin, statt des Gewinsels, eher ein Herr des Pinsels", nahm sich Busch selbst auf die Schippe und verkürzte dabei sein Können. Das "Literarische Kabinett" verdient viel Lob für diesen Abend, an dem es seine Gäste nicht nur mit geistiger Nahrung, sondern auch mit einem herzhaften Essen bedachte. Günter Bergmann hatte dabei einmal mehr seine Kochkunst bewiesen. Dazu gab es eine Bilderausstellung von Hans Bonorden. Zu Wilhelm Busch und Hans Bonorden siehe auch Bericht unten.

Man sieht's: Dem Trio des Eilser Heimat- und Kulturvereins macht
  • Man sieht's: Dem Trio des Eilser Heimat- und Kulturvereins macht es sichtlich Freude, sich im Kirchenzentrum Luhden mit Wilhelm Busch zu befassen. Von links: Pastor Lutz Gräber, Dieter Gutzeit und Friedrich Winkelhake. Fotos: sig


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare