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Aber Preissenkungen bei Übernachtungen gibt es nicht

Hoteliers freuen sich über das Steuergeschenk

Hameln (ni). „Einmal Übernachtung mit Frühstück – und das Zimmer bitte zwölf Prozentpunkte billiger als im vergangenen Jahr.“ Wer jetzt mit dieser forschen Forderung an der Rezeption eines Hamelner Hotels auftritt, hat die Rechnung wahrscheinlich ohne den Wirt gemacht. Die Branche will den Gast zwar teilhaben lassen an dem Steuergeschenk der Bundesregierung, die die Mehrwertsteuer für Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent gesenkt hat, – allerdings nicht unbedingt über eine Senkung der Preise und schon gar nicht im Verhältnis 1:1.

veröffentlicht am 06.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Was den Staat etwa eine Milliarde Euro an Einnahmen kostet, werde sich „nur teilweise“ im Portemonnaie des Verbrauchers niederschlagen, sagt Hotelier Dieter Güse vom Hotel Stadt Hameln. Er will die Einsparung überwiegend nutzen, „um zu investieren, damit wir unsere Gäste langfristig halten und so auch Arbeitsplätze sichern können“. Im vergangenen Jahr hat Güse einen durch die allgemeine Wirtschaftskrise bedingten Rückgang der Übernachtungszahlen „ohne Kurzarbeit und Entlassungen“ verkraftet. Und seit drei Jahren die Übernachtungspreise stabil gehalten, obwohl die Kosten für Material und Energie laufend gestiegen seien. Die Luft für Investitionen sei folglich dünn geworden, die Steuerentlastung darum höchst willkommen, um in diesem Bereich nachzuarbeiten.

Güse steht mit dieser Strategie nicht allein. Auch Britta Clinging vom Hotel Bellevue will das Steuergeschenk „teilweise“ nutzen, um den Übernachtungspreis zu senken und zum anderen Teil, um die Ausstattung des Hauses weiter zu verbessern, eventuell sogar, „um mehr Personal einzustellen“. Das wäre gegen den Branchentrend, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag über eine Umfrage ermittelt hat. Danach will jedes vierte Unternehmen im Gastronomiebereich wegen der schlechten Erwartungen für die Wintersaison massiv Stellen abbauen, bei Übernachtungsbetrieben sind es 22 Prozent. Neueinstellungen seien dagegen kaum geplant.

Die treuen Stammgäste sollen in Iris Dangers Hotel La Principessa von der ermäßigten Mehrwertsteuer profitieren. Statt 69 Euro hat sie ihnen bereits zum Ende des Jahres nur noch 62,50 Euro für die Übernachtung im Einzelzimmer in Rechnung gestellt. Für alle anderen Kunden „bleiben die Preise stabil“, sagt Danger. Wie das Hamelner Mercure auf die Steuersenkung reagieren wird, ist noch offen. Hoteldirektor Fritz-Henning Jürgens wartet noch auf Anweisungen der Konzernspitze, wie in den Häusern des Unternehmens zu verfahren sei. Jürgens rechnet allerdings damit, „dass ein Teil der Ersparnis sicherlich in Investitionen und in die Mitarbeiter fließen wird“.

Auf der Hotelrechnung wird sich die ermäßigte Mehrwertsteuer kaum niederschlagen.

Christine Renner kann solche Entscheidungen selbst treffen. Sie ist Geschäftsführerin des Christinenhofes und will hinsichtlich der Preispolitik im Wesentlichen alles beim Alten lassen. Für Firmenkunden gälten seit vier Jahren die gleichen Übernachtungspreise, wobei die Sonderkonditionen hier schon die „Schmerzgrenze erreicht“ hätten. Was die Firmen offensichtlich auch selbst so einschätzen, denn bislang hatte Renner „noch nicht eine einzige Anfrage“, ob sie angesichts der ermäßigten Mehrwertsteuer die Preise senken werde. Bei den privaten Übernachtungsgästen will der Christinenhof auch weiterhin flexibel bleiben, lange Aufenthalte im Hotel mit Rabatten belohnen und mit besonderen Arrangements zu besonderen Preisen um Gäste werben. Das Geld, was sie sonst an den Staat abgeführt hat, will Christine Renner jetzt verwenden, um in das Haus zu investieren. „Von einem renovierten Badezimmer hat der Gast im Zweifelsfall mehr als von einer Übernachtung, bei der er fünf oder sechs Euro spart“, ist sie überzeugt.

Renner gibt damit wider, was laut Gabriele Güse „allgemeiner Tenor in den Betrieben ist“. Als Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes kennt sie nicht nur die Stimmung in den vergleichsweise kleinen Hotels der Region, sondern hält auch Kontakt zu den Chefs großer Häuser und weiß: „Die meisten wollen die Steuerersparnis nutzen, um den Investitionsstau abzuarbeiten und das Preis-Leistungs-Verhältnis zu verbessern. Ich habe keinen getroffen, der sich damit die eigenen Taschen vollstopfen will.“

Allen Prognosen zufolge sehe es für die Branche sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr nicht gerade rosig aus, so Güse. Der Wettbewerb werde härter, und umso wichtiger sei es darum, den Gästen den Aufenthalt im Hotel durch guten Service und schönes Ambiente möglichst angenehm zu machen. Angesichts der trüben Geschäftsaussichten zeigten sich die Banken allerdings „sehr zugeknöpft“ bei der Vergabe von Krediten. Da kämen die dank Steuergeschenk eingesparten Zahlungen an Vater Staat gerade recht, um trotzdem Geld in die Verschönerung der Häuser stecken zu können. Von diesen Investitionen, sagt Gabriele Güse, „profitiert ja auch das Handwerk“. Und zum Wohle des Gastes seien sie obendrein.



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