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Zu Hause bei der Landtagskandidatin der FDP: Kathrein Bönsch / Leidenschaftliche Unternehmerin, begeisterte Malerin

"Ich bin sowieso eine Liberale, eine Freiheitsliebende"

Hameln. Frech muss man sein, dann klappt's auch mit dem Job. Als ihr vor Jahren im wohl 50. Bewerbungsgespräch ein arroganter Düsseldorfer signalisierte, er habe so seine Probleme mit einer Mutter von vier kleinen Kindern, konterte Kathrein Bönsch mit beißendem Sarkasmus. "Keine Angst, die sperre ich morgens in den Käfig und lasse sie erst abends wieder raus." Den Job als Marketing-Assistentin hatte sie daraufhin in der Tasche. Und eine wichtige Erkenntnis gewonnen: "Frechheit siegt."

veröffentlicht am 10.01.2008 um 00:00 Uhr

Das Malen ist für sie Ausgleich und Entspannung, hat etwas Medit

Autor:

Christiane Riewerts

Frech und frei - so ist Kathrein Bönsch. Mutter, Ehefrau, Unternehmerin und Direktkandidatin der FDP im Landtagswahlkreis 38. Die Altbauwohnung an der Fischbecker Straße in Hameln erzählt vom Freiheitsdrang der 52-Jährigen: Hohe Wände, große Fenster, offene Türen, viel Raum, nicht zu viele Möbel. "Ich brauche Luft", sagt Kathrein Bönsch und setzt sich an den großen Massivholztisch im Esszimmer. "Ich bin sowieso eine Liberale, eine Freiheitsliebende." So freiheitsliebend, dass sie sich politisch lange nicht festlegen wollte, mal der FDP ihre Stimme gab, dann den Grünen. Ein unpolitischer Mensch war Kathrein Bönsch nie, als berufstätiger Mutter fehlte ihr aber jahrelang die Zeit für weitere Aufgaben. Den Ausschlag fürs eigene politische Engagement gab der Schritt zur Selbstständigkeit vor acht Jahren. Mit so vielen "bürokratischen Nettigkeiten" wurde die junge Unternehmerin konfrontiert, dass sie sich sagte: "Jetzt ist Schluss, jetzt engagiere ich mich." Seit 2000 ist sie Mitglied der FDP, seit vergangenem Jahr Kreisvorsitzende in Hameln-Pyrmont. Und jetzt eben die Landtagskandidatin, die ihre Wähler auf Plakaten auffordert: "Wählen Sie doch mal eine, die weiß, wovon sie redet." Auf dem roten Läufer im hellen Flur liegt eine Plastik-ente. Ein Spielzeug von Benny, dem Westhighland-Terrier, der Frauchen freudig schwanzwackelnd um die Beine streift. Zur Familie gehören außerdem Ehemann Axel und vier erwachsene Töchter. Dina (30) ist passionierte Köchin in Hannover, Sara (28) hat in Hattingen mit dem eigenen Modelabel "SchwarzWaldKirsch" Erfolg, die frisch verheiratete Jessica (27) arbeitet als Historikerin in Münster und Janina (24) studiert Chemie und Chemietechnik, in Wuppertal. Wuppertal - das ist die Heimat von Kathrein Bönsch. Im Bergischen Land ist sie aufgewachsen, das kann sie nicht leugnen: Sie spricht von "Wuhpertal", wenn sie über ihre Heimat redet, mit betont langem "u", entschuldigt sich "kuchz" ins Bad. Ein fröhliches Gemüt ist ihr eigen: Sie redet gern, lacht gern, lässt sich nicht unterkriegen. Undist, wie sie selber einräumt, ein "Querkopf". Vor 14 Jahren ist sie nach Hameln gekommen, obwohl sie gar nicht wollte: Des Berufs wegen hat sie eine jahrelange Wochenendbeziehung in Kauf genommen. Die graduierte Informatikerin hat ihr Leben lang gearbeitet, sich in den Babypausen zur Kommunikationswirtin fortgebildet. Mit Mitte 20 machte sich die junge Mutter selbstständig, verdiente mit Direktwerbung erstes Geld. Sich mit vier kleinen Kindern zu organisieren, die kritischen Blicke anderer auf sich selbst als "Rabenmutter" zu ertragen, das war nicht immer leicht. Aber: "Wir haben das eigentlich alles ganz gut hingekriegt." Umso mehr freut sich Bönsch heute darüber, dass ihr Kommunikationsunternehmen "a.b.media" für Familienfreundlichkeit ausgezeichnet worden ist. Auch das Weserbergland hat sie längst ins Herz geschlossen. "Ich liebe die Landschaft über alles, die Ruhe und Klarheit der Menschen." Eine wichtige Basis für ihr Leben ist der evangelische Glaube. "Sieht man ja", deutet Kathrein Bönsch an die Esszimmerwand und meint diesen kleinen Hinweis nicht ganz ernst: Dort hängt, schräg über dem gut gefüllten Weinregal, das Letzte Abendmahl - die Kunstdruck-Version von Renato Casaro mit Elvis Presley, James Dean und Marilyn Monroe als Jesus. "Die Spiritualität fehlt der heutigen Gesellschaft", sinniert Bönsch über ihren Glauben. Ihr selber gibt Gott Halt, einen inneren Boden, das gute Gefühl, in jeder Situation geerdet zu sein. "In der Politik muss man mit Machtkämpfen und Niederlagen rechnen", sagt sie. Wenn man da keinen inneren Halt habe, keine feste Basis, "dann kann man's gleich lassen". Auch die Malerei hilft der toughen Unternehmerin, "bei mir zu bleiben".Überall in der Wohnung hängen großformatige Werke aus ihrer Hand. Der sanft geschwungene Rücken einer nackten Frau, in weichen Aquarelltönen, freihand mit dem Schwamm nass in nass nachempfunden - "meine Empfindungen zum Thema Rückgrat". Ein ungewöhnliches Erlebnis hat sie vor 20 Jahren zum Malen geführt: "Ich habe im Traum gesehen, wie Picasso malte." Das war die Initialzündung - sie reiste nach Paris zum Picasso-Museum, verliebte sich in dessen Werke, startete erste Malversuche. Noch immer bedeutet das Malen Entspannung für sie: "So finde ich einen neuen Zugang zu mir selbst." Der Abstecher nach Hause ist vorbei, Kathrein Bönsch verstaut Pinsel und Palette im weißen Metallschrank in ihrem Malzimmer. Das Regal an der Wand gegenüber ist voll mit Büchern - sie liebt die Zeitschrift "brand eins" und alles von Patrick Süskind, mag Krimis und Harry Potter. Und will jetzt schnell zurück ins Büro. "Das ist mein Leben,meine Leidenschaft." Zwölf Stunden verbringt sie hier, Tag für Tag, manchmal sogar 16 Stunden. Der Einsatz zeigt Erfolg: Mittlerweile 13 Arbeitsplätze hat die engagierte Unternehmerin geschaffen. Da würde sich der arrogante Düsseldorfer von damals wohl gewaltig umgucken.

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