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"La Gioia" bricht mit dem Schattendasein

Herz für die Söhne Bachs bewiesen

Bückeburg. Großmächtig wirft Altvater Johann Sebastian seinen langen Schatten - und nur allzu selten tritt einer seiner Söhne ins Blickfeld, um sich im Konzertleben Gehör zu verschaffen. Allenfalls den beiden ältesten Bach-Sprösslingen Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel gelingt es hin und wieder, ihrem Oberhaupt ein wenig Publikumsgunst abspenstig zu machen.

veröffentlicht am 28.11.2006 um 00:00 Uhr

Im Staatsarchiv schwelgen "La Gioia" aus Köln in Bach-Kompositio

Autor:

Dietlind Beinßen

Ein Herz für die zu Unrecht vernachlässigten Bach-Kinder bewiesen nun aber die Gäste des Kulturvereins, "La Gioia" aus Köln. Im gut besetzten Staatsarchiv stellte die Gruppe auf alten Instrumenten Werke von allen vier männlichen Nachkommen vor und hatte sogar noch ein wohllautendes Bonbon des in Bückeburg geborenen Enkels Wilhelm Friedrich Ernst parat. Stephanie Bosch (Traversflöte, Blockflöte), Julia Belitz (Oboe, Blockflöte), Christof Boerner (Violine), Susanne Wahmhoff (Violoncello) und Alexander Puliaev (Cembalo) setzten auf behutsam austarierte Klangrelationen und artikulatorische Geschmeidigkeit, auf heitere Gelassenheit und nie prahlerisch zur Schau gestellte Kunst. Mit leichter Hand gelang es Flötistin, Geiger und Cembalisten beim Hors d'Oeuvre, die anmutigen Tonverästelungen des "Trios C-Dur" vom Bückeburger Bach, Johann Christoph Friedrich, auszubreiten, dessen phantasievoller Farbsinn nach der Pause abermals in der unterhaltsamen "Sonata D-Dur" imponierte. Mit Johann Christians auf Mozart vorweisendem "Quintett D-Dur" stand darüber hinaus ein luftig und lebendig ausgelotetes Stück auf dem Programm. Besonders ansprechend geriet Carl Philipp Emanuels "Sonate g-Moll", die mit technischer Versiertheit auf der hölzernen Oboe und schwungvoller Inspiration im Basso continuo eine optimale Wiedergabe erfuhr. Emanuel vollzog übrigens damals den Bruch mit der zur Überblähung neigenden Tonsprache des Spätbarock und begründete eine neue Einfachheit, die Haydn, Mozart und ihre Klassikerkollegen als schöpferische Grundlage dienen sollte. Außerdem verliehen die Solisten Wilhelm Friedemanns aparter "Sonate e-Moll" für Flöte und Basso continuo eine spezielle Note, indem sie vorführten, wie originell die Partitur zwischen Noch-Barockem und Rokoko-Zierlichkeiten, "Sturm und Drang" und Empfindsamkeit vermittelt. Papa Bach selbst rückte in Gestalt der harmonisch interpretierten "Triosonate F-Dur" nach BWV 1028 ins Rampenlicht. Dem anhaltenden Beifall folgte keine Zugabe.

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