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Rat wählt Bernd Hellmann zum Vertreter des Bürgermeisters / Der reitet Verbalattacke gegen neuen Vize

Hoffmann: "Ein Leuchtturm ist das nicht!"

Stadthagen (ssr). Der SPD-Ratsherr Bernd Hellmann (51) ist am Montagabend vom Rat der Stadt zum ersten stellvertretenden Bürgermeister gewählt worden. In einer geheimen Abstimmung erhielt er 18 Stimmen. Sieben Ratsmitglieder stimmten gegen ihn, zwei enthielten sich. Der vor zwei Wochen zum SPD-Kandidaten für die im September anstehende Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister gekürte Hellmann tritt somit für den Rest dieser Wahlperiode die Nachfolge der nach Peking verzogenen Angela Strathmann an.

veröffentlicht am 08.03.2006 um 00:00 Uhr

Bernd Hellmann

Im selbstbekundeten Empfinden, "ein altes Zirkuspferd zu sein, das die Trompeten hört und meint, wieder in die Manege zu müssen", ritt Bürgermeister Jürgen Hoffmann zuvor wütende Verbalattacken gegen Hellmann. SPD-Fraktionschef Karsten Becker nahm Hellmann in Schutz. In einer von Hoffmann beantragten geheimen Abstimmung wurde Hellmann dann mit 18:7 Stimmen zum ersten Stellvertreter Hoffmanns gewählt Anlass für dessen Angriff war die heftige Kritik, die Hellmann in seiner Bewerbungsrede auf dem Nominierungsparteitag der SPD Ende Februar an der Amtszeit Hoffmanns geübt hatte. Schon vom Grundsatz her habe er den Vorgang nicht verstanden, polterte der Bürgermeister: "Ich bin ein Auslaufmodell. Ich bin doch gar kein Feind mehr. Warum ich dann noch geprügelt werde, verstehe wer will." Es gehe wohl um "pure Stänkerei". Mit Blick auf den Bürgermeisterkandidaten der CDU, Gunter Feuerbach, fügte Hoffmann hinzu: "Kandidat Feuerbach war anders - der hat mir nach seiner Nominierung sogar ein Bier spendiert." Eigentlich habe er sich im anstehenden Bürgermeisterwahlkampf neutral verhalten wollen, fuhr Hoffmann fort: "Ich war davon ausgegangen, dass 1998 mein letzter Wahlkampf gewesen ist." Aber nun fühle er sich herausgefordert "wie ein altes Zirkuspferd". Hellmann sei "nicht für das Amt des Bürgermeisters geeignet", meinte Hoffmann. Der SPD-Kandidat sei in seiner bisherigen Laufbahn in der Kommunalverwaltung "als Fachmann nicht überwältigend aufgefallen". Hoffmann kanzelte Hellmann ab: "Ein Leuchtturm ist das nicht - vielleicht eine Taschenlampe". Die Kritik Hellmanns an der von Hoffmann durchgeführten Amtsleiter-Rotation sei "unehrlich", attackierte der Bürgermeister weiter. Denn Hellmann habe ihr damals selber zugestimmt. "Sie geraten langsam in die Gefahr zu lügen", nahm er Hellmann aufs Korn. Der SPD-Politiker lasse "soziale Intelligenz vermissen" und tue so der "exzellent aufgestellten Verwaltung unrecht". Wie bei Reden Hoffmanns im Stadthäger Rat sei Jahren üblich, regte sich im Anschluss kein Finger zur Zustimmung. CDU und Grüne übten sich in eisigem Schweigen. Erich Lockemann (SPD) merkte knapp an: "Herr Bürgermeister, es wäre weiser gewesen, sie hätten geschwiegen." Uwe-Herrmann Voigt (BfS) sagte, er könne mit Blick auf die Bürgermeisterwahl "mit Hellmann gut leben". Die eigentliche Gegenrede führte SPD-Fraktionschef Karsten Becker. Zwar müsse man "den Verbalausfall" Hoffmanns eigentlich "einfach im Grundrauschen untergehen lassen", klassifizierte Becker Ton und Inhalt der Attacke. Doch letztlich dürfe das nicht im Raum stehen bleiben. Die Kritik Hellmanns sei bekanntlich "Teil einer erfolgreichen Wahlkampfrede" gewesen, sagte Becker, der bei der damaligen Nominierung Hellmann unterlegen war. In so einem Rahmen seien kräftige Töne nicht unüblich. "Mit so etwas kann man anders umgehen", hielt Becker Hoffmann vor: "So wie Sie es hier tun, ist das völlig unangemessen." Hellmann bewahrte die Contenance und reagierte mit nur einer Anmerkung: Die Amtsleiter und Mitarbeiter der Verwaltung leisteten "sehr gute Arbeit" und hätten sein volles Vertrauen, sagte er und untermauerte damit, dass sich seine Kritik ausschließlich gegen Verwaltungschef Hoffmann gerichtet hatte. Hoffmann beantragte geheime Wahl - ein gänzlich unübliches Verfahren. Der langjährigen Tradition des Rates nach wird der Personalvorschlag jener Fraktion akzeptiert, der die Besetzung dieses Postens nach dem Mehrheitsverhältnis zusteht. Im Anschluss an seine Wahl versprach Hellmann, in Stadthagen "für ein gutes politisches Klima zu sorgen".

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