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Großartige Veranstaltung des Heimat- und Kulturvereins / Schaumburger Jagdhornbläser zu Gast im Kirchenzentrum

Hermann Löns hätte an diesem Abend seinen Spaß gehabt

Luhden (sig). Eine unumstrittene Person war er nicht, eher eine zwiespältige Persönlichkeit, versehen mit vielerlei Talenten, und sicherlich ein Mann mit einer kaum zu überbietenden scharfen Beobachtungsgabe. Die Rede ist von Hermann Löns, der im Mittelpunkt eines weiteren "Literarischen Abends" des Eilser Heimat- und Kulturvereins stand. Treffpunkt war diesmal nicht das Arensburger Schloss, sondern das Luhdener Kirchenzentrum.

veröffentlicht am 27.11.2006 um 00:00 Uhr

Lutz Gräber legt eigens für den Löns-Abend die Kleidung eines Fo

Das vorweg: Auch diese Veranstaltung hatte absolut Format und fand zu Recht großen Zuspruch. Wer an beiden Treffen teilgenommen hat, wird schon in Steinbergen gemeint haben: Die Organisation und der Ablauf lassen sich nur noch sehr schwer toppen. Irrtum: In Luhden hat der Heimat- und Kulturverein sogar noch mehr auf die Beine gestellt. Wiederübernahmen Friedrich Winkelhake, Lutz Gräber und Dieter Gutzeit das Vortragen ausgewählter Texte und biographischer Informationen. Wieder gab es etwas zu speisen. Nur diesmal waren die Gaumenfreuden noch ungleich umfangreicher. Der gelernte Koch Guido Bergmann und sein Vater Günter, bekannt alstalentierter Hobbykoch, bereiteten zwei Tage lang vor, was den Gästen schmecken sollte: ein umfangreiches Büfett mit Wildspezialitäten. Schließlich war Hermann Löns ja auch Jäger und alles andere als ein Kostverächter. Im Luhdener Kirchenzentrum gab es dazu noch die passende Musik. Die Schaumburger Jagdhornbläser unter der Leitung von Klaus Gehrke spielten jagdliche Weisen vom "Schnepfenstrich" bis zum "Halali". Der Dirigent erläuterte die verschiedenen Instrumente. Und Elke Schröder aus Bückeburg stimmte mit ihrem Akkordeon Melodien zum Mitsingen an, wie "Auf der Lüneburger Heide" und "Ich bin ein freier Wildbrettschütz". Alle Räumlichkeiten waren passend hergerichtet und geschmückt. Natürlich durfte dabei Heidekraut nicht fehlen. In den zuerst vorgetragenen Texten spielte die Lüneburger Heide zunächst noch keine Rolle. Hermann Löns erblickte nämlich 1866 im westpreußischen Kulm an der Weichsel das Licht der Welt.Aber schon dort durchstreifte er sehr früh die Landschaft, begegnete dabei Zigeunern und Wilddieben, wurde von einer Kreuzotter gebissen und wäre beinahe in einem See ertrunken. Mit 16 Jahren erstellte Löns schon eine Datei für 130 Vogelarten. Später kam er nach Westfalen, studierte dort Medizin und Physik. Er entschied sich dann aber für den Beruf des Journalisten. Zwei Zeitungen in Hannover waren seine ersten Stationen. Deren Auflagen stiegen in dieser Zeit, weil Löns spritzig und humorvollschrieb, aber durchaus auch sehr kritisch formulieren konnte. 1907 kam er als Chefredakteur zur Schaumburg-Lippischen Landeszeitung nach Bückeburg, wo er von der gesellschaftlich führenden Schicht nicht die gewünschte Akzeptanz erfuhr. Immerhin fand er hier genügend Zeit, seine schriftstellerischen Ambitionen auszuleben und viele Streifzüge durch den Harrl, den Bückeberg und den Deister zu unternehmen. In Bückeburg verfasste Löns drei Tierbücher, mehrere Romane, und einen Balladenband. Für die damalige Residenzstadt und das kleine, aber reiche Fürstentum hatte er nach seiner Entlassung nur die Satire "Duodez" übrig, über die man heute deutlich mehr schmunzeln kann als unmittelbar nach der Veröffentlichung. Wesentlich größeren Beifall erhielt er hier für seine unnachahmlichen Naturbeschreibungen. Den Tod fand der oft auch als streitsüchtig und jähzornig beschriebene Autor und Jägersmann im Ersten Weltkrieg. Er hatte sich für den Frankreich-Feldzug freiwillig gemeldet. Um seine letzte Ruhestätte in der Lüneburger Heide ranken sich allerlei Geschichten. Fest steht jedoch: Sie ist alljährlich Anlaufstelle für viele Wandersleute und Freunde des Dichters.

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