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Fleischindustrie

Hemmungsloser Umgang

Zu: Die Fleischindustrie braucht neue Grenzen“, vom 19. Juni
Vielen Dank sage ich Ihnen, besonders Herrn Niesmann, für den glasklaren kurzen Kommentar. Der Skandal ist aber noch umfangreicher: Die Fleischindustrie beutet durch das Subunternehmersystem nicht nur die Arbeitsmigranten schamlos aus, sondern darüber hinaus auch die vorgelagerten Beteiligten der „Produktionskette“, die durch die Betriebsschließung auf ihren Mastschweinen sitzen bleiben und deshalb ihrerseits den Ferkelproduzenten keine neuen Tiere abnehmen können.

veröffentlicht am 24.07.2020 um 21:52 Uhr

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Den Mästern werden oft noch nicht einmal Preise gezahlt, die ihre Kosten abdecken. Durch die niedrigen Auszahlungspreise war es dem „Fleischbaron“ Clemens Tönnies möglich, Gewerbesteuer sparend, für 5 Millionen Euro ein Stadion zu bauen, das formal dem Betriebssport dient, aber gleichzeitig dem Frauenfußball-Zweitligisten FSV Gütersloh und anderen zur Verfügung gestellt wird.

Bezug nehmend auf die Bemerkung, es erfordere „ein gehöriges Maß an Ignoranz“, um das Grillfleisch genießen zu können und dabei nicht an die „Leiden der Tiere“ zu denken. Das ist die tierquälerischste Methode, um die Tiere auf ihre Tötung vorzubereiten. Der Sauerstoffentzug durch CO2 löst extreme Atemnot aus. Die Tiere versuchen instinktiv, dem Erstickungstod zu entrinnen. Sie schreien bei ihren vergeblichen Fluchtversuchen erbärmlich, bis sie nach schier endlos langen, zirka 25 Sekunden das Bewusstsein verlieren und nach dem Auswurf aus dem „Paternoster“ (ja, so wird die Anlage intern genannt!) im Akkord mittels „Entblutungsstich“ getötet werden – in Rheda-Wiedenbrück über 20 000 Schweine am Tag. Für Achtung vor dem Leben, das den Tieren genommen wird, ist da kein Platz. Die Brutalität gegenüber dem Tier wird verdrängt und wirkt sich dann aus dem Unterbewusstsein im sozialen Umfeld aus. Wie sich die Verantwortlichen selbst belügen, ließ mich die Firma Tönnies wissen, als ich wiederholt darum bat, wie mir 2012 zugesagt, Einblick in die Anflutungsphase nehmen zu können: Während des Betäubungsvorgangs bestehe kein Kontakt von Mitarbeitern zu den Schweinen, weshalb es auch nicht zu tierschutzrelevanten Verstößen kommen könne. Im Übrigen handele es sich bei der CO2-Betäubung um ein EU-weit zugelassenes Verfahren. Zu dieser Haltung passt das infame Tönnies-Logo mit den beiden lachend laufenden Rindern und dem Schwein, die auch auf der Rückseite der Lkw zu sehen sind. Fazit: Nie wurde so deutlich wie jetzt, dass hemmungsloser Umgang mit Menschen und Tieren derselben Wurzel entstammt.



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