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Sonderschau im Landesmuseum eröffnet / Geschäft auf Gegenseitigkeit / Reibach und Reputation

Hintergründe aus dem Kreis der Hoflieferanten

Bückeburg (bus). Eine Sonderausstellung im Landesmuseum erhellt derzeit Hintergründe aus dem Hoflieferantentum des Hauses Schaumburg-Lippe. Die von Jürgen Schneider unter Mitarbeit von Dr. Hubert Höing und Dr. Wolfgang Vonscheidt zusammengestellte Schau vermittelt sehr detaillierte Einblicke in diese Spezialabteilung der Lieferanten und Dienstleister, der anno 1918 78 Bückeburger angehörten. Im übrigen Schaumburg-Lippe durften sich 32 Personen mit dem Titel schmücken, weltweit hatten weitere 274 Antragsteller das Ernennungsprocedere erfolgreich überstanden.

veröffentlicht am 16.10.2007 um 00:00 Uhr

Jürgen Schneider (v.l.), Dr. Wolfgang Vonscheidt (Vorsitzender d

Um ihrer Firma oder ihrem Geschäft einen besonderen Ruf zu vermitteln, bemühten sich viele Inhaber, mit dem Fürstenhof in Verbindung gebracht zu werden. Sie erhofften sich durch den Erwerb des Hofprädikats die Vergrößerung ihres Kundenkreises und eine erhebliche Steigerung des Einkommens. Mit dem Erwerb war zudem der Ansporn verbunden, eine hohe Qualität der Produkte und Angebote zu garantieren. Der Auszeichnung ging ein bürokratisch hochpenibles Verfahren voraus. Grundvoraussetzungen für die Verleihung waren eine mindestens sechs Jahre währende Geschäftstätigkeit, die Vollendung des 30. Lebensjahres und der Nachweis, Angehörige der fürstlichen Familie bedient oder den Hof zufriedenstellend beliefert zu haben. Die Bearbeitung der Gesuche erfolgte im Hofmarschallamt, das Erkundigungen bei Polizei und Behörden einzog, Vermögens-, Kredit- und Familienverhältnisse überprüfte sowie die Makellosigkeit des Leumundes und eine unzweifelhafte "fürstliche" Gesinnung einforderte. Trotz einer üppigen Stempelgebühr von 100 Mark reichte die Schlange der Bittsteller von Nizza und Prag über Wien und Budapest bis Brüssel und London. Die Verleihung war sozusagen ein Handel auf Gegenseitigkeit. Auf der Lieferantenseite schlugen Reputation und Reibach zu Buche, das adelige Gegenüber sicherte sich durch dieses System die Unterstützung bürgerlicher Handels-, Dienstleistungs- und Industriebetriebe. Die Sonderausstellung widmet sich besonders intensiv den Prädikatsträgern Otto Bornemann (Hofschmiedemeister), Friedrich Struckmann (Hof-Hutmacher), Wilhelm Limbach (Hoflieferant aus Bonn), Carl Faudt (Hofbäckermeister) und Ferdinand Knigge (Hoffriseur). Das umfangreich dokumentierte Beispiel Knigge verdeutlicht unter dem Motto "Der lange Weg zum Titel"Hindernisse und Hürden im Antragsdickicht. Der Friseurmeister - "komm' Se durch, ich rasier' Ihnen hinten" - galt in der Stadt längst als gemachter Mann. Der Gesuchseinstieg geriet ihm ganz passabel: "Euer Hochfürstlichen Durchlaucht wagt es der untertänigst Unterzeichnete vertrauend auf die Gnade und große Güte Euer Hochfürstlichen Durchlaucht die nachstehende Bitte untertänigst zu unterbreiten." Und auch die folgenden Formulierungen - "... verharrt in höchster Ehrerbietung ..." - flossen ihm recht flott aus der Feder. Dennoch kam Knigge erst im Februar 1914 zum Zuge, vier Jahre, nachdem der erste Antrag wegen einiger Unzulänglichkeiten vom Hofmarschall abschlägig beschieden worden war. Die Zusammenstellung umfasst die Zeit von 1866 bis 1918. Mit der Abdankung von Fürst Adolf II. erlosch am 15. November 1918, als die Übernahme der Regierung des Bundesstaates Schaumburg-Lippe durch den Arbeiter- und Soldatenrat zu Bückeburg erfolgte, hierzulande die Adelsherrschaft. Das Landesmuseum ist im Oktober dienstags bis freitags von 11 bis 15 Uhr sowie sonnabends, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Im November lauten die Öffnungszeiten freitags von 14 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Gruppen-Führungen können telefonisch unter der Rufnummer (0 57 22) 48 68 vereinbart werden.

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