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Schon wenige Minuten können für Kinder und Tiere lebensgefährlich werden

Hitze im Auto wird oft unterschätzt

Rinteln (blc). Der Sommer ist da, bald beginnen die Sommerferien und damit die Reisezeit. Aber nicht nur auf der Fahrt in den Urlaub werden jedes Jahr wieder Kinder oder auch Haustiere im Auto zurückgelassen und damit der Gefahr eines Hitzetodes ausgesetzt. Der Gedanke, „mal eben schnell zum Einkaufen“ zu gehen und das Kind im Wagen zu lassen, „weil es gerade so fest schläft“, kann böse Folgen haben. Deshalb:

veröffentlicht am 21.06.2011 um 00:00 Uhr

Kinder und Haustiere nicht allein in einem heißen Auto lassen!

Der menschliche Körper versucht mit seiner natürlichen Wärmeregulierung, die Körpertemperatur möglichst konstant zu halten. Bei Hitze werden die Hautgefäße erweitert, damit mehr Blut zirkulieren kann. So wird Hitze in die Außenhaut transportiert. Wenn das nicht reicht, wird Wasser aus dem Blut über die Schweißdrüsen abgegeben. Die Körperwärme lässt den Schweiß auf der Haut verdunsten. Das Blut wird dabei natürlich zähflüssiger, was das Herz stärker pumpen lässt. Deshalb muss unbedingt das ausgeschwitzte Wasser wieder zugeführt werden. Kann der Schweiß nicht verdunsten, gibt es einen Hitzestau und die Körpertemperatur steigt. Ab 42 Grad Körpertemperatur sind alle Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und Herz, Kreislauf- und Atmungsorgane versagen.

Für Kinder ist die Gefahr der Überhitzung deutlich höher als für Erwachsene. Sie haben im Vergleich zum Körpervolumen eine relativ kleine Hautoberfläche, das „Verdunstungs- und Kühlsystem“ funktioniert damit noch nicht so wie bei Erwachsenen.

Bis zu einem Grad pro Minute kann sich die Temperatur im Auto aufheizen. Das ist besonders für Kinder und Tiere gefährlich, aber auch für Erwachsene kann es zu Gesundheitsproblemen führen. Bei 25 Grad Außentemperatur kann bei Sonne im Auto schnell die doppelte Gradzahl erreicht sein. Bei 35 Grad Außentemperatur kann eine Zeitspanne von 15 Minuten ausreichend sein, um unter ungünstigen Bedingungen bereits ein lebensgefährliches Innenraumklima entstehen zu lassen.

Ein leicht geöffnetes Seitenfenster reicht nicht aus, um den Backofeneffekt auszugleichen, der durch große Windschutz-und Heckscheiben noch gefördert wird.

Wird das Auto im Schatten geparkt, muss daran gedacht werden, dass die Sonne wandert und das Auto möglicherweise plötzlich in der Sonne steht.

Tipps zum Fahren bei Sommerhitze: Sonnenschutz-Systeme wie Sonnenblenden, Rollos oder Tönungsfolien benutzen. So erwärmt sich das Auto nicht so stark, wenn silberbeschichtete Matten auf die Windschutzscheibe gelegt werden.

Kindersitze mit einem Tuch abdecken. Die Oberfläche kann sich bei Sonne schnell aufheizen. Mit der Hand die Oberfläche prüfen, bevor das Kind mit bloßen Beinen in den Sitz gesetzt wird. Vor dem Einsteigen alle Fahrzeugtüren öffnen und kurz durchziehen lassen.

Ausreichend zu trinken mitführen wie Mineralwasser, Tee und Säfte. Die durch Schwitzen verbrauchte Flüssigkeit muss rechtzeitig aufgefüllt werden.

Regelmäßig Erholungspausen für den Körper einlegen. Gerade in der Mittagszeit nicht weiterfahren. Lebensmittel in einer Kühltasche transportieren.

Zwischendurch mit geöffnetem Fenster fahren, das ist am effektivsten für einen schnellen Wärmeaustausch. Danach Umluft einschalten, wenn vorhanden Klimaanlage. Die Innentemperatur sollte zur Vermeidung von Kreislaufproblemen nicht wesentlich unter der Außentemperatur liegen.

Was Haustierbesitzer beachten sollten:

Fährt ein Haustier mit, muss unbedingt ausreichend Wasser mitgeführt werden, da Haustiere nicht schwitzen können – sie brauchen Wasser, um ihre Körpertemperatur herunterzuregeln. Mineralwasser ist nicht geeignet.

Den Hundespaziergang morgens und gegen Abend erledigen. Gerade ältere Tiere können Kreislaufprobleme bekommen.

Das Tier unbedingt gut auf Veränderungen im Verhalten beobachten und schnell reagieren. Käfigtiere können der Sonneneinstrahlung noch schlechter ausweichen, sie müssen besonders beobachtet und notfalls abgedeckt werden. Auch das Wasser in Aquarien kann sich für die Bewohner lebensbedrohlich aufheizen. Rechtzeitig kaltes Wasser nachfüllen.

Erste Hilfe bei Überhitzung: An einen kühlen Ort legen, Kleidung öffnen. Mineralhaltiges Getränk geben, nicht zu kalt. Körpertemperatur durch Kältekompressen oder Eisbeutel senken. In Nacken, Leiste oder Achselhöhle legen. Wind zufächeln.



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