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Stift Obernkirchen: Zwei Mal in der Woche gibt es eine Führung

"Hier könnte ich leben - aber was machen wir mit unseren Männern?

Obernkirchen. "Für dieses Stift mit seinen Angeboten sollte viel mehr Werbung gemacht werden", ist sich Inge Laschtowitz nach einer Führung durch das Stift Obernkirchen sicher: "Ich bin extra mit meinem Mann aus Springe angereist. Da unsere Kinder mit dem Jugendchor Springe Konzerte in solchen Anlagen geben, haben wir gezielt im Internet gesucht, sonst hätten wir von den Schätzen hier und der wunderschönen romantischen Anlage nichts erfahren."

veröffentlicht am 23.08.2006 um 00:00 Uhr

Gerade der Kreuzgang hat zuweilen eine besonders schöne Atmosphä

Autor:

Martina Florenz

Immer mittwochs und sonnabends werden um 15.30 Uhr Führungen angeboten. Das Besondere: Die Besichtigung führt auch in Räume, die normalerweise Besucher nicht betreten dürfen. Auch Christine Vogt hat aus dem Internet vom Obernkirchener Stift erfahren: "Mein Mann und ich machen gerne Klöster- und Schlössertouren. Die Anfahrt hat sich gelohnt." In anschaulicher Weise, mit viel Wissen und Humor führte Elisabeth Drinkuth die Gruppe von acht Interessierten durch die Gemäuer und den wunderbar angelegten Stiftsgarten, der in den schönsten Ecken mit zum Teil windgeschützten Bänken zum Genießen der Natur einlädt. "Wir Stiftsdamen sind hauptsächlich die Gärtner, das hält jung", erklärte Elisabeth Drinkuth: "Nur die großen Steine, die wieder zur Mauer aufgebaut werden müssen, die hier einsturzgefährdet war, können wir nicht selbst schleppen." Das Stift Obernkirchen wurde schon 1167 als Augustiner-Chorfrauenstift vom Mindener Bischof Werner gegründet und hat demzufolge eine lange Geschichte aufzuweisen. Obwohl durch eine "stiefväterliche Geschichtsschreibung" - wie es in dem ausführlichen Begleitbuch zum Stift heißt - im Mittelalter die Kultur und die Bildung der Frauen ganz gering gewesen sei, so erfährt der Besucher, dass die Töchter des umliegenden Adels hier unterrichtet wurden und die Beherrschung von Latein für die Aufnahme Pflicht war. Heute ist das Stift unter evangelischer Regie, wobei auch für Katholiken Plätze vorhanden sind. Der Bewunderer romanischer und gotischer Baustile kommt hier auf seine Kosten, und der Kunstliebhaber - vor allem mittelalterlicher Kunst - auch. Selbst aus der Romanik ist noch ein Kruzifix erhalten. Von den vielen alten Schätzen ist auch das Hochaltar-Retabel mit dem Passionszyklus aus dem 16. Jahrhundert bewundernswert. "Die Unterbringung der Stiftsdamen hat sich jedoch sehr verändert, wir schlafen nicht mehr wie im Mittelalter in einem großen Schlafraum, sondern haben angemessene Wohnungen", lacht Elisabeth Drinkuth: "Viele Frauen sagen bei der Führung: Hier könnte ich mir ein schönes Leben vorstellen, aber was machen wir dann mit unseren Männern?"

Auch der Stiftsinnenhof wird besichtigt.
  • Auch der Stiftsinnenhof wird besichtigt.
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