weather-image
16°
Abrissbirne statt Jubiläum: Projektgesellschaft aus Steinhude kauft Grundstück, um WEZ-Markt zu erweitern

Hotel Schaumburg Diana: Feierabend nach 99 Jahren

Bad Nenndorf (rwe). Ein Traditionshaus kommt unter den Hammer - und das im doppelten Sinne. Das Hotel "Schaumburg Diana" an der Rodenberger Allee versteigert am morgigen Dienstag sein Inventar, im kommenden Frühjahr kommt dann das Gebäude an die Reihe. Die neuen Inhaber wollen das Hotel und das dahinter liegende Gartenhaus abreißen und den benachbarten WEZ-Markt erweitern.

veröffentlicht am 24.11.2008 um 00:00 Uhr

0000506703.jpg

Alles hat seine Zeit. Und die ist für das "Schaumburg Diana" am 1. Dezember abgelaufen. Damit bringt es das Bad Nenndorfer Traditionshaus mit den 80 Zimmern auf insgesamt 99 Jahre. Statt des Jubiläums kommt nun die Abrissbirne. Aber bei Waltraud Lampe-Sikorski, Enkelin der Gründerfamilie Pfingsten und Betreiberin in dritter Generation, hält sich die Trauer in Grenzen. "Das passt alles gerade." Denn für den Familienbetrieb fand sich kein Nachfolger. Tochter Diana, deren Name die frühere Pension Pfingsten heute trägt, arbeitet als Rechtsanwältin in Kiel. Der Verkauf kommt deshalb auch nichtüberraschend. Die Gespräche laufen schon seit mehr als einem Jahr. Angeschoben hatte dies Dieter F. Kindermann, dessen Familie bis vor wenigen Monaten noch die benachbarte WEZ-Fläche besaß. Um aber auf Dauer eine vernünftige Größe als Supermarkt zu haben, müsste der Nahversorger an der Rodenberger Allee wachsen, erklärte auch Karl-Stefan Preuß vor Jahresfrist, der als Geschäftsführender Gesellschafter die WEZ-Kette in vierter Generation führt. Im Sommer verkauften die Kindermanns aber zunächst ihr Grundstück samt der Planung an die neuen Bauherren Willi Bade aus Steinhude und Klaus-Peter Othmer, die nun auch die 3500 Quadratmeter mit dem Hotel und dem vorderen Gartenhaus übernehmen. Die Projektentwickler sind erfahren im Bau von Einkaufsmärkten, sind überregional aktiv unter anderem für die Lidl-Handelskette und wollen nun für WEZ den Standort im Kurort von derzeit 700 auf 1800 Quadratmeter ausbauen und dabei auch den bislang gegenüberliegenden Getränkemarkt integrieren. Zudem soll die Zahl der Parkplätze von 30 auf 110 wachsen. Das Verfahren für den Bebauungsplan laufe, sagt Architekt Willi Bade, die von ihm überarbeiteten Pläne seien mit der Stadt besprochen. Bereits im Sommer hatte der Verwaltungsausschuss die Expansion für gut geheißen. Bade hofft, im März das Baurecht zu haben und den erweiterten WEZ-Markt im nächsten Herbst neu eröffnen zu können. Der Nochinhaberin steht nun eher das Gegenteil ins Haus. Sie muss ihr Hotel räumen und lässt deshalb das Inventar ab morgen versteigern. Eigentlich hätte sie bereits zum September verkaufen können, doch zu den Messen im Herbst waren 40 Zimmer seit Wochen gebucht. "Danach habe ich mich dann auch innerlich verabschiedet", sagt Lampe-Sikorski, die nach mehr als 30 Jahren an der Rezeption am 18. November die letzten Gäste aus dem Hotel führte und nun in das hintere der beiden Gartenhäuser zieht. Für das Mobiliar hat sie keinen Platz mehr. Die Auktion sei die schnellste Möglichkeit, Interessenten für das Inventar zu finden. Wolfgang Mutz von den Hanseatischen Auktionatoren soll nach eigenen Angaben "alles verwerten, was nicht niet- und nagelfest ist". Er hat 600 Einladungen an Gastronomen verschickt, rechnet mit 80 bis 100 Teilnehmern aus der Branche. Privatpersonen können ebenfalls sich ein Andenken oder antikes Schmuckstück sichern. Denn in der langen Versteigerungsliste stehen nicht nur Utensilien aus der Küche, dem Frühstücksraum, den Zimmern und Bädern. Bei dem 62-jährigen Auktionator, der bereits nahezu 200 Gaststätten und Hotels verwertete, kommen auch Trachtenpuppen, alte Truhen und die antiken Scheunentore des Bauernhauses unter den Hammer, mit dem 1909 alles begann. Interessenten können das Inventar heute, Montag, von 14 bis 18 Uhr besichtigen sowie morgen drei Stunden vor der Versteigerung, die morgen um 14 beginnt. Abholung und Nachverkauf sind am Mittwoch von 11 bis 18 Uhr vorgesehen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare