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Vor Gericht: Zwei Jahre Haft für sexuelle Übergriffe / Ausländer hat eigene Frau "für 14 000 D-Mark gekauft"

"Ich bin heiß": Ein Mann hält Frauen für Freiwild

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Wie aus einer anderen Welt wirkt ein Fall von sexuellenÜbergriffen, der jetzt das Landgericht beschäftigt hat. In dieser Welt haben ausschließlich Männer das Sagen, Frauen werden verheiratet, müssen sich unterordnen, und wenn die Gemahlin nicht pariert, setzt es schon mal Hiebe.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 15:00 Uhr

"Ich habe meine Frau für 14 000 D-Mark gekauft", erklärt ein Ausländer (36), der einer strengen Religionsgemeinschaft angehört, frank und frei. Ob er seine Frau schlage? "Nein", sagt der arbeitslose Obernkirchener. "Vielleicht hat sie Ohrfeigen bekommen - mehr nicht." Tatsächlich spielt diese Geschichte also mitten in Obernkirchen. Das vorerst letzte Kapitel endet nun mit zwei Jahren Haft für den Hauptdarsteller, verhängt von der Berufungskammer in Bückeburg. Gegen das Urteil ist allerdings noch Revision möglich. Ins Gefängnis muss der Angeklagte wegen versuchter Vergewaltigung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Opfer war diesmal nicht seine Frau (26), sondern deren jüngere Schwester (21), eine Bielefelderin. Im Mai vergangenen Jahres hatte die 21-Jährige sich mit ihrem kleinen Sohn für etwa drei Wochen in Obernkirchen einquartiert. Nach einigen Tagen soll der Schwager ("Ich bin heiß") begonnen haben, ihr Avancen zu machen. "Der stand auf mich, das war klar." Anfangs fasste die Besucherin dies eher als Spaß auf. Bald jedoch eskalierte dieSituation. An einem Montag nutzte der Hausherr die Abwesenheit seiner Frau aus, ohrfeigte die Schwägerin, zerrte sie aufs Bett im Kinderzimmer und hielt das Opfer dort an den Armen, die der brutale Täter mit Gewalt auf den Rücken gedreht hatte, ungefähr eine halbe Stunde fest. Eine Vergewaltigung scheiterte wohl nur daran, dass die Ehefrau nach Hause kam. Einen Tag später wurde der Mann durch das Klingeln des Telefons gestört, nachdem er hinter verschlossener Schlafzimmertür erneut versucht hatte, die Bielefelderin auszuziehen. Außerdem war deren Kind aufgewacht. "Wenn eine Frau nein sagt, dann heißt das auch nein", schrieb der Vorsitzende Richter Friedrich von Oertzen dem Angeklagten während der Urteilsverkündung ins Stammbuch. "Wir leben hier in Deutschland, Männer und Frauen sind gleichwertig." Täter wie Opfer stammen zwar aus demselben Kulturkreis, wo strenge Sitten herrschen. Doch die 21-Jährige hat diese Fesseln längst abgestreift. Sie lebt das Leben einer modernen jungen Frau. Übrigens: Mit ehelicher Treue nimmt es der Obernkirchener allgemein nicht so genau, er hat sogar ein uneheliches Kind. Das nennt man Doppelmoral. "Seine Schwägerin kam dem Angeklagten wie Freiwild vor", stellte Richter von Oertzen fest und sah das "Problem unterschiedlicher Kulturen". Der Mann lebe "in einer archaischen Situation". Gewiss sei der Angeklagte kein Sympathieträger, meinte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer. Frau und Schwägerin hätten ihn "als wahren Teufel geschildert". Nach einem erstinstanzlichen Prozess vor dem Bückeburger Amtsgericht, der im Mai ebenfalls mit zwei Jahren Haft zu Ende gegangen war (wir berichteten), hatte der Haustyrann seine Frau aus der Wohnung geworfen. Nun will die 26-Jährige sich scheiden lassen. Und dazu gehört in einem solchen Kulturkreis wahrlich Mut.

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