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Kleinenbremer beschweren sichüber Sprengungen der Barbara / Liste mit 31 Unterschriften

"Hört sich an, als fiele der Schornstein um"

Kleinenbremen (ly). Michael Gronau ist erschüttert. Er kennt das schon, und trotzdem fährt ihm in seinem Haus am Kleinenbremer Everdingsbrink jedes Mal der Schrecken in die Glieder, wenn die Barbara Erzbergbau GmbH in der 250 Meter entfernten Grube Bergmannsglück sprengt. "Das hört sich an, als fiele der Schornstein um", sagt Gronau. "Unsere Kinder sind mittlerweile verängstigt." Seit einem halben Jahr gehe das mit den Erschütterungen nun so. Drei- bis viermal pro Woche gebe es einen Schlag.

veröffentlicht am 21.06.2007 um 00:00 Uhr

Blick in den früheren Steinbruch Schiewe: Genervt von den Erschü

"Das ist die subjektive Wahrnehmung", erklärt Barbara-Geschäftsführer Jürgen Müller und verweist auf ein Gutachten vom Mai, in Auftrag gegeben von der Firma. "Bei den Erschütterungen erreichen wir nur zehn bis zwölf Prozent der erlaubten Werte", fasst Müller zusammen. Dass Tassen im Schrank klirrten, könne allerdings passieren. 31 Anwohner von Everdingsbrink und Saßmannsweg haben auf einer Beschwerdeliste gegen die Sprengungen unterzeichnet. Viele sind außerdem in Sorge, weil die Barbara mit einem Unternehmen als Pächter liebäugelt, das in einem Teil der Grube ebenfalls unterirdisch sprengen will (wir berichteten) und dadurch zusätzliche Erschütterungen erzeugen könnte, wie man befürchtet. Seit 2002 betreibt die Barbara im früheren Steinbruch Schiewe die Grube Bergmannsglück. Zurzeit würden laut Jürgen Müller neue Grubenteile erschlossen, was der Grund für höhere Erschütterungen und Wahrnehmungen von Lärm sei. Abgebaut wird in mehreren Scheiben. Zunächst, so der Barbara-Chef, werde horizontal gebohrt und gesprengt. Die im Anschluss vertikal gebohrten und gesprengten Scheiben würden im so genannten "Strossenabbau" gewonnen. "Wir sind wieder näher an der Wohnbebauung, wandern beim Abbau aber immer weiter davon weg", sagt Müller. "Das Thema erledigt sich also automatisch", versichert er. Streit mit den Kleinenbremern möchte das in Nammen ansässige Unternehmen dennoch nicht riskieren. "Wir wollen keine Anwohner verärgern, sondern vernünftig mit ihnen umgehen", betont der kaufmännische Geschäftsführer Olaf Lüppes. Deshalb stellt die Firma als Ergebnis einer von ihr einberufenen Versammlung ein eigenes Gerät zur Verfügung, das in etwa 14 Tagen aufgestellt werden soll, um am Everdingsbrink über einen längeren Zeitraum Erschütterungen zu messen. Erschütterungen, so Müller, könnten auch als Schall wahrgenommen werden. Bis vor Monaten habe es lediglich etwas gegrummelt, erinnert sich Otto Wieschemann, der neben Michael Gronau in einem Doppelhaus am Everdingsbrink wohnt. "Das gehört dazu, wenn man in einer Bergmannssiedlung lebt", räumt Wieschemann ein. Doch jetzt ist es ihm und anderen zu viel geworden. Eingeschaltet hat sich deshalb auch die Siedlergemeinschaft Kleinenbremen/Wülpke und namentlich deren Vorsitzender Friedhelm Wehking. In einem Brief an die Geschäftsleitung der Barbara schreibt Wehking über "massive Störungen aufgrund der Sprengarbeiten im Untertagebau" und führt genaue Zeitpunkte auf. Er kritisiert, dass sogar "erheblich nach 20 Uhr" gesprengt worden sei und beklagt neben "massiven Erschütterungen" auch die "zunehmende psychische Belastung für unsere Kinder". Darüber hinaus werfen die Siedler dem Unternehmen vor, man habe sie nicht rechtzeitig informiert. "Wir konnten das nicht ahnen", sagt Barbara-Chef Müller. "Sonst wäre ich vorher gekommen." Jedenfalls soll die Barbara nach dem Willen der Anwohner nun erstens Alternativen prüfen und zweitens mitteilen, ob Sprengungen dieser Art so nahe an Wohngebieten überhaupt zulässig seien. Dass als Vorschlag zur Güte nur noch zu bestimmten Zeiten gesprengt wird, schließt Michael Gronau aus. "Bei dem Lärmpegel", sagt er, "kommen wir auf keinen Nenner."

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