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Autor Andreas Speit fordert bei Vortrag auf: In Kommunen nach dem "Rechten" sehen

"Heute in Nadelstreifen, morgen mit Knüppel"

Bad Nenndorf (tes). Von der Altherrenpartei zum Hoffnungsträger der rechten Szene: Auf Einladung der Initiative "Bad Nenndorf ist bunt" (BNib) hat Autor und Journalist Andreas Speit als Kenner der rechten Szene in der Schlaffhorst-Andersen-Schule vom Strategiewechsel der NPD berichtet. Glatze, Bomberjacke, Springerstiefel und Großaufmärsche waren gestern. Angesagt sind kommunale Verankerung und Kundgebungen von bis zu 200 Teilnehmern mit dauerhafter Kontinuität - wie in Bad Nenndorf. Im Namen der Friedrich Ebert Stiftung bedankte sich Franziska Schröter bei Moderator Udo Husmann für das demokratische Engagement vor Ort.

veröffentlicht am 03.06.2008 um 00:00 Uhr

"Neonazis in Nadelstreifen" - das Buch hat Andreas Speit vorgest

Sie wissen, was sie tun, wie sie ihre Botschaften strafrechtlich nicht relevant verpacken und engagieren sich in Kirchenvorständen, Gemeinderäten und Sportvereinen: Die Führungskräfte der "jüngsten" Partei Deutschlands, der NPD. Speit blickt in seinem neuesten Buch "Neonazis im Nadelstreifen", das er gemeinsam mit Andrea Röpke herausgegeben hat, hinter die Kulissen der rechtsextremen Parteistrategen. Die 7200 Mitglieder starke Partei erlebt einen politischen Strategiewechsel, die NPD versucht, sich ein neues Image zu geben: Sie greift sozialeÄngste und regionale Probleme auf. "Die NPD will die Menschen da abholen, wo sie sind", erklärte Speit. So sei es Teil einer "Verbügerlichungsstrategie", lokale Themen zu besetzen - wie Müllverbrennungsanlagen oder Kindergärten. Dabei stützt sich die NPD auf ein bundesweites Netzwerk von Kameradschaften, Wirtschaftsunternehmen, Stiftungen und Organisationen, die oftmals als scheinbar harmlose Bürgerinitiativen agieren. Anhand von Folien und Musikbeispielen erklärte der Autor, wie diese den vermeintlichen Willen des Volkes aufgreifen. Nach dem Motto: "Wir sprechen aus, was alle denken." Den Vorsitzenden der Schaumburger SPD, Karsten Becker, erschreckten Erhebungen, wonach 60 Prozent der Befragten Hartz-IV- Empfängern deren Armut zum Vorwurf machen. Intellektuelle Rechtsextremisten greifen diese stetig steigenden rechten Ressentiments der "Mitte" auf - und stoßen, laut Speit, bei Bürgern mit Ängsten vorm sozialen Abstieg auf offene Ohren. "Zu einem "Stammtisch" erscheinen 140 Leute", so Speit. In Sommerlagern der HDJ (Heimattreue Deutsche Jugend) werden die eigenen Kinder zum Gehorsam gedrillt. Derzeit arbeiten die Kameradschaften daran, junge Frauen weiter in die Politik zu integrieren. Als "Türöffnerin" gilt die zweifache Mutter Ricarda Riefling, die jahrelang in der Leitung der Schwimmsparte des TSV Coppengrave (Hildesheim) aktiv war und in Bad Nenndorf eine Hetzrede hielt. "Na, erkannt?" fragte Speit und präsentierte weitere Bilder von ungebetenen Gästen der vergangenen Jahre sowie Udo Pastörs, NPD-Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern, der sich für den 2. August ebenfalls als Redner angesagt hat. "Heute in Nadelstreifen, morgen mit dem Knüppel", kommentierte Jürgen Uebel. Den "Tag der Arbeit" wollte die NPD zum Höhepunkt ihrer vermeintlich sozialpolitischen Kampagne machen. Das Ergebnis waren Krawalle. Ganz vorne mit dabei: Der Schlägertrupp von der Nationalen Offensive Schaumburg (NOS). Diese beherrschten die NPD-Strategie offenbar nicht, berichtete der Journalist, wie eine Führungskraft der NOS in Hamburg aktiv zugeschlagen habe. "Man fragt sich, warum die nicht längst im Gefängnis sind und Bewährung auf Bewährung folgt." Vom Verbleib dieser Multiplikatoren hängt laut Speit auch die Zukunft der Aktionen in Bad Nenndorf ab. Zur Frage nach dem Stellenwert der "Trauermärsche" in der Kurstadt sagte der Autor, diese dienten Neonazis als Initiationsritus, Schulung für Redner und als Übung paramilitärischer Aktionsformen. Husmann dankte den 30 Zuhörern aus dem gesamten Landkreis: "Wir können Unterstützung brauchen." Alle Demokraten seien eingeladen zum Kulturfest am 21. Juni, das sich zu einer festen Größe im Stadtleben gemausert habe. Der Vorsitzende der Samtgemeinde- SPD sagte: "Wir müssen uns inhaltlich formieren." Fakten



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