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DRK-Generationenchor erhält Fördergelder der Aktion Mensch / Aus dem Chor ist eine Gemeinschaft geworden

Hier wird die Inklusion mit Spaß an Musik vorgelebt

Hameln. Alle sprechen von Inklusion – hier wird sie längst gelebt. Im DRK-Generationenchor finden sich kleine und große Sänger von zwei bis über 80 Jahren, mit verschiedenen Hautfarben und aus allen sozialen Schichten. Kinder mit Sprachstörungen, Entwicklungsverzögerungen oder anderen Handicaps sind dabei und erleben gemeinsam, dass Musik viel Spaß macht. Nun erhält der erfolgreiche Chor Fördergelder der Aktion Mensch in Höhe von 4000 Euro.

veröffentlicht am 06.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 01:41 Uhr

„Angefangen hat es vor acht Jahren mit der Aktion Mensch und nun geht es mit deren Hilfe weiter“, freuen sich Martina Büdow und Helmut Schrade, Begründer und Leiter des DRK-Generationenchors in Emmerthal. Sogar ein kurzer Fernsehbericht soll im Dezember im Rahmen dieser Förderung entstehen. Für das damalige Projekt erhielten sie den Zuschlag für „so ’nen Chor mit Senioren und Kindergartenkindern“. „Wir wollten erst mal ein Jahr machen und gucken, wie es läuft und jetzt sind wir schon acht Jahre dabei“, schwärmt Martina Büdow, die hauptberuflich in der DRK-Kindertagesstätte Neue Straße in Emmerthal arbeitet. Einmal in der Woche am Dienstagnachmittag leitet sie für eineinhalb Stunden gemeinsam mit Helmut Schrade, einem freiberuflichen Musikpädagogen, den DRK-Generationenchor, der sich komplett über Spendengelder finanziert. Die Teilnahme ist kostenlos.

„In unserem Projekt geht es nicht darum, Lernziele umzusetzen und besondere Ergebnisse zu erzielen“, erklärt Schrade. „Die Kinder sollen Spaß an der Musik haben und sich auf diesem Weg für Musik interessieren.“ „Bei uns machen Kinder mit, die in anderen Gemeinschaften nicht zurechtkommen. Hier fühlen sie sich wohl und blühen auf, oft zum Erstaunen und zur Erleichterung ihrer Eltern“, erzählt Büdow stolz. Belohnt wurde ihre Arbeit schon mit mehreren Förderpreisen, unter anderem vom Kuratorium zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen im Landkreis Hameln-Pyrmont e. V.

Gestartet wurde das Projekt im Jahr 2004 mit zehn Senioren und 15 Kindern. Der harte Kern sei immer noch dabei, und mittlerweile haben sich Freundschaften entwickelt. Auch privat wird mal etwas unternommen. Aktuell besteht diese Gemeinschaft aus 25 Kindern und 17 Erwachsenen. Die Hälfte der Kinder hat einen Migrationshintergrund. Das jüngste Mitglied ist Ole mit zwei Jahren und ältester Sänger ist mit 81 Jahren Werner Siepmann, der vor einem Dreivierteljahr als „alter Ruhrpottler“ in die Nähe seines Sohnes gezogen ist. „Werner fährt zu jeder Probe aus Hameln mit dem Bus nach Emmerthal“, erzählt Büdow. Auf die Frage, ob ihm das Singen im Generationenchor Spaß mache, antwortet er: „Aber hallo, das macht sehr großen Spaß. Vor allem ist es schön zu sehen, wie sich die Kinder mit und durch das Singen entwickeln und verändern.“ Sein schönstes Erlebnis im Chor hatte er, als ihn ein Kind in den Arm nahm. „Da weiß man, dass man hier richtig ist“, schmunzelt der Senior.

Das Besondere dieses Chores ist auch während der Proben zu spüren: Da wird erzählt, gelacht und gespielt. Mancher älterer Teilnehmer hat einen „Enkel“ gefunden und einige der Kinder eine „neue Oma oder einen neuen Opa“. Fangen sie an zu singen, sind alle bei der Sache.

„Mit mindestens zehn Auftritten im Jahr sind wir gut ausgebucht. Sogar in Hannover durften wir schon singen“, berichtet Schrade.

Ein großes Lob sprechen beide Chorleiter den Eltern aus. „Wir haben hier ganz tolle Eltern. Ohne die hätten wir ein logistisches Problem“, so Büdow. Darum soll als Dankeschön für die erfolgreiche Zusammenarbeit und Unterstützung im Januar ein großes Chorfest für alle Mitwirkenden stattfinden. „Wir sind etwas Besonderes, denn aus einem Chor ist eine Gemeinschaft, ein Mit- und Füreinander geworden“, ergänzt die Erzieherin abschließend.

Der Chor bei einem Auftritt.



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