weather-image
Erwin Röttger (85) besitzt Bilder vom 20. Juli 1944 / Aufnahmen wurden noch nie zuvor veröffentlicht

Hitler-Attentat: Drei Fotos sorgen für Aufsehen

Bückeburg / Rastenburg (tw). Mehr als 60 Jahre nach dem Attentat auf Adolf Hitler (20. Juli 1944) sorgt ein Bückeburger mit drei "Führer"-Fotos aus dem Hauptquartier "Wolfsschanze" für Aufsehen: der frühere Wehrmachts-Leutnant Erwin Röttger (85), hiesigen Bürgern später als Leiter der Neuapostolischen Gemeinde bekannt, der er 36 Jahre vorstand.

veröffentlicht am 20.02.2009 um 15:57 Uhr

Erwin Röttger mit einem Exemplar der Bild-Zeitung: Sein Foto vom

Die kleinen und bis dahin unveröffentlichten Schwarz-weiß-Aufnahmen, von denen niemand außer Röttger wusste, dass sie existieren, sollen den Diktator wenige Stunden nach dem Attentat beim Verlassen des Lazaretts zeigen. Hitler geht die Treppe hinunter zu dem wartenden Mercedes. Krankenschwestern, Ärzte und Offiziere säumenseinen Weg, die Hand zum "Deutschen Gruß" erhoben. Die Bild-Zeitung, der Röttger die Fotos zukommen ließ, sicherte sich die Rechte an den Dokumenten, lichtete eines der Fotos ab - und berichtete. "Ich war damals Kommandeur einer kleinen Kampfgruppe, welche mithelfen sollte, die in Stalingrad eingekesselte 6. Armee zu befreien", so der Bückeburger gegenüber der Landes-Zeitung. Das Unternehmen scheiterte bekanntlich an den unzureichenden Mitteln. Beim Häuserkampf wurde Röttger von einem Explosivgeschoss am Fuß getroffen und schwer verletzt. In einem Lazarett - noch in Russland - sei ihm ein Professor Brandt, als höchster Sanitätsoffizier der Wehrmacht für die medizinische Versorgung der Truppe zuständig, begegnet. "Aus Gründen, die ich heute noch nicht kenne, wählte Brandt mich und einige andere verletzte Kameraden aus, ließ uns im Frühjahr 1944 mit einer JU-52 ins ostpreußische Rastenburg fliegen", erzählt derdamalige Wehrmachts-Leutnant. Rastenburg war Sitz des "Führer-Hauptquartiers". Im angegliederten Lazarett, "Karlshof" genannt, operierte dessen Chef Hanskarl von Hasselbach, ein weiterer Leibarzt des Diktators, den Bückeburger und setzte ihm eine Silberplatte ein. Als Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli um 12.42 Uhr die Bombe zündete, spielte Röttger mit seinen Kameraden in Zimmer 4 gerade Skat. "Von dem Attentat habe ich selbst nichts mitbekommen", sagt er. Der Karlshof habe zwar noch im äußeren Sperrkreis der "Wolfsschanze" gelegen, sei aber von der Baracke, in der Stauffenberg die Bombe zündete, zu weit entfernt gewesen. Später seien Uniformierte in das Lazarett gestürmt, hätten geschrien: "Es gab ein Attentat, der Führer kommt gleich!" Daraufhin sei das Untergeschoss des Karlshofes, in dem sich die Operationsräume befanden, für die Behandlung des Diktators komplett geräumt worden; der Bückeburger und seine Kameraden wurden vom Sanitätspersonal kurzerhand in das darüber liegende Stockwerk verlegt. Nach kaum einer Stunde habe der "Führer" dann das Lazarett wieder verlassen. "Ich konnte ihn selbst nicht sehen, wohl aber hören", erinnert sich Röttger. Der Diktator habe lautstark geflucht, dass diese "Feiglinge", womit er den Kreis der Verschwörer unter den Offizieren meinte, nicht Manns genug sein, ihm offen gegenüber zu treten. Und immer wieder habe Hitler die "Vorsehung" beschworen, die ihn das Attentat habe überleben lassen. Der Bückeburger: "Der SS-Obersturmführer Karl Schmid, der als zweiter Fahrer Hitlers zum so genannten Führerbegleitkommando gehörte, machte die besagten Fotos von der gegenüberliegenden Straßenseite aus, als Hitler gerade die Treppe des Lazaretts hinunterging." Schmid ließ sie entwickeln und schenkte sie seinem Freund und Wehrmachtskameraden. Lange habe er, Röttger, an die Bilder nicht mehr gedacht. Als er dann kürzlich in der Bild-Zeitung las, dass zeitgenössisches Material für einen Film über die "Wolfsschanze" gesucht werde, habe er sich an die Bilder erinnert und sich bei dem Blatt gemeldet. Die Zeitung, die eines der Fotos abdruckte, zitiert den Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Dr. Johannes Tuchel, mit den Worten: "Ich kenne dieses Bild nicht. Es lässt sich nicht ausschließen, dass es kurz nach dem Attentat gemacht wurde."

Das in der Bild-Zeitung abgedruckte Foto zeigt Hitler (roter Kre
  • Das in der Bild-Zeitung abgedruckte Foto zeigt Hitler (roter Kreis) am 20. Juli 1944 beim Verlassen des Lazaretts - umjubelt von Getreuen.


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt