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Musikpädagogin Astrid Nehrling hat in Rinteln den Idealberuf für sich gefunden

"Ich bin hier am richtigen Platz!"

Rinteln. Dass es manchmal die Umwege sind, die zu dem hinführen, was für einen gut und richtig ist, das zeigt der Werdegang von Astrid Nehrling (44) aus Rinteln. Die von ihrem Beruf begeisterte Musikpädagogin, die man oft durch die Stadt gehen sieht, schwer bepackt mit verschiedensten Instrumenten, sie wusste viele, viele Jahre nicht, ob sie überhauptjemals einen Arbeitsbereich finden würde, der wirklich für sie passt.

veröffentlicht am 21.06.2007 um 00:00 Uhr

Astrid Nehrling: Eigenes Berufsbild erschaffen. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

Zwar hatte sie bereits als Kind Gesangsunterricht für ihre schöne Stimme, auch spielte sie bereits früh Klavier und Querflöte und gründete später in Hannover einen Studentenchor, der noch heute existiert - aber so hochbegabt, dass sie eine Musikerkarriere anstreben würde, war sie doch nicht. "Eigentlich wollte ich in die Landwirtschaft gehen", sagt sie. "Zu Tieren fühlte ich mich schon immer sehr hingezogen." Die Ausbildung zur Landwirtin um deretwillen sie nach der 10. Klasse die Schule verließ, stellte sich aber ziemlich schnell als Illusion heraus: "Als einziges Mädchen, noch dazu aus der Stadt, zwischen all den Jungs vom Bauernhof - das konnte ich nicht aushalten." Sie begann eine Lehre zur Tierarzthelferin, doch hier schlug ein anderes Hindernis dazwischen, dasüberhaupt ihr ganzes Leben bestimmte: Eine schwere Neurodermitis, die zu unerträglichen Juckreizen führt und damit auch zu einer quälenden Schlaflosigkeit. Tierhaare machten die Sache nur noch schlimmer und sie stieg aus der Lehre aus. "Danach hatte ich erstmal gar keine berufliche Perspektive mehr", sagt sie. Sie holte auf dem Abendgymnasium das Abitur nach, studierte in Hannover das Fach Erziehungswissenschaften, dazu Literatur und Psychologie - aber was sie, außer natürlich Geist und Seele zu bilden, damit anfangen sollte, war schwer zu sagen. Ihre Magisterarbeit schrieb sie zum Thema: "Tiere in der Therapie mit Kindern", sie bewarb sich auch in mehreren pädagogischen Einrichtungen, aber ihre Ausbildung war zu theoretisch angelegt - keine Chance. Die entscheidende Wende kam, als mit dem Fall der Mauer der in der Ex-DDR berühmte Musiktheoretiker Christoph Schwabe aus Jena auch für Westdeutsche eine Weiterbildung im Bereich der Musiktherapie anbot. Da schienen für die musikalisch und pädagogisch gebildete Astrid Nehrling alle Dinge glücklich zusammenzukommen. "Ich hätte jede Stellung angenommen, egal wo und wohin." Bald bot sich ihr die Gelegenheit, als Musiktherapeutin zu arbeiten, in der Rintelner Burghofklinik nämlich, wo sie wegen ihrer Neurodermitis in Behandlung gewesen war. Es ging darum, den Patienten mit Hilfe von Stimmübungen einen neuen Zugang zur eigenen Körperwahrnehmung zu öffnen. Einige Zeit später machte sie sich in Rinteln als Musikpädagogin selbständig und erschuf sich praktisch ihr eigenes Berufsbild. So arbeitet sie in der Dorfgemeinschaft Elfenborn, in der Lebenshilfe und der hiesigen Behindertenwerkstatt mit geistig behinderten Menschen, sie geht regelmäßig zu den kranken Kindern auf der Kinderstation der Herzklinik in Bad Oeynhausen und macht Musik mit den Kleinen in derMutter-Kind-Gruppe der reformierten Gemeinde. "Das alles kam von ganz alleine auf mich zu", sagt sie. "Ich brauchte mich um gar nichts mehr zu bemühen." In ihrem Arbeitszimmer gibt es eine ganze Reihe sehr einfacher und doch fantastischer Instrumente, die mit einem Schlag die Möglichkeit eröffnen, sich musikalisch auszudrücken und dabei richtig glücklich zu sein. Da ist ein Monochord, dasüber mehrere Akkorde hinweg so eindrückliche Töne erzeugt, dass man sie im ganzen Körper spürt. Oder die Karimba mit ihren melodischen Tonfolgen. Es gibt Klanghölzer, Einzeltöne und Xylofone, und das Schönste ist eine Leier, Wunderbar! "Ich liebe Rinteln! Ich bin hier mit meinem Mann und meiner Arbeit genau am richtigen Platz!" sagt sie. Und mit der Neurodermitis ist es auch schon viel, viel besser geworden.



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