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Im Schlosspark der Arensburg wachsen riesige Bäume und seltene Exemplare / Führungen in Vorbereitungen

Holzdiebe und Fischräuber stoppen - Park verpachtet

Steinbergen (wm). Über 40 Festmeter Holz haben Holzdiebe aus Steinbergen aus dem Park der Arensburg gestohlen. Wahllos seien die Bäume gefällt worden und das völlig unfachmännisch. "Die haben ein Chaos hinterlassen", schildert Ulrich Grupe von der Baumpflege Auetal, der das Gelände besichtigt hat. Die Diebe waren auf das Gelände gelangt, weil sie dreist eine Schutzplanke an der Straße abmontiert hatten. Fischräuber haben das Wasser aus einem Fischteich abgelassen, um die Fische abzusammeln.

veröffentlicht am 15.01.2007 um 00:00 Uhr

Eine prächtige, über 20 Meter hohe Buche, die trotzdem "mittelfr

Mit diesem Naturfrevel soll jetzt Schluss sein. Dirk Sassenberg und Bernd Appel haben gemeinsam das Gelände gepachtet und wollen den rund 14 Hektar großen Park forstwirtschaftlich nutzen und wieder herrichten mit fachlicher Unterstützung von Ulrich Grupe. Ziel sei, so Sassenberg, den Park wieder zu bestimmten Zeiten zuöffnen und Führungen zu veranstalten, beispielsweise auch für Schulklassen, für den Botanikunterricht. Auch die Fischteiche werden beaufsichtigt und bewirtschaftet, neue Fische sollen eingesetzt werden. Sassenberg: "Das Wasser hat fast Trinkwasserqualität und stammt nicht von der Autobahn, sondern von Quellen im Berg." Erste Vorarbeiten haben Bernd Appel und Dirk Sassenberg schon geleistet und die Wege geräumt, die Schäden der Holzdiebe beseitigt, etliche umsturzgefährdete Bäume gefällt, die Sicht auf die Teiche freigeschlagen. Ulrich Grupe, der eine Bestandsaufnahme im Park macht, zeigte sich gestern bei einer Begehung begeistert. Obwohl die Bäume noch nicht grün sind, alles in winterlicher Kahlheit steht, lässt sich die Pracht des Parkes doch erahnen. Hier wachsen einige seltene Bäume und das in einer Mächtigkeit, wie man sie nicht mehr oft findet - manche Bäume sind zwanzig bis dreißig Meter hoch. So gibt es im Park drei Edelkastanien, deren Früchte man essen kann und die auch den im Park anzutreffenden Wildschweinen schmecken, wie man an den Spuren und einer Suhle in der Nähe erkennen kann. Auch Rehe haben sich den Park als Standort ausgewählt. Rund 200 Jahre alt, sei eine der Kastanien, schätzt Grupe. Große Platanen wachsen im Park, die ihre Rinde abschälen - "das ist normal, das tut der Baum, wenn er wächst." Eine urige, knorrige Hängebuche, die sich geteilt hat und ins Teichwasser wächst, Zypressen, die die meisten nur als Ziergewächse im Garten kennen, hier aber zu einem hochstämmigen Baum gewachsen ist, Berg- und ein seltener Spitzahorn, Rotbuchen und eine seltene Schlitzbuche, eine Riesenthuja, auch Lebensbaum genannt - das sind die Besonderheiten, die man sonst nicht so schnell in unseren Wäldern findet. Aber es gibt auch etliche stattliche Exemplare, die Grupe "mittelfristig" auf die Liste der Bäume setzten will, die gefällt werden müssen. So eine Buche am Hang, die eine Orkanböe in gewaltige Schräglage gedrückt hat: "Da zerren an den Wurzeln jetzt 15 Tonnen Gewicht", wie eine andere Buche, die vom Brandkrustenpilz befallen worden ist: "Die steht nur noch auf den Wurzeln." Das gesamte Gelände ist dreigeteilt: Rund 14 Hektar gehören zur Arensburg, ein Streifen an der Bundesstraße gehört der Fürstlichen Hofkammer, ein weitere Streifen entlang der Autobahn dem Bundesvermögensamt. Einen grandiosenÜberblick über den Park wie da Gelände hat man von einer Aussichtsplattform, noch besser vom Zinnenturm des Schlosses. Bei Führungen, die Dirk Sassenberg verstärkt im Frühjahr und Sommer anbieten will, sei das ein Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes. Der Park warübrigens noch bis in die 60-er Jahre ein geschätztes Ausflugsziel, wo man anschließend an das Kaffeetrinken im Schlosscafé spazieren gehen konnte. In den Jahren danach ist die Parkanlage sich selbst überlassen worden. Über den Park gibt es mehrere Veröffentlichungen. So hat Frau Dr. von Schweinitz den Park in ihrer Dissertationüber historische Gärten in Schaumburg gewürdigt, Heinz-Erich Fauth die wechselhafte Geschichte in seinem Buch "Steinbergen - der Wesergebirgspass und das Amt Arensburg" beschrieben. An Ideen, wie man die Arensburg, die derzeit unter Insolvenzverwaltung steht, in dieser Situation sinnvoll nutzen könne, bis ein neuer Besitzer gefunden worden ist, mangelt es Dirk Sassenberg nicht. Jüngst sei ihm ein Autofahrer aus Braunschweig auf den Schlosshof gefolgt und habe erzählt, er wolle in einem Schloss Hochzeit feiern, das sei sein Traum. Ob es hier leere Räume dafür gebe?

Eine der Edelkastanien im Park, deren Früchte auch die Wildschwe
  • Eine der Edelkastanien im Park, deren Früchte auch die Wildschweine schätzen.
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  • Dirk Sassenberg zeigt hier: Baumstümpfe bleiben für Baumbrüter stehen.
Der "Hexenteich" auf dem Schlossgelände - bereits in historische
  • Der "Hexenteich" auf dem Schlossgelände - bereits in historischen Urkunden erwähnt. Fotos: tol


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