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"Feggendorfer Stolln": Arbeitsgruppe Bergbau erreicht Grundstrecke / Rundweg für Besucher geplant

Historischer Moment: Durchbruch im Deister

Feggendorf (nah). Die Arbeitsgruppe Bergbau des Lauenauer Heimat- und Museumsvereins hat ein wichtiges Etappenziel erreicht: Der Durchbruch zur so genannten Grundstrecke ist geschafft. 50 Jahre nach dem Ende des industriellen Kohleabbaus im Deister hat damit zum ersten Mal wieder ein Menschenfuß die ehemalige Hauptverbindung betreten. Florian Garbe und Alexander Lehr erlebten den historischen Moment. Im Nu wurde die restliche Mannschaft per Telefon informiert.

veröffentlicht am 02.01.2008 um 00:00 Uhr

Der Durchbruch ist geschafft: Alexander Lehr wirft als Erster ei

Noch immer sind die ehrenamtlichen Helfer voller Freudeüber das Erreichte. Vor fast fünf Jahren haben sie damit begonnen, die oberhalb des Ortes im Wald befindliche Kleinzeche zu restaurieren. Seit zwei Jahren sind sie dabei, einen neuen Stollen durch den Fels zu treiben, da der alte Gang durch zahlreiche Einbrüche unpassierbar geworden ist. Die so genannte Umbruchstrecke ist 76 Meter lang. Aus ihr wurden in genau 26 Monaten rund 1000 Tonnen Gestein in Handarbeit abgebaut und zu Tage befördert. Wie Betriebsleiter Florian Garbe mitteilte, hatten die Helfer schon Ende Oktober starke Veränderungen beim Vortrieb bemerkt: "Der Felsen hörte sich zunehmend hohl an." Exakt am 4. November brach dann kurz vor dem Schichtende der Abbauhammer zur Grundstrecke durch. Doch zunächst war nur der Blick durch ein kleines Loch im Gestein möglich. Es sollte noch einige Zeit dauern, bis der Durchhieb so weit vergrößert wurde, dass die Mannschaft zunächst auf dem Bauch in die alte Grundstrecke kriechen konnte. "Dort sahen wir noch die alten Gleise und einige verfaulte Holzstempel", berichtete Garbe. Sofort nach dem Durchbruch habe ein starker Luftzug eingesetzt. Das war für die Bergleute ein wichtiges Signal: "Die Grube muss noch größtenteils intakt sein." In weiteren Arbeitseinsätzen wurde inzwischen das Gebirge abgestützt. Dicke Felsbrocken lagen auf der Grundstrecke. Für einige tragen wohl die Feggendorfer Helfer selber die Schuld, denn ihr Streckenvortrieb hat das Gestein vibrieren lassen. So sind noch etliche Aufräumungsarbeiten fällig. Aber der Bereich des Durchbruchs wurde bereits erweitert. Sogar ein Förderwagen kann jetzt schon bis in die Grundstrecke rollen. Nun wird eine Weiche eingebaut, um von der in der Bergmannssprache "Flügelort" genannten Streckenkreuzung die Loren in den nordwestlichen und den südöstlichen Teil des kilometerlangen Ganges fahren zu können. Wenn die Grundstrecke vom losen Gestein befreit ist, rückt für die Helfer das erklärte Ziel ein ganzes Stück näher: Sie möchten späteren Besuchern gewissermaßen einen Rundweg bieten, so dass die Führungen an einer der beiden bereits vorhandenen Wetterröschen enden könnten. Noch aber müssen sich neugierige Zivilisten eine ganze Weile gedulden. Nach Abschluss der Sicherungsarbeiten erwartet die Arbeitsgruppe Vertreter der zuständigen Bergbehörde. Nur sie darf die Besichtigungen erlauben. Garbe ist zuversichtlich, alle Voraussetzungen bis zum Start der neuen Saison erfüllen zu können. Vielleicht betreten schon am 6. April die erstenmutigen Besucher die neu erschlossene Grundstrecke.

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