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Ab sofort bleiben an einem Werktag alle 170 Beschäftigte zuhause / Helcor-Ledertec nicht betroffen

Heller schickt alle Mitarbeiter in Kurzarbeit

Hehlen (ul). Heller Leder weitet seine Kurzarbeit aus. „Das lief bisher in den einzelnen Abteilungen unterschiedlich, seit 1. September gehen jetzt alle 170 Heller-Leder- Mitarbeiter in Kurzarbeit“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Strebost. Er leitet das mittelständische Familienunternehmen in vierter Generation gemeinsam mit zwei Geschäftsführern. Genau genommen handelt es sich um einen Arbeitstag in der Woche, an dem die Mitarbeiter bis auf weiteres zuhause bleiben werden. Absehbar ist für Strebost bisher noch nicht, wann sich der Markt wieder erholt.

veröffentlicht am 07.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Der US-Möbel- und Spezialgeschäftemarkt für Leder beispielsweise in der Flugzeuginnenausstattung für Luxus-Privatjets in den USA sei derzeit tot. „In den USA haben wir rund 70 Prozent Umsatzeinbruch. Da der US-Export einen großen Anteil am Gesamtexportgeschäft ausgemacht hat, ist dieser Einbruch maßgeblich am Gesamtumsatzminus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr beteiligt“, berichtet Strebost.

Durch die späten Ferien in Baden-Württemberg, Bayern und Frankreich fehlen bisher die Aufträge wichtiger süddeutscher und europäischer Kunden. Impulse erhofft sich Strebost von den Möbelmessen im Herbst.

Aber diese Impulse werden sich als Aufträge in Hehlen frühestens im November, Dezember und Januar niederschlagen. Solange dauert es, bis nach den Messen die Aufträge vergeben werden.

Doch auch in der Wirtschaftskrise gibt es bei Heller-Leder zwischenzeitlich Spitzen, die abgearbeitet werden, auch an Samstagen. „In der Wasserwerkstatt gibt es immer wieder Lohngerbaufträge, die wir für andere ausführen, die müssen sehr schnell abgewickelt werden.“ Fest planbare Daueraufträge gibt es im allgemeinen schon lange nicht mehr im Ledergeschäft. So wechseln zum Beispiel im Automobilgeschäft die Mengen der einzelnen Farben ständig.

Keinerlei positive Auswirkung hatte die Abwrackprämie auf den Lederhersteller. Der Großteil des Geldes aus dem Konjunkturprogramm sei in Kleinwagen gegangen.

„Mit der Lederausstattung für Automobile fangen wir bei Heller-Leder und Helcor erst auf dem Niveau eines 3er BMW an und gehen dann aufwärts bis zum Porsche 911.“ Mit der Abwrackprämie habe die Bundesregierung hauptsächlich Kleinwagen-Automobilhersteller in Italien, Rumänien und Frankreich unterstützt, meint Strebost.

Insgesamt kritisiert der Mittelständler das deutsche Konjunkturprogramm: „Die Konjunkturmaßnahmen in Deutschland sind nicht breit genug aufgestellt, gefördert wird hauptsächlich die Baubranche.“

Nach Meinung von Strebost haben die Chinesen die beste und einfachste Investitionspolitik in der Krise geleistet, „indem sie Zölle und Abgaben in vielen Bereichen auf Null gesetzt haben. „Unsere Mitbewerber aus China können nun Rohwaren oder Halbfertigprodukte um 20 bis 30 Prozent billiger einkaufen.“ Durch die dadurch deutlich gestiegene Nachfrage der Chinesen habe sich der in der Krise deutlich gesunkene Preis der Rohwaren jetzt wieder massiv auf das Niveau vom letzten Jahr, also vor der Krise, verteuert.

„Das ist ärgerlich für den europäischen Markt, denn die hohen Einkaufspreise zwingen dazu, die Preise zu erhöhen, um den Ertrag stabil zu halten.“ Eine Kreditklemme spürt Strebost zwar nicht, aber er hat den Eindruck, „die Banken geben die für sie verbilligten Konditionen nicht in dem Maße weiter, wie es erwartet wird“ Kaum betroffen von der Krise ist die Helcor-Ledertec. In dem Geschäftsbereich der Lederveredelung mit patentierten Oberflächenbehandlung „laufen die Geschäfte gut“. 60 Prozent der hier veredelten Leder gehen in die Automobilbranche, 40 Prozent in die Schuhindustrie. Für die 65 Helcor-Ledertec-Mitarbeiter fällt keine Kurzarbeit mehr an, bestätigt Strebost.

Derzeit informiert sich das Unternehmen beim Arbeitgeberverband, wie die acht Lehrlinge am Kurzarbeitertag beschäftigt werden können. „Aber es gibt für sie in verschiedenen Geschäftsbereichen immer etwas zu tun“, ist sich Strebost sicher.

Waldemar Kroter legt das Leder an die Walzenauftragspresse bei Helcor-Ledertec. Die Maschine trägt die Beschichtung auf das Leder auf.

Fotos: ul



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