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Hier ist das Wasser

Wenn der Sommer naht, fahren die Menschen ans Meer. Und wo, wenn nicht auf den ostfriesischen Inseln, erleben sie mehr Meer? Die Dewezet-Serie „Sommerträume auf den ostfriesischen Inseln“ ist eine siebenteilige Liebeserklärung – heute an Baltrum, die kleinste von allen.

veröffentlicht am 14.07.2012 um 02:04 Uhr

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Von Jean Le Grand

Baltrum. Jelissa Morris erinnert sich gerne an Baltrum. „Es war schön. Ich war dort als Neunjährige zur Mutter-Kind-Kur mit meiner Mom. Vielleicht fahre ich mal wieder hin“, sagt die 17-Jährige. Nicht sofort möglicherweise, weil Baltrum eher weniger dafür bekannt ist, jungen Menschen eine Partymeile bieten zu können, aber vielleicht in ein paar Jahren. „Könnte ich mir gut vorstellen. Ist doch schön, so eine kleine Insel“, sagt die Hamelner Schülerin.

Kleine Insel – da hat Jelissa Morris recht. Baltrum ist sogar die kleinste der sieben bewohnten ostfriesischen Inseln. Maximale Länge: knapp fünf Kilometerchen. Breiteste Stelle: 1500 Meter. Einwohner: 475. Ein Dorf, mehr nicht. Aber ein besonderes, eines, das im Weltkulturerbe Wattenmeer liegt und über einen schönen Strand verfügt, der zum Baden und Sonnenbaden einlädt, zum Kiten und Surfen, zum Sandburgen- und Luftschlösserbauen. Rund 30 000 Urlauber halten hier pro Jahr die Nase gegen den Wind. Zum Vergleich: Das Nachbareiland Norderney begrüßt jedes Jahr rund 1,5 Millionen Gäste, die per Schiff und Flieger anrücken. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied.

Die Baltrumer bezeichnen ihre Insel gerne als Dornröschen der Nordsee. Nett gemeint, aber das Wachküssen hat doch längst stattgefunden. 1876 wurde Baltrum Seebad und 90 Jahre später als Nordseeheilbad anerkannt. Mit Wattwanderungen, Thalasso-Anwendungen und „KUrlaub“ wissen die Bäderexperten der Insel ihre Gäste zu überzeugen. Und es ist gerade einmal drei Jahre her, als die Bauarbeiten an der neuen Strandmauer im Jahre 2009 abgeschlossen wurden. Das Flanieren auf der kleinen Promenade verkommt hier wenigstens nicht zum blasierten Schaulaufen. Alles easy und so natürlich auf Baltrum.

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  • Klare Fluten für die ganze Familie: das SindBad
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  • Klare Sicht bis zu den Nachbarn und zum Horizont: Der Strand auf Baltrum gehört zu den schönsten Ostfrieslands. Fotos: Baltrum
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Currywurst mit Pommes gibt es hier auch. Das wäre eigentlich nicht die Zeile wert, aber hier hat es das kalorienreiche Essen bis zum Schauspiel geschafft. Die Theatergruppe der Baltrumer Inselbühne feierte mit dem Stück „Currywurst und Pommes“ Anfang Juni Premiere und führt es für die Touristen in diesem Jahr mehrmals auf. Ohne Majo übrigens, aber mit ordentlich Zunder. Dass es sich um eine Komödie handelt, ist bei den sonnigen Gemütern dieses Nordseeinselchens sonnenklar.

Es gibt so viele kleine Dinge, die Baltrum liebens- und lebenswert machen. Wer seinen Blick darauf schärfen will (vielleicht ja auch mit Fernglas), tut dies am besten von der neu geschaffenen Aussichtsplattform hoch oben auf der Kapdüne. Von dort spürt man die Kraft, die von Baltrum ausgeht, wenn sich die Insel so hübsch geschwungen vor seinem Betrachter ausbreitet. Und später, im Museum „Altes Zollhaus“, taucht man in die Fluten der Geschichte, bevor es zurück an den Strand geht. Ach, einfach herrlich entspannend.

Zeit. Endlos viel Zeit. Mitten auf dem Dorfplatz nur Ruhe, frische Luft, Fußgänger, Fahrräder, Pferdekutschen, spielende Kinder. Und das Meer ist immer ganz nah. „Es ist herrlich. Ich bin schon das vierte Mal mit meinem Mann hier“, sagt Ursula Beier aus Duderstadt. „Das fünfte Mal“, korrigiert er sie lachend, und beide ziehen weiter. Dorthin, wo es jeden hinzieht, der auf Baltrum die Sommerfrische genießt: zum Strand. Einfach mal nichts tun und den Möwen beim Segeln zuschauen, das lieben die Beiers. Abends geht’s dann in eine der wenigen urigen Kneipen auf der Insel, wo man mit der Tatsache, die kleinste von allen urbar gemachten ostfriesischen Inseln zu sein, leicht und locker umgeht. „Deswegen heißen wir ja Baltrum – es ist so klein, dass man bei einem Spaziergang bald rum is’“, sagt ein älterer Herr, um die 70, und lacht. Nein, seinen Namen wolle er nicht nennen, aber den Spruch dürfe man ruhig abdrucken. Gesagt. Getan.

Hier ist das Wasser

Sommerträume auf den ostfriesischen Inseln (4): Baltrum



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