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Geschichtswerkstatt will 60 Kilometer zu Fuß zurücklegen / Großes Interesse im Vorfeld

Herder-Schüler erinnern an Marsch in den Tod

Bückeburg (bus). "Von Lahde nach Hannover in den Tod" lautete vor einigen Jahren der Titel eines Beitrags des Norddeutschen Rundfunks. Der Bericht erinnerte an den "Todesmarsch", der im April 1945 etwa 800 Insassen aus dem "Arbeitserziehungslager" (AEL) Lahde in die Hauptstadt Niedersachsens führte.

veröffentlicht am 20.04.2007 um 00:00 Uhr

Die Geschichtswerkstatt der Herder-Schule organisiert einen Gede

Die vielfach preisgewürdigte Geschichtswerkstatt der Bückeburger Herder-Schule nimmt das historische Ereignis zum Anlass, um mit einem Gedenkmarsch an die weit mehr als 100 Todesopfer zu erinnern, die damals der Marsch und die anschließenden Erschießungen forderten. Werkstattmitglieder wollen am 26. und 27. April die etwa 60 Kilometer lange Strecke zu Fuß bewältigen. Das auch von der Realschule Lahde mit etwa 30 Schülern unterstützte Vorhaben stieß bereits im Vorfeld auf großes Interesse. Zahlreiche Zeitzeugen, Vertreter des öffentlichen Lebens und einige Hinterbliebene signalisierten ihre Bereitschaft zur Mitwirkung. Professor Rolf Wernstedt, Präsident des Niedersächsischen Landtags a. D. und Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VdK), übernahm die Schirmherrschaft. Das während des Marsches über Spenden und Sponsoren eingenommene Geld soll der Begegnungsstätte des VdK "Golm" (deutsch-polnische Jugendaktivitäten auf der Insel Usedom) und ehemaligen Zwangsarbeitern aus Osteuropa, zu denen die Herder-Schule seit langer Zeit Kontakt hält, zur Verfügung gestellt werden. Geschichtlicher Hintergrund: Im Mai 1943 wurde das AEL Liebenau (Kreis Nienburg) aufgelöst und nach Lahde verlegt. Hier war, aufgrund eines Vertrages der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Hannover mit der Preußen Elektra, der Bau eines kriegswichtigen Großkraftwerkes geplant. Während der 22 Monate des Bestehens des Lahder Lagers sind von den etwa 8 000 Insassen 637 Menschen um ihr Leben gekommen. Im Anschluss an die Auflösung des Lagers in den ersten Apriltagen 1945 wurden die noch marschfähigen Häftlinge in den "Todesmarsch" nach Hannover getrieben. Lagerleiter Karl Winkler übergab dem Chef der Gestapoleitstelle Hannover, Johannes Rentsch, etwa 800 Menschen. Die Strapazen des Marsches forderten selbst mindestens zehn Todesopfer, weitere etwa 100 "Lahder" wurden am 6. April 1945 auf dem Seelhorster Friedhof in Hannover erschossen. Ablaufplan des Gedenkmarsches: Beginn ist am Donnerstag, 26. April, um 9 Uhr am Gedenkstein des ehemaligen AEL Lahde. Zwischenstopps sind eingeplant an den Massengräbern auf dem evangelischen Friedhof Lahde und auf dem Ehrenfriedhof in Bierde. Die weitere Route führt über Raderhorst, Wiedensahl, Niedernwöhren, Stadthagen, Gut Remeringhausen und Heuerßen bis zur Übernachtungsstation Beckedorf. Auf Remeringhausen, wo 1945 vier Häftlinge erschossen wurden, ist eine Rast der Marschkolonne vorgesehen. Am zweiten Tag geht es über Bad Nenndorf, Stemmen, Lathwehren und Döteberg nach Hannover-Ahlem, wo die Kolonne gegen 17 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte erwartet wird. Das Projekt kann durch Spenden auf das Konto 322 239 369 (Verein der Herderaner) bei der Sparkasse Schaumburg (Bankleitzahl: 255 514 80, Stichwort: "Lahde-Ahlem") sinnvoll unterstützt werden.



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