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Umsatzplus von 9 Prozent bei Möbel Holtmann, 30 Prozent mehr Verkauf bei Seat Buddensiek / Kommt 2007 "Luftloch"?

Hohe Nachfrage bei Autos, Möbeln und Elektrogeräten

Landkreis. Die größte Steuererhöhung der bundesdeutschen Geschichte ist beschlossene Sache: Am 1. Januar kommenden Jahres wird die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte erhöht und liegt dann bei einem Regelsatz von 19 Prozent.

veröffentlicht am 13.10.2006 um 00:00 Uhr

Autor:

Caroline Biallas

Ob neues Auto oder Flachbildschirm, Skiausrüstung oder Sitzgarnitur fürs Wohnzimmer: Wer jetzt noch kauft, kann Bares sparen. Gerade bei größeren Investitionen machen sich die ab Januar zu zahlenden drei Prozent extra bemerkbar: Der Laptop für 1200 Euro kostet dann gute 30 Euro mehr, für den 40 000-Euro-BMW muss man garüber 1000 Euro mehr hinlegen. Verfallen also auch die Schaumburger drei Monate vor Jahresende in einen regelrechten "Mehrwertsteuer-Kaufrausch"? Nach Einschätzung des Einzelhandels im Landkreis wollen viele Verbraucher hier tatsächlich noch die vergleichsweise günstigen 16 Prozent mitnehmen. Hoch ist die Nachfrage vor allem bei teuren Konsumgütern wie Autos, Möbeln und Elektrogeräten. Jörg Huget, Marktleiter des Elektrofachgeschäftes "Expert" in Rinteln, bestätigt die steigende Kauftendenz im Elektrobereich. "Besonders hoch ist die Nachfrage in den letzten Tagen geworden, seit Anfang Oktober etwa. TV-Geräte wie LCD- und Plasmafernseher sowie Laptops und Computer werden immer mehr gekauft. Aber auch teure Kücheneinrichtungen sind in letzter Zeit besonders gefragt", hat Huget ein Plus im Umsatz registriert. Auch Hubert Holtmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Möbelhauses in Gelldorf, kann eine ähnlich steigende Tendenz feststellen. Vor allem in den letzten Wochen sei ein hoher Andrang zu erkennen, so Holtmann. Die Umsätze würden bereits jetzt deutlich über den Vorjahreswerten liegen, so dass das Jahr 2006 ein Umsatzplus von etwa 9 Prozent zeigen könne. Vor allem Ware, die der Kunde direkt mitnehmen könne, wie beispielsweise Polstermöbel oder Schränke, seien sehr gefragt. "Demnach ist allerdings zu befürchten, dass am Jahresanfang ein großes ,Luftloch' entsteht - und die Kundschaft erst mal ausbleibt", vermutet Holtmann bezüglich der Steuererhöhung zum Januar 2007. Der Automarkt hingegen boomt nicht erst seit Oktober: Bereits Anfang des Jahres seien laufend Verträge unterschrieben worden, erinnert sich Klaus Buddensiek, Inhaber des gleichnamigen Seat-Autohauses an der Konrad-Adenauer-Straße in Rinteln. "Die Verkaufszahlen sind um 30 Prozent gestiegen, liegen damit wesentlich höher als in den Vorjahren. Das kann ja nur an der Mehrwertsteuererhöhung liegen", ist sich Buddensiek sicher. Und gerade beim Kauf eines Autos merke der Kunde die drei Prozent erheblich, fügt er hinzu. Doch es gibt auch andere Stimmen aus der Geschäftswelt: Nicht überall wird so viel gekauft. Jens Wehmeier vom Rintelner Möbelgeschäft "Avanti" kann keine erhebliche Steigerung feststellen. "Die Käufe halten sich in einem überschaubaren Rahmen und weichen kaum von den Vorjahreszahlen ab", sagt Wehmeier. Und auch im Rintelner "Marktkauf" sind die Verkaufszahlen bis jetzt noch konstant geblieben. Vielleicht beginne der Kaufrausch erst in Zusammenhang mit den Weihnachtsangeboten, vermutet Geschäftsführer Branko Kozic. Nicht alle Geschäfte im Landkreis erhöhen ihre Preise zeitgleich mit der Einführung der höheren Mehrwertsteuer. Das Schmuck- und Uhrengeschäft Adalberts in Rinteln lässt sich auch weiterhin nur von den Firmen beliefern, die ihre Einkaufspreise noch nicht sofort steigern. "Viele der Schmuck- und Uhrenhersteller übernehmen die drei Prozent vorerst. Das hat den Vorteil, dass weder der Einkaufspreis für mich höher wird noch der Verkaufspreis für den Kunden", erklärt Jürgen Adalberts. Nicht nur Waren werden zum 1. Januar teurer, sondern auch Dienstleistungen sind mehrwertsteuerpflichtig. Da zum Beispiel Haarschnitte, Färbungen und Dauerwellen zu den Dienstleistungen zählen, sind die Kunden bei Friseurbesuchen ebenfalls von der Mehrwertsteuererhöhung betroffen. Friseurmeister Hans Werner verfährt in seinem Salon in der Rintelner Bäckerstraße nach einem ganz ähnlichen Prinzip wie Jürgen Adalberts. "Bei uns werden die Preise auch im kommenden Jahr stabil gehalten, da ich die drei Prozent von jeder Dienstleistung übernehme, die der Kunde eigentlich mehr bezahlen müsste." Denn dem Staat sei es schließlich egal, ob der Friseur oder der Kunde für die zusätzlich geforderten Prozente aufkomme, erklärt Werner. Sein Argument ist der Wettbewerb: Man könne dem Kunden nicht von heute auf morgen höhere Preise abverlangen und gleichzeitig erwarten, dass er einem die Treue halte. "Die Konkurrenz ist groß - da muss man schon genau kalkulieren."

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