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DRK-Wache: Am Heiligen Abend läuft der Dienst professionell wie immer / Zuspruch geben

Hilfe hat Vorfahrt - Gänsebrust muss warten

Stadthagen (sk). In der DRK-Rettungswache am Krankenhaus haben fünf Rettungsassistenten am Heiligen Abend ihren Dienst versehen, der etliche Einsätze forderte. Ein gemeinsames Essen betonte den besonderen Tag, schaffte familiäre Atmosphäre in der Wache.

veröffentlicht am 27.12.2007 um 00:00 Uhr

Transport am Heiligen Abend: Wilfried Battermann und Bernd Harme

Gänsebrust mit Rotkohl, Klößen und Sauce ("Ohne Sauce brauchen wir gar nicht erst anzufangen") hat Wilfried Battermann am Herd zubereitet. Doch die "Familie" saß am Heiligen Abend nicht pünktlich wie geplant um 18 Uhr am Tisch; es handelte sich zudem nicht um den heimischen Tisch. Die Familie, das waren außer Rettungsassistent Battermann (40) dessen vier Kollegen Bernd Harmening (48), Otto Seidel (48), Friedrich-Wilhelm Brandt (22) und Thorsten Gümmer (36). Die Fünf versahen am 24. Dezember ihren Dienst in der DRK-Wache des Deutschen Roten Kreuzes am Krankenhaus. Die neue geräumige Wache mit Funkraum, Schlaf- und Sozialräumen, mit Zimmer für den Notarzt, mit Aufenthaltsraum und Küche wurde vor sieben Jahren an der Straße "Am Krankenhaus" erbaut. Von hier starten die Rettungswagen (RTW) und das Notarzteinsatzfahrzeug, wenn die Leitstelle "Einsatz" meldet oder Krankentransporte notwendig sind. Am Heiligen Abend fuhren Harmening und seine Kollegen allein bis 21 Uhr - so lange musste die Gänsebrust-Mahlzeit warten - 13 Mal "raus". Geplante Transporte aber auch "Schlaganfall" und "gestürzte Person" hießen die Einsatzgründe. Dienst am Heiligen Abend - darum hat sich keiner der fünf beruflichen Helfer gerissen; gemault hat aber auch keiner. Im Gegenteil: Im Einsatz erlebten die Menschen, denen die Männer zu Hilfe kamen, freundliche, ruhige und versierte Hilfe und Ansprache. "Wir versuchen, es den Patienten leicht zu machen", so Bernd Harmening. Vertrauen zu gewinnen, in Kontakt zu kommen, sei wichtig. Brandt steuerte ein medizinisches Bild bei: "Der Zugang muss passen." Eine 85-jährige Frau brachten Battermann und Harmening um 21.47 Uhr vom Stadthäger Krankenhaus zurück in eine Altenheim nach Bad Nenndorf. "Jetzt geht's am Heiligen Abend doch noch nach Haus", ermunterterte Battermann die Patientin. Ruhig lag die Frau auf der Trage im RTW. Zu einer scherzhaften Antwort konnte sie sich nicht aufraffen. "Hab' kein Zuhause mehr", erwiderte sie indes aufgeräumt und ohne Mitleid erheischen zu wollen. Zuspruch können Battermann und seine Kollegen in der kurzen Begegnungssituation zwischen Helfer und Patient geben, eine Lebenssituation auffangen nicht. Finden Rettungsassistenten in ihrer Familie immer Verständnis für Dienst an Feiertagen? Seine Frau sei das gewohnt, erzählt Harmening, der seinen Beruf seit 25 Jahren ausübt. Nächstes Jahr allerdings will er Heiligabend unbedingt zu Hause sein. In wenigen Tagen erwarte er die Geburt seines ersten Enkelkindes - und bei dessen erstem Weihnachtsfest will er nicht fehlen.

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