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Stätten jüdischen Lebens in Hameln

Historischer Rundgang

Hameln. „Die Entwicklung Hamelns als Stadt und Handelszentrum an der Kreuzung zweier wichtiger Fernhandelsstraßen ohne jüdische Mitbürger ist nicht denkbar.“ Dies hat der bekannte Historiker Bernhard Gelderblom gegenüber Mitgliedern des Kreisverbandes Hameln-Pyrmont der Europa Union gesagt. Er führte die Mitglieder der Europa Union zu einigen ausgesuchten Stätten jüdischen Lebens in der Stadt und schilderte am Beispiel einzelner Familien ihr Schicksal bis zur Zeit des Nationalsozialismus.

veröffentlicht am 12.06.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 15.11.2016 um 08:39 Uhr

Zu Beginn des Jahres 1933 zählte die jüdische Gemeinde der Stadt Hameln 160 Mitglieder, bei einer Gesamtbevölkerung von 25 000 Einwohnern. Der Rundgang begann am Kriegerdenkmal hinter der Münsterkirche. Dort werden auch jüdische Bürger geehrt, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren. Gelderblom informierte über das städtische Leben vom 13. Jahrhundert bis zur Neuzeit und machte deutlich, wie sich Zeiten des friedlichen Miteinanders mit Zeiten der Verfolgung von Juden abwechselten. Nächste Station war das Denkmal zu Ehren Senior Schlägers (heute vergleichbar mit einem Superintendenten), der sich um die Stadt sehr verdient gemacht habe, sich jedoch auch mit Nachdruck für die Christianisierung jüdischer Bürger eingesetzt habe.

Am Beispiel der beiden jüdischen Kaufleute Bernstein und Friedheim zeigte der Historiker auf, wie fortschrittlich gedacht und gehandelt wurde. Karl Bernstein eröffnete das erste Manufakturwarengeschäft und Karl Friedheim das erste zweigeschossige Warenhaus der Stadt. Das Haus des Viehhändlers Karl Katz wurde, nach dessen Enteignung bereits 1939, zu einem von zwei „Judenhäusern“ bestimmt. In ihnen wurden die noch in der Stadt lebenden Juden „kaserniert“. Kein überlebender jüdischer Bürger, der in dieser Zeit aus Hameln wegzog, war bereit, nach dem Krieg zurückzukehren. Während des über zwei Stunden währenden Rundganges erfuhren die Teilnehmer nicht nur Neues und sehr Interessantes, sondern auch viel Erschütterndes. Deutlich wurde auch, dass Hamelns jüdische Kaufleute vor vielen Jahrhunderten europäisch dachten und handelten.



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