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32. Bockbier-Anstich: Beim 13. Mal ein perfekter Schlag / "Jamaika-Koalition"

Hoffmann schafft es ohne Spritzerei

Stadthagen (ssr). Die 13 kann kann offenbar auch eine Erfolgsrezept sein. Ausgerechnet bei seinem 13. und letzten Bockbier-Anstich hat Stadthagens Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Donnerstagabend um 21.11 Uhr seine allerletzte Chance genutzt, den Zapf-Spund unfallfrei ins Fass zu dreschen. Was er jahrelang nur mittels einer langatmigen, feuchten Spritzorgie zu Stande gebracht hatte, war diesmal nur ein einziger, wahrhaft perfekter Rumms. Kein einziges Tröpfchen ergoss sich vorzeitig aus dem Holzgefäß - der Bock '06 konnte wohlreguliert ins Glas fließen.

veröffentlicht am 21.10.2006 um 00:00 Uhr

Die jamaikanische Sängerin Ria Hamilton nahm bei ihrem Auftritt

"Es geschehen noch Zeichen und Wunder", stieß Hoffmann verblüfft hervor, nicht ohne hinzuzufügen: "Dabei wollte ich doch demonstrieren, dass auch alte Böcke noch spritzen können." Zeugen waren mehr als 1000 männliche Gäste, die beim 32. Bockbier-Anstich der Schaumburger-Privat-Brauerei in der Festhalle dem Geschehen fröhlich zechend beiwohnten. Brauereichef Friedrich-Wilhelm Lambrecht warf nach Ernennung Hoffmanns zum Ehrengast künftiger Bockbierfeste einen vorausschauenden Blick auf zu erwartende Anstiche von dessen Nachfolger Bernd Hellmann. "Ich bin gespannt auf Hellmanns Schlagkraft. Da erst wird sich zeigen, ob er wirklich ,der Fachmann' ist", ulkte Lambrecht in Anspielung auf den Wahlkampfslogan des Bürgermeisters in spe. Anstelle eines bisher beim Bockbier-Anstich gewohnten prominenten Gastredners aus der hohen Politik bot der Veranstalter einen fast einstündigen Auftritt des aus Funk und Fernsehen bekannten norddeutschen Possenreißers Günter Willumeit alias "Bauer Piepenbrink". Der Bad Segeberger Topp-Komödiant der Abteilung derbe Witze riss die Bockbier-Gemeinde ("Liebe Festgesoffene") immer wieder zu donnernden Lachsalven und am Ende zu tosenden Jubelstürmen hin. Von kerniger Politsatire bis zu Herrenwitzen gehobenen Niveaus und Zoten der verträglichen Spielart bot Willumeit hochgekonnt alles, was launemäßig zwischen Schlucke aus Krügen mit süffigem Bockbier passt. Zuvor hatte Lambrecht bei seiner Moderation einige Gäste speziell begrüßt. Den stärksten Beifall erhielten Ex-Brauereichef Stephan Wiksner sowie Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier, von Lambrecht als "Botschafter des Schaumburger Bieres" tituliert. Ein Lob der eigenen Brauerei ("Bier von Weltklasse") durfte nicht fehlen: Während der Fußball-WM sei es "dem weltmeisterlichen kleinen Team in unserer Brauerei" im Gegensatz zu mancher Großbrauerei gelungen, angesichts des ungeheueren Bierbedarfs gleichwohl verlässlich für Nachschub zu sorgen. Gefeiert und gezecht wurde in der Festhalle bis weit in die Nacht. Musikalisch für Stimmung sorgte die Bockbier-Combo "Dick und Durstig" unter der Leitung von Karsten Brasig. Diese Jungs begleiteten die jamaikanische Sängerin Ria Hamilton bei ihrem beschwingten Auftritt. Die Vorfreude war Bürgermeister Hoffmann anzusehen gewesen. Nach dem Anstich wurde er auf der Bühne ganz hibbelig. "Ich will keine lange Rede halten", tat er ganz gegen seine Gewohnheit kund, um hinzuzufügen: "Denn da singt ja gleich noch diese Dame aus Jamaika - vielleicht ergibt das ja eine Jamaika-Koalition oder weiß der Deubel wat." Der Letztgenannte hielt sich zwar heraus, aber die jamaikanische Sängerin erhörte den Wunsch. Während ihres Auftritts umgarnte sie Hoffmann bestens gelaunt von hinten, spielte mit seinen Amtsutensilien. Dann mochte sie den neben dem Bürgermeister platzierten CDU-Kreisvorsitzenden Burkhard Balz nicht schmachten lassen. Sie schwang sich auf seinen Schoß, bot von dort ihre von den Gästen mit viel Beifall honorierte Sangeskunst dar. Dem CDU-Mann gefiel's offensichtlich. Eine "Jamaika-Koalition" der Marke Bockbier-Laune...

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