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Vor Gericht: Zivilkammer macht Ortstermin mit Vierbeinern und verhandelt am Waldesrand / Vergleich

Hunde im heftigen Streit: Richter verteilt Leckerlis

Bückeburg (ly). Leckerlis für Hundchen, Schmerzensgeld für Frauchen: In einem Zivilprozess um eine wüste Rauferei zweier Vierbeiner hat Richter Reinhard Sievers alle bedacht. Eine Rintelnerin, die seinerzeit zwischen die kämpfenden Vierbeiner geraten war und sich beim Sturz die linke Hand gebrochen hatte, bekommt 2000 Euro. So heißt es in einem Vergleich des Landgerichts, der allerdings noch widerrufen werden kann. Ursprünglich hatte die Klägerin, deren (geliehener) Mischling in den Streit verwickelt war, 11 000 Euro an Schmerzensgeld und Schadensersatz gefordert. Das hielt die 1. Zivilkammer jedoch offenbar für weit überzogen.

veröffentlicht am 28.07.2006 um 00:00 Uhr

Leckerlis für die Hunde, Schmerzensgeld für ein Frauchen verteil

Ortstermin mit Hunden: Vor dem Vergleich, geschlossenen im Saale, hatten sich die Prozessbeteiligten während einer Gerichtsverhandlung im Grünen ein Bild gemacht. Richter Sievers, privat ein erfahrener Hundebesitzer, ließ sich beide Tiere vorführen und verteilte Häppchen. Unter aktiver Mitwirkung der vierbeinigen Hausgenossen wurde die Auseinandersetzung, passiert im Sommer vergangenen Jahres,anschließend nachgestellt. Was ist geschehen an jenem 27. August in Bergdorf? Man weiß es nicht genau, denn die Beteiligten erzählen unterschiedliche Versionen. Sicher scheint, dass der schmale Fußweg, der zum Harrl führt, kaum genug Platz bietet für zwei Hunde inklusive Frauchen, eine verzwickte Situation also. Sicher ist, dass die Rintelnerin mit dem Hund ihrer in Bergdorf lebenden Tochter, einem eher klein geratenen Mischling mit recht großer Klappe, den Berg hinauf wollte. Und sicher ist, dass von oben ein Golden Retriever nebst Halterin nahte. Obwohl die Rüden angeleint waren, kam es im Begegnungsverkehr zur Klopperei, zum Showdown am Waldesrand. Ist der Rassehund brutal über den Kleinen und obendrein die Frau hergefallen, quasi aus heiterem Himmel? Oder hat man sich zunächst beschnuppert und dabei eine gegenseitige Aversion festgestellt, die in Gewalt unter Tieren mündete? "Von hier an gehen die Schilderungen auseinander", erklärte Richter Sievers. "Jedenfalls sind die Hunde sich offenbar nicht ganz grün." Dies hatte der Mischling zuvor eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Trotz eines Sicherheitsabstandes von zwei Metern begann der Kleine sofort zu knurren, als der große Retriever an ihm vorbei geführt wurde. Dafür hätte er eigentlich kein Leckerli verdient gehabt. Nach der Tierhalterhaftung, festgeschrieben im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), kommen Halter grundsätzlich für alles auf, was ihre Hunde anstellen. Ausdrücklich heißt es, dass diese Haftung auch ohne menschliches Verschulden greift. Wenn zwei Vierbeiner im Spiel sind, wird die Sache komplizierter ....

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