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Vor Gericht: Ein Jahr Haft für drei Einbrüche

"Ich bin müde": Das Ende einer sechswöchigen Flucht

Eilsen/Bückeburg (ly). Auf der Flucht vor einer Haftstrafe hat ein 51-Jähriger aus dem Allgäu in der Samtgemeinde Eilsen drei Einbrüche in einer Nacht begangen. Erst drang der Arbeitslose durch ein Fenster in die Grundschule Heeßen ein, wo er im Lehrerzimmer 20 Euro und eine Flasche Prosecco erbeutete. Vor Jahrzehnten ist der aus Niedernwöhren stammende Mann dortselbst zum Unterricht gegangen. "Ich bin froh, dass der Schaden, den ich angerichtet habe, gering war", sagt er vielleicht auch deshalb.

veröffentlicht am 09.10.2007 um 00:00 Uhr

In der Tatnacht hatte es der Einbrecher außerdem auf eine Gaststätte in Bad Eilsen sowie eine nahe Zahnarztpraxis abgesehen, ohne dort allerdings fündig zu werden. Durch den Lärm waren Anwohner aufmerksam geworden, die Polizei konnte den Flüchtigen kurze Zeit später festnehmen. Motiv des 51-Jährigen: "Mir war das Geld ausgegangen. Ich wusste nicht mehr weiter." Drei Monate nach diesen Taten hat das Bückeburger Amtsgericht den Einbrecher jetzt wegen Diebstahls im besonders schweren Fall zu einem Jahr Haft verurteilt. Zweimal war es beim Versuch geblieben. Der Angeklagte hätte Rechtsmittel einlegen können, nahm die Entscheidung jedoch an. "Ich bin müde", sagte er. Verständlich, denn hinter dem früheren Kellner liegt eine kriminelle Karriere, die ihresgleichen sucht. Seit 1971 gehen allein 17 einschlägige Verurteilungen auf sein Konto. Wiederholt hat er im Gefängnis gesessen, unterm Strich mehr als fünf Jahre. "Alles wegen Diebstahls", wie Richter Armin Böhmerklärte. Nun will der 51-Jährige ein neues Leben anfangen und eine bereits begonnene Umschulung zum Altenpfleger fortsetzen. Er hofft, in den offenen Vollzug zu kommen. Auf das Gefängnis hatte der Serientäter im Mai überhaupt keine Lust. An dem Tag, als er wegen anderer Einbrüche eine 18-monatige Haftstrafe antreten sollte, begann eine Flucht durch Deutschland, die sechs Wochen dauern sollte. Im Schaumburger Land war der 51-Jährige gelandet, weil er dort Verwandte hat. "Ich wollte mich stellen", versicherte der Schwabe vor Gericht. "Aber den Zeitpunkt wollte ich selbst bestimmen." Zum Prozess war Richter Böhm übrigens trotz einer starken Erkältung erschienen, obwohl seine Frau ihm davon abgeraten hatte. Mit einem Anflug von Galgenhumor meinte der Angeklagte: "Schade, dass sie nicht auf ihre Frau gehört haben."

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