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Karl-Ludwig Gellermann (42) ist Landwirt aus Leidenschaft

"Hier sind meine Wurzeln, hier wächst das Korn, das ich gesät habe"

Altenhagen. Seit fünf Generationen bewirtschaftet die Familie von Karl-Ludwig Gellermann (42) einen klassischen Bauernhof im Dörfchen Altenhagen, und wo viele Landwirte längst mutlos sind angesichts schwieriger Überlebensbedingungen, sagt der Altenhäger: "Dieser Hof und diese Wirtschaft sind meine Lebensaufgabe!"

veröffentlicht am 09.10.2006 um 00:00 Uhr

Karl-Ludwig Gellermann. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

48 Milchkühe stehen im Stall eines uralten imposanten Niedersachsen-Fachwerkhauses, das früher, wie es üblich war, zugleich auch den Gellermanns als Wohnhaus diente. Das besondere Mischfutter für die Kühe, das zum größten Teil aus eigenem Anbau stammt, liegt schon ausgebreitet bereit, während es sich die Tiere im Schatten der Bäume auf der kleinen Auslaufweide gemütlich machen. "Ach, diese alten Gebäude sehen vielleicht schön aus", meint Karl-Ludwig Gellermann. "Aber Nostalgie ernährt nicht. Im Grunde sind sie eine Strafe, weil sie sich nicht perfekt für die moderne Viehhaltung einrichten lassen." Gerne würde er sich einen modernen hellen Stall bauen, sobald es möglich ist, auch wenn das die Gesamtharmonie des Hofes durcheinander bringen würde. "Schließlich will ich, dass es auch in Zukunft hier weitergehen kann. Meine zwei Kinder, die wollen natürlich auch Landwirte werden." Da die Milchpreise nicht gut sind und eine Steigerung der Milchquote wegen der damit verbundenen Ausgaben nur langsam vorangeht, lässt er sich immer wieder neue Dinge einfallen, um die Einkünfte der Wirtschaft zu verbessern. So war er zum Beispiel der erste im Landkreis, der die inzwischen ringsum so beliebten Blumenfelder anlegte, wo Vorbeifahrende, von der bunten Pracht angelockt, anhalten und sich gegen ein Entgelt einenStrauß zusammenstellen können. Er pflanzt auch regelmäßig ein Maislabyrinth in Rehren an. "Das darf nicht zu einfach sein, aber auch auf keinen Fall zu schwer", sagt er. "Sonst verlieren die Leute schnell die Lust und trampeln sich einfach Querpfade hinein." Im Dezember verkauft er Weihnachtsbäume, und um sich dabei die Wartezeit zu vertreiben, begann er vor vier Jahren mit seiner Holzschnitzerei, die ihn richtig ein bisschen bekannt gemacht hat. Wirklich sind seine Holzfiguren etwas Besonderes. Zu Anfang waren es einfache Pilze, große und kleine, die er mit der Motorsäge aus Erlenholz heraussägte, wobei seine kleinen Söhne fleißig mithalfen, indem sie die Pilze abwuschen, so dass sie ihre schöne, rötliche Farbe erhalten. Die Idee kam ihm auf einer Ausstellung, wo solche Holzpilze der Renner waren, und tatsächlich bleiben sie weiterhin ein sehr beliebtes Verkaufsobjekt. Auch hölzerne Weihnachtssterne kommen gut an. Dass er aberüber echten Witz verfügt, zeigen die Figuren, die ihm nach und nach einfielen, stilisierte Wildschweine und Elche, und dann vor allem die Eulen mit Schraubenaugen, lustig abstehen Eulenohren und angelegten Flügeln, verschmitzt lächelnde Waldwesen, die längst so manchen Garten in der Umgebung zieren und auf dem Ökomarkt die Kinder an seinen Stand lockten. Jetzt, im so sonnenfreundlichen Herbst, sieht der Hof sehr idyllisch aus, wie er abseits der Landstraße liegt, umgeben von Obstwiesen und der Kuhweide, fern von Nachbarn, was dem Landwirt gerade recht ist. "Ich liebe das alles hier", sagt er aus vollem Herzen. "Müsste ich zur Arbeit nach Hannover fahren, das wäre nichts für mich. Hier bin ich mit meiner Familie zusammen, hier sind meine Wurzeln, hier wächst das Korn, das ich gesät habe, für das ich verantwortlich bin." Manchmal macht er mit seiner Frau Ulrike und den Kindern auch Urlaub an der Nordsee, allerdings eher ungern, wie er zugibt. "Ich brauche das eigentlich gar nicht. Früher bin ich spätestens am dritten Tag unruhig geworden." Immerhin hat er sich auch da weiterentwickelt. Er hält es nämlich schon fünf Tage aus, bevor er sich wieder zurücksehnt, um an der großen Lebensaufgabe weiter zu arbeiten.

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