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Maklerfirma Atisreal: „Es gibt Interessenten“ / Auch den Schaufenster-Läden droht nicht gleich das Aus

Hoffnungssignale für das verwaiste Kaufhaus

Hameln (kar). Sie wollen, aber sie wissen nicht, ob sie dürfen – nämlich weitermachen mit dem, was sie die letzten Jahre erfolgreich betrieben haben: ihr Geschäft im Geschäft. Der Blumenladen und der Imbiss im Schaufenster des ehemaligen Hertie-Hauses sind übrig geblieben und derzeit die einzigen, die den trostlosen Anblick der verwaisten Immobilie im Herzen der Altstadt noch ein wenig mildern. Wie geht’s weiter? Was passiert mit dem Gebäude? Können Imbiss und Blumengeschäft bleiben? Fragen, die nicht nur den Betreibern unter den Nägeln brennen.

veröffentlicht am 05.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Viele Hamelner machen sich derzeit Gedanken darüber, wie eine Nutzung des ältesten Kaufhauses in der Rattenfängerstadt aussehen könnte. Allen voran: Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann und Stadtmanager Stefan Schlichte. Sie lässt die Zukunft des Hauses nicht kalt, und sie haben sich an Atisreal gewandt, jene Firma, die von dem insolventen britischen Eigentümer Dawnay Day mit der Vermakelung der Immobilie beauftragt wurde. „Wir stehen im Kontakt“, sagt Schlichte, dessen Sorgen im Hinblick auf Hamelns Leerstandsmanagement durch die Hertie-Pleite nicht geringer geworden sind. Nach seiner Meinung kommen für die 2200 Quadratmeter Kaufhausfläche am ehesten „die Elektrobranche oder der Warenhausbereich“ in Betracht.

Das Gebäude ist in

schlechtem Zustand

Für eine künftige Warenhausnutzung sieht Christoph Meyer von Atisreal allerdings schwarz: „Die Kaufhäuser in Deutschland sind in einer strukturell bedingten Krise.“ Trotzdem macht er den Hamelnern Hoffnung: „Wir haben mehrere Interessenten.“ Da noch nichts in trockenen Tüchern sei, wollte er allerdings nicht konkreter werden. Chancen für eine Nutzung des Hauses sieht der auf Vermakelungen größerer Immobilien spezialisierte Fachmann am ehesten im Elektronik-Bereich oder auch in der Zerschlagung der Fläche und der Umwandlung in ein Geschäftshaus mit mehreren „Sandwich-Läden“. Voraussetzung: „Eine radikale Modernisierung und Renovierung des Gebäudes oder sogar Abriss und Neubau“, macht Meyer unmissverständlich klar; denn: „In diesem Zustand ist das Gebäude nicht nutzbar.“

Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann wertet die Schließung des Warenhausstandortes als „herben Schlag für die Attraktivität der Geschäftslage in der Osterstraße.“ Sie bittet in einem Schreiben an Atisreal um Prüfung, „ob die beiden in den ehemaligen Schaufenstern geführten Läden (Blumenladen und Imbiss) vorerst erhalten bleiben können“. Beide haben einen separaten Eingang, sind aber im Hinblick auf Wasser und Strom auf den Haupt-Trafo im Ex-Hertie-Haus angewiesen.

Und genau da liegt die Krux: „Wir wissen noch nicht, wie wir das mit dem Strom und Wasser regeln können, und ob sich der Weiterbetrieb des Haupttrafos rechnet“, sagt André Grützmann, Geschäftsführer der Frankfurter Firma „Mayfield“, die von Dawnay Day damit beauftragt wurde, diese Probleme unter die Lupe zu nehmen. Denn: „In anderen ehemaligen Hertie-Häusern sieht das nicht anders aus“, sagt Grützmann. Auch dort gebe es Schaufenster-Läden, die die Betreiber gern weiterführen würden. „Wir sind dran“, erklärt Grützmann, der das Anliegen zwar versteht, aber auch weiß: „Es gibt noch eine Menge zu besprechen.“ Zunächst müsse man sich um Gespräche mit den jeweiligen Energieversorgern vor Ort bemühen: „Und dann sehen, was machbar ist.“

Schaufensterdeko oder

Fassadenverhüllung?

Susanne Lippmann geht in ihrem Schreiben an Atisreal noch einen Schritt weiter: Es dürfe „nicht unerheblich für die Werterhaltung der Immobilie sein, wenn die übrigen Schaufenster und Durchsichtsbereiche nach Auszug der Firma Hertie eine ansprechende Dekoration erhalten würden, um die negativen Begleiterscheinungen eines Leerstandes zu kaschieren.“ Die Stadt Hameln würde Atisreal gern dabei unterstützen, verspricht die Oberbürgermeisterin.

„Es soll kein trister, lebloser Eindruck entstehen“, wünscht sich auch Schlichte für das ehemalige Hertie-Haus und plädiert wie Lippmann für eine Schaufensternutzung. Im ehemaligen Textilgeschäft „New Yorker“ in der Osterstraße hat ein Autohaus die Chance zur Präsentation genutzt. Auch die Jugendkunstschule plane eine „Leerstandsaktion“ und suche jetzt eine entsprechende Schaufläche, weiß der Stadtmanager.

Im Hinblick auf die von Lippmann und Schlichte gewünschte Dekoration des derzeit toten Hertie-Schaufensters ist ebenfalls „Mayfield“ in Frankfurt zuständig. Grützmann schränkt bezüglich der Dekoration aber gleich ein: „Das ist zwar sehr hübsch, aber eine Fassadenverhüllung mit gut gemachter Werbung ist meistens sinnvoller.“ Ob dieser Vorschlag auch für Hameln vernünftig ist, vermag er jedoch nicht zu beurteilen.

Salate, Döner, Pizzastücke – noch kann man sie am „Imbiss im Hertie“ genießen. Und auch den kleinen Blumenladen gibt es noch. Alles andere im ehemaligen Hertie-Haus aber ist verwaist. Viele Hamelner fragen sich: „Was wird aus dem Gebäude?“ Foto: Wal



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