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Seit 25 Jahren betreut Küsterin Elsa Wehrhahn 475 Jahre alte Kapelle

Hüterin des kleinen Gotteshauses

Messenkamp (nah). Schwer knarrt das Metallstück im großen Schloss. In keine Handtasche würde der mächtige Schlüssel zur Tür der zur Hülseder Aegidiengemeinde gehörenden St.-Georg-Kapelle passen. Seit genau 25 Jahren hütet Elsa Wehrhahn das Utensil sorgfältig. Denn sie ist Küsterin des kleinen Kirchleins, das sich mitten zwischen die Häuser im alten Ortskern von Messenkamp duckt.

veröffentlicht am 07.06.2007 um 00:00 Uhr

Nicht nur Schließdienst am alten Türschloss: Seit 25 Jahren ist

Hinter meterdicken Mauern gibt es aber Bequemlichkeiten. Eine Heizung sorgt im Winter für angenehme Wärme. Auch das Geläut funktioniert auf Knopfdruck: "Ich habe den Glockenstrang nicht mehr ziehen müssen", zeigt Wehrhahn auf das Loch in der Decke: Statt des Seils befindet sich dort ein Elektrokabel. Die Messenkämperin hat alle üblichen Dienste einer Küsterin zu verrichten: frische Blumen für die Vasen, Kerzen anzünden, die regelmäßige Reinigung. "Ich mache das immer noch gern", sagt sie nach einem Vierteljahrhundert. Am Pfingstmontag wurde sie dafür im Gottesdienst geehrt. Pastor Heinz-Dieter Wittenborn konnte anhand der alten Unterlagen gar nicht mehr den Tag ihres Dienstbeginns feststellen. "Es muss Ende Mai 1982 gewesen sein", schließt er aus einem Protokoll des Kirchenvorstands. Auch Elsa Wehrhahn weiß das nicht mehr so genau. "Das war nichts Offizielles", erinnert sie sich an die Anfänge. Nachbarin Thea Pilz wollte damals von dem Ehrenamt entbunden werden. Und weil Reinhard Wehrhahn zu jener Zeit dem Kirchenvorstand angehörte, sprang Elsa freiwillig ein und schloss die Lücke. Daraus sind jetzt 25 Jahre geworden. Durchaus viel Arbeit war zu leisten. Denn das aus dem 16. Jahrhundert stammende kleine Gotteshaus verlangte handwerklichen Einsatz: Die Heizung war zu erneuern, das Dach zu decken oder das kleine Glockentürmchen zu sanieren. Irgendwann gab es einen neuen Fußboden und einen weißen Anstrich des Altarraums. "Die Wände im Kirchenschiff müssten auch Farbe bekommen", findet die Küsterin. Am besten in den nächsten Wochen: Denn Kirchenvorstand und örtliche Vereine wollen Ende Juni mit einem "Kapellenfest" das 475-jährige Bestehen würdigen. Das Baujahr um 1530 wird aus den vorhandenen Steinmetzzeichen und Spuren einer Fensterfassung im Chor geschlossen. Wahrscheinlich 1845 hat das unter Denkmalschutz stehende Gebäude sein heutiges Aussehen erhalten. Das Schiff wurde verlängert. Auch der Dachreiter stammt aus jener Zeit. Weitere Veränderungen ergaben sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Denn 1941 wurde in einer Beschreibung noch vermerkt: "keine Beleuchtung, keine Heizung".



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