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Musikalisch-literarische Hörfolge im Stift

Herzhaft und schwermütig: Von der Liebe bis zum Tod

Obernkirchen (dis). "Liebe, Leid und Lyrik in Romantik und Gegenwart" - Thema und Leitgedanke einer ebenso erheiternden wie zu Herzen gehenden musikalisch-literarischen Hörfolge im Stiftssaal. Als Veranstalter fungierten das Stift mit dessen in jeder Hinsicht bemühten Damen und die Künstlerinnenorganisation GEDOK Hannover.

veröffentlicht am 04.04.2006 um 00:00 Uhr

Die charmante Sängerin Angelina Soller, die aufmerksame Pianistin Tatjana Prelevic sowie die vielseitig ausgebildete heimische Sopranistin - in diesem Fall Rezitatorin - Beate Josten verliehen ihren Auftritten mannigfache, vom Publikum nur allzu gern akzeptierte Reize. Das Trio demonstrierte geschickt, wie spannend und erhellend zugleich erlesene Zyklen von Mahler, Schumann und Mussorgsky in Kombination mit stimmigem, facettenreich beleuchteten Lesestoff klingen können. Bereits beim Start brachte Angelina Soller für die von ihr mit dem nötigen Augenzwinkern servierten heiteren Kapitel "Rheinlegendchen" und "Wer hat dies Liedlein erdacht" aus "Des Knaben Wunderhorn" einen schönen, Mahler-spezifischen Mezzosopran ein. Sie widmete sich den Schattierungen lust- und kunstvoll. Dementsprechend leicht und gewitzt fiel Beate Jostens Wahl der Gedichte und Geschichtchen aus. Das änderte sich vor Schumanns Melodram "Frauenliebe und Leben", op. 42. Da naschte die Rezitatorin genüsslich an eher melancholischen Lesefrüchten, die von Goethe und aus den Federn Mascha Kalekos, der Isolde Kurz und Louise von Pönnies stammten. Schumanns höchst anspruchsvolles Werk schildert nach biedermeierlicher Weltsicht ein Frauendasein von der ersten Liebe über die Geburt des Kindes bis zum Tod des Ehemannes. Angelina Soller stellte jedes der acht Lieder ganz individuell und stimmungsträchtig dar und hielt den weiten Spannungsbogen zwingend aufrecht. Man spürte förmlich die mädchenhafte Aufregung des "Seit ich ihn gesehen" oder die resignative Trauer in "Nun hast du mir den ersten Schmerz getan". Hierbei und während der anderen Vorträge erwies sich die Pianistin als kongeniale, mitdenkende Partnerin. Sie zelebrierte ihre schwierigen Klaviersätze akzentuiert, ohne die Sängerin je zum Forcieren zu zwingen. Im zweiten Teil erschlossen die Solistinnen die Welt von Mussorgskys "Die Kinderstube". Die Vokalistin ließ mit beweglicher und biegsamer Stimme eine kleine, reizvolle Welt erstehen, indem sie den knabenhaften Ton des Mischenka zu seiner Kinderfrau Njanja anschaulich traf. Alle kindlichen Aspekte wie Käfer, Puppe, Kater, aber auch die rasanten, zungenbrecherischen Bilder im Abendgebet und Steckenpferdreiter gewannen intensives Leben. Beate Josten fand für ihre lustvoll gestalteten volkstümlichen Wortumrahmungen ebenfalls ein gutes Verhältnis zu Text, Rhythmus und Modulation. Kein Wunder, dass es zum Finale langen Beifall gab und Blumen für die Interpretinnen.

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